Dienstag, 30. September 2008

Ruhelos

...bin ich gerade gestreift
...durch die Straßen meiner Stadt.

Es regnete nicht mehr
...war dunkel
...kreuz und quer an meiner Laufstrecke.

Frische Luft und Bewegung
...tun gut
...auch wenn ich mal nicht laufe.

Ja, so steht es um mich nach 2 Tagen krankheits- bzw. genesungsbedingten Nicht-Laufens. Ich saß am Schreibtisch, hatte Hunger, aß, fühlte mich unwohl, wälzte mich auf dem Stuhl. Alle Versuche, mich abzulenken? - erfolglos.
Also bin ich doch hinaus gegangen. Nicht gelaufen, aber doch eine nach der anderen Runde um die Häuser, quer und kreuz und wie eine "Acht".
Ist es nicht schlimm: Ich bin süchtig - nach Bewegung.
Wird es nicht schön sein - wenn ich wieder laufen geh'...

Montag, 29. September 2008

Lest ihr eigentlich...

...Laufzeitschriften?

Heute hatte ich beim Mittagessen mal die Muße, in einer auf der Marathon-Messe mitgenommene Ausgabe der Runner's World hineinzuschnuppern. Mehr als das tue ich eigentlich nie, das dafür aber regelmäßig auf Bahnhöfen, wenn's beim Stadtbummel eben mal der Zufall will oder das Ding bei irgendwem rumliegt.

Gekauft aber habe ich mir in meinem Leben vielleicht 2-3 Ausgaben vermutlich verschiedener Laufzeitschriften. Der Grund: Dort wird viel alter Wein in neuen Schläuchen verkauft. Rezept: Man nehme eine Überschrift mit Appellcharakter, mische sie mit einer rhetorischen Frage und einer Expertenmeinung aus einer neuen (aber völlig unbedeutenden oder an den Haaren herbeigezogenen) Studie und fertig ist der Lauf-Artikel.

Beispiel Ernährung: "Essen Sie genug Eiweiß?" wird da gefragt. Die sich-erwischt-fühlende Antwort ist natürlich erstmal "bin mir nicht sicher", und da man im nächsten Schritt aufgrund "neuester Erkenntnisse" seines Neins immer sicherer wird, landet das Magazin mit dem angelesenen Beitrag im Einkaufswagen. Ein ganzer Artikel wird aus der Story jedoch erst durch reichlich viele Tricks: ein paar ältere (und noch mehr an den Haaren herbeigezogene) Studien hier, ein reich bebilderter Ernährungplan für den wirklich richtig ultimativen Kick dort. Macht also zweieinhalb Seiten für eine Kerninformation von vielleicht einer halben...

Und dann werd' ich ja das Gefühl nicht los, dass sich die Magazine ihre Leserbriefe selbst schreiben. Oder wieso gibt es in den Ratgeber-Rubriken alle 3-4 Monate dieselben Fragen nach "Laufen und Gewichtsabnahme", "Laufen und Achillessehne" oder "Laufen während der Tage"?

Schließlich die Trainingspläne: Ab 3:30 abwärts gab's bis vor Kurzem gar nichts (jetzt bei RW im Internet bis 2:59). Spricht auch nicht grad dafür, dass die Leserschaft wirklich solch jung-dynamische (und fitte) Jungspunde sind, wie sie sich meist auf dem Titel finden.

Die Krönung sind aber Rezepte und Ernährungsempfehlungen, die niemals in einen normalen Arbeitstag, geschweige denn in eine kleine Küche oder ein bescheidenes Bu´dget passen: 2 Blättchen Rucola hier, eine halbe Schale Feldsalat dort, Walnussöl, Knäckbrot mit Quinoa und was dergleichen Exotik mehr ist.

Meine Meinung: Nichts als Geldschneiderei! Laufen ist ein einfacher Sport, und meine Bilanz vor Trainingsbeginn lautete:

- ein halber (gelangweilter) Blick in die Runner's World
- keinerlei "Seminare"
- keine "Tipps" aus speziellen Laufgeschäften
- Baumwollshirts und Trainingshose
- Laufschuhe aus der Zeit, als man mit NikeAir in der Schule cool war
- keine Ahnung von Bestzeiten und Schallgrenzen
- und trotzdem mit Spaß und Erfolg dabei!

Wunder gibt es immer wieder...

Berlin: Wie's war

Ein anstrengendes Wochenende habe ich bereits hinter mir, denn wie bei so einer Großveranstaltung unvermeidlich, musste die Startnummer für den 35. Berlin-Marathon spätestens am Vortag abgeholt sein. Eine Nacht in fremder Wohnung auf der Luftmatratze schloss sich an, und wie immer hatte ich unruhig geschlafen aus Angst, den Wecker nicht zu hören. (Bei Ultraveranstaltungen mit gemeinsamer Übernachtung entfällt diese Angst, so dass ich dort viel ausgeruhter an den Start gehe.)

Es wimmelt nur so von Läufern:



Doch das alles ist vergessen als wir unter dem strahlend blauen Himmel auf der Straße des 17. Juni stehen. Wir, das sind (gemeldet) über 40.000 Lauf-Verrückte aus aller Herren Länder, aufgereiht, um gleich auf die Strecke durch Berlin geschickt zu werden. Kurz hinter mir, die ich mich ungewohntermaßen in Block F (zwischen 3:35 und 4:00 Stunden) eingereiht habe, macht eine Fitnessstudio-Animateurin mit dem üblichen festgefroreren Lächeln Verrenkungsbewegungen vor. Wie so oft frage ich mich, was daran Sport ist, und von den umstehenden Marathonis macht außer beim Wedeln mit den Armen kaum eine(r) mit.

Dann werden die Berühmtheiten begrüßt, allen voran Haile Gebrselassie, der Vorjahressieger, der in nur etwas mehr als 2 Stunden seinen eigenen Weltrekord eingestellt haben wird. Ein Raunen geht durch die Masse, als sein Name genannt wird. Wo sonst hat ein Freizeitsportler die Chance, gegen einen Weltrekordler anzutreten? Wobei wir später beim Philosophieren auf der Strecke zu dem Ergebnis kommen werden, dass diese Chance rein theoretischer Natur ist.

Wir, das sind ich und Norbert, den ich gleich nach meiner Ankunft im Startblock kennen lerne und der sich für seinen ersten Marathon vorgenommen hat, die 4-Stunden-Marke zu knacken. "Das trifft sich ja gut, ich will aus Krankheitsgründen heute etwas kürzer treten!" und so laufen wir zusammen.

Als wir im Meer der Läufer in einer eleganten Links-Rechts-Kurve die Siegessäule umschlängeln, wird mir zum ersten Mal klar, was ich da tue. Ich habe den Eindruck, unglaublich langsam angetrabt zu sein, doch Norberts Uhr ("5:30 pro Kilometer") belehrt mich bald eines Besseren. Auch hatte ich gedacht, dass mich das viele Slalom-Laufen um die Teilnehmer, die sich mit der Startblock-Wahl doch etwas übernommen haben, nerven würde, aber kein Gedanke daran. Stattdessen lasse ich mich treiben, unterhalte mich über dies und das und genieße die vielen Zuschauer.

Dann lerne ich am ersten Erfrischungspunkt beinahe eine schmerzhafte Lektion: Wer hier nicht schnell, gewandt und mit Überblick agiert, läuft am Wesentlichen vorbei und muss dann weitere 5 Kilometer darben. Das wäre auf meinen nüchternen Magen gar nicht gut gekommen. Auf Höhe der bekannten Haftanstalt Moabit laufen wir erstmals neben dem überfüllten Straßen-Korridor. "Noch weiter nach links möchte ich jetzt aber nicht", sage ich mit einem Blick auf das verriegelte Gebäude, und so traben wir weiter.

Bald kommt der Reichstag wieder in Sicht, und auf der Brücke zwischen Hauptbahnhof und Kanzleramt zeigt sich erstmals das "Fest der Nationen": eine russische Fahne wird am langen Griff geschwenkt, daneben feuern die allgegenwärtigen Dänen klappernd, rufend und Fähnchen wedelnd die zahlreich laufenden Landsleute an.

Doch das Beste kommt noch. In Richtung Friedrichshain gibt es erstmals Musikgruppen - vom einsamen Jazzpianisten in der Morgenkühle bis zu unzähligen Samba-Bands wird an der Strecke alles dabei sein. Bei Kilometer 10 dann wieder nur Wasser - für mich, die ich eben das richtige "Timing", wann ich mich dem Rand zu nähern habe und wo ich genau das finde, was ich benötige (in diesem Fall gesüßten, warmen Tee), noch nicht beherrsche.

Norbert ist unterdessen guter Dinge, wir laufen zwischen 5:20 und 5:30 im Schnitt und ich verspreche, dass wir den Halbmarathon sicher unter 2 Stunden ansteuern. Doch bis dahin laufen wir noch auf baumgesäumten Straßen locker zwischen gut gelaunten Menschenmassen hindurch. Kaum ist die Musik von einer "Station" hinter uns versiegt, tönt bereits die nächste ans Ohr - hier ein persischer Sänger, da Drehorgeln: "sei Tradition - sei multikulti - sei Berlin" könnte ich im Stil der derzeitigen Werbekampagne sagen.

Bei 20,9 Kilometern dann "Timecheck": wir haben 1:58 auf der Uhr und ich erzähle Norbert, dass entgegen allen Gerüchten beim Marathon die zweite Hälfte kürzer sei als die erste. Schließlich müssen wir nur noch nach Hause... Na gut, bin vielleicht nicht die geborene Motivationstrainerin, aber für mich stimmt's in diesem Moment (was ja vielleicht auch daran liegen kann, dass ich ganz andere Distanzen und Tempi gewohnt bin).

Die Straßen sind jetzt zunächst noch einmal richtig eng. Wir haben eine Technik entwickelt, bei der nur einer "links vorbei" oder "durch die Mitte" zu rufen braucht, und schon schlängeln wir uns an den Mitlaufenden vorbei in einen halbwegs freien Raum. Kilometer 25: Verpflegungspunkt und dann Gänsehaut pur. Unter einer eisernen Brücke sind wir ganz eingerahmt von Publikum, und dann dieser Rhythmus: "Bum, bum, bum", immer schneller geht das, kaum einer der Läufer kann die Hände in der gewohnten Form vor dem Körper führen, wir alle klatschen und laufen nach diesem "Bum, Bum", um uns herum das Gefühl, dass die Brücke vibriert. Ich weiß nicht, ob sie's tatsächlich tut, aber am Ende dieser Passage sehen wir, wer für diese wunderbaren "Vibrations" verantwortlich zeichnet: die Gruppe "Trommeln in Berlin" mit ihren (Öl-?)Fässern, im Übrigen eine Ausdruckform, die auch in anderen Städten zunehmend Anhänger findet. (Aber bitte zu gegebenem Anlass!)

Dann der südlichste Punkt der Strecke: Steglitz, Zehlendorf, wunderbare Alleen vor großzügigen Wohnhäusern, alles gesäumt von einem ebenso interessierten wie enthusiastischen Publikum. Das hier ist kein Lauf, es ist ein Volksfest, und wenn ich Norbert nicht hätte, alles würde mit mir durchgehen und ich liefe die nächsten Kilometer ind 5:00. (Danke, Norbert, dass du mich vor dem eigenen Übermut bewahrt hast). So passieren wir Kilometer 30 nach 2:45 Stunden, und Angelika aus Nürnberg, die sich uns zwischenzeitlich angeschlossen hat, meint, sie müsse jetzt "nur noch die 12 in einer Stunde laufen, um unter 4 ins Ziel zu kommen". Rein rechnerisch hat sie natürlich recht, doch während ich für mich persönlich mit dem Gedanken gespielt hätte, mute ich "meinen" Marathon-Neulingen so etwas nicht zu.

Stattdessen fasele ich etwas von: "Wer's bis hierher geschafft hat, kommt auch locker ins Ziel!" Scheinbar bin ich dabei sehr glaubwürdig, denn zumindest Norbert bleibt tapfer an mir dran. Erst später wird er mir gestehen, dass ab Kilometer 34 gar nichts mehr ging bei ihm, aber wie sagt man so schön: "Pain is temporary, pride is forever!"

Tatsächlich habe ich selbst auch einen kleinen Einbruch, als es auf die (von mir immer) ersehnten 32 zugeht. Angelika trifft hier ihre Anfeuer-Freunde aus Nürnberg und ist happy, bekommt dann aber Seitenstiche und muss am Erfrischungspunkt kurz vor der 33 dann länger stehen bleiben, so dass wir sie aus den Augen verlieren.

Der Ku'damm kündigt sich mit Radio-Moderation aus überall verteilten Lautsprechern an. Dazwischen Techno-Samba-Mix und unglaublich viele Menschen. Ich selbst finde es etwas seltsam, dort zu laufen, wo ich sonst shoppen und vielleicht mal zu Mäckes (ja, auch das kommt vor!) gehe. Ich spüre, dass etwas bei Norbert nicht mehr richtig stimmt, unsere Unterhaltung ist monoton geworden beziehungsweise quasi verebbt. Mir selbst wird auch klar, was wir eigentlich gerade zu leisten im Begriff sind, doch fühlt es sich ganz anders an, als wenn man draußen in Wald und Flur allein ist und mit sich selbst, dem Atem und dem nächsten Schritt kämpft. Seltsamerweise wundere ich mich (trotzdem), weshalb einige Leute um mich herum gehen. Schließlich sind es "nur noch 7", davon 2 im Angesicht des Brandenburger Tors, das kann doch nicht so schwer sein, oder?

Dann sind wir an der Gedächtniskirche vorbei. Irgendjemand hatte mir mal erzählt, dass zwischen 38 und 40 in Berlin kaum Zuschauer stehen, doch im Gegenteil drängen diese sich zwischen den erst modernen und dann klassischen Häuserschluchten der Potsdamer Straße so nah an die Läufer, dass der Fluss immer wieder stoppt wie ein Gebirgsbach in einer Klamm - aus dem sich dann auch die, die's noch können, mit einem Spurt befreien.

Kurz hinter der immer noch offeneren Fläche des Potsdamer Platzes dann ein bekannter Haarschopf voraus: Hans-Martin vom Lauftreff wundert sich, dass ich erst jetzt zu ihm Auflaufe. Auf meine kurze Krankheits-Geschichte erwidert er nur "ich auch". Er wird zwar die 4 Stunden heute nicht knacken, dafür werde ich ihn aber wohlbehalten und glücklich auf der Wiese vor dem Reichtag wiedertreffen.

Noch zweieinhalb Kilometer. Für den jetzt doch arg mitgenommen wirkenden Norbert Zeit, meine Brötchenhol-Suggestion auszupacken. Das mache ich immer bei Läufern, die auf den letzten Metern wirklich oder vermeintlich Probleme bekommen: Ihnen von einem kühlen Samstagmorgen erzählen, an dem sie mit ausgeruhten Beinen in den Nachbarort zum Brötchenholen traben. Bei Norbert wirkt es nur noch mittelmäßig. Ich habe den Eindruck, ihn zu nerven und laufe deshalb einige Meter vor ihm her. Dafür ist ein anderer jüngerer Mann beeindruckt: "Dass du hier noch die Puste hast, das alles zu erzählen!" Wissens lächelnd trabe ich meines Weges.

Das sind sie also, die magischen letzten 2. Wir lassen den wunderbaren Gendarmenmarkt mit seinen neoklassizistischen Gebäuden hinter und haben bald zum Prachtboulevard "unter den Linden" unter den Füßen. Die Menschenmenge ist überwältigend. Noch ist die Straße breit, wir passieren den 41. Kilometer und ich lasse mich mitnehmen vom Strom der Tausenden, die ich jetzt vor und neben mir laufen sehe. Es ist alles so einfach. Kein Kampf, keine Selbstmotivation nötig. Und ich spüre die Schritte, die ich vorhin in einer un-bemusikten Minute einmal wahrgenommen habe: klapp, klapp, klapp, klapp, tausende Schritte auf dem Asphalt.

Dann stehen da noch 2 von diesen aufblasbaren Bögen vor uns. Der erste signalisiert "noch 1 Kilometer", der zweite ist, soviel ich entdecken kann, nur Werbung, doch wen interessiert was darauf steht bei seinem Anblick: das lang ersehnte Brandenburger Tor.

Kann ich noch? Ich kann noch. Also trabe ich an. Rechts und links Menschenmassen, im Hintergrund der Steinkoloss der französischen Botschaft am Pariser Platz - und dann bin ich irgendwie hindurch - habe den magischen Moment gar nicht richtig wahrgenommen.

Weit, weit vor mir das Schild "Kilometer 42" und dann peile ich sie an, die Mitte, über der nicht "Ziel" steht wie über den Durchgängen rechts und links, sonder "real" wie der Hauptsponsor. In dem Moment finde ich es cool, dass selbst für uns Langsamtreter noch so viele Leute auf der Tribüne sind, und Norbert spurtet - was ich einem Fortgeschrittenen übel genommen hätte - auf den letzten 5 Metern an mir vorbei. Später wird er mir sagen, dass er einfach unter 3:58 bleiben wollte. Sei's drum. Haben wir geschafft.

Mir geht's gut, ihm weniger, und so holen wir uns Medaille und Warmhalte-Plane ab, die ein bisschen aussieht wie ein cäsarischer Umhang und die für kleinere Leute wie mich viel zu lang ist, so dass mir im Gewühl dauernd andere auf die unvermeidliche Schleppe treten.

Im Tiergarten dann schnell eins der dürftigen Lunchpakete (Schokobrötchen, 2 Mini-Kekse, Banane, aromatisiertes Wasser, was ist daran Läufer-gerecht) gegriffen und nach einigem Überlegen dann doch hingesetzt. Norbert ist happy und total kaputt, wobei er nach eigenem Bekunden noch auf das Runner's High wartet. Ich bin etwas kaputt und habe überhaupt keine Erinnerung an die vergangenen 4 Stunden. Es war sicherlich ein Erlebnis - ein Lauf aber war es in meinen Augen nicht.

Schließlich ins Duschzelt - es gibt tatsächlich heißes Wasser und ich fnde es fanzinierend, mich auf dem nackten Straßenasphalt im Schutze des Zeltes von oben berieseln zu lassen. Bei dem tollen Wetter habe ich eigentlich einfach nur Lust, den Moment noch etwas zu genießen. Das sagen sich wohl auch fast alle anderen Läufer, die die Wiese vor dem Reichtag inzwischen in eine Kolonie au gelben Warmhalte-Planen verwandelt haben. Allerdings denke ich auch an die Umwelt, den Rasen und die Bäume im Tierpark, die von Läufer-Pipi sicherlich nicht weniger eingehen als von dem der Loveparade-Besucher ;-)

Auch den Reichtag und die Wiese davor haben Läufer eingenommen:


Na gut, für solches Philosophieren ist jetzt keine Zeit, schließlich will ich mich noch mit Jassi von "Potato to runner" treffen, die es auch schließlich schafft, mich vor der "verrosteten Skulptur am Kanzleramts-Garten" aufzulesen. Gemeinsam gehen wir etwas trinken mit Blick auf die Spree und ich finde es toll, mal wieder jemanden aus dem Internet live kennen gelernt zu haben. Insofern freue ich mich auch auf das Blogger-zu-Joggern-Treffen, das es vielleicht nächstes Jahr geben wird.

Andenken vom "Kleinen Bloggerinnen-Treffen":



Unterdessen werde ich jetzt erstmal richtig gesund, plane aber schon die nächsten Marathons und werde mich demnächst vielleicht nochmal zur Frage "Event vs. Laufen" äußern.

Samstag, 27. September 2008

"Berlin, Berlin, ich fahre nach Berlin!"

Hallo zusammen,

nach all den Berichten über die unglücklich eingetroffene Krankheit, ein paar selbst gewussten Hausmittelchen und euren Tipps stehe ich jetzt an der Schwelle - und auch wieder auf beiden Beinen. Die Tasche ist gepackt, muss nur noch eine "Merci" kaufen für die Bekannten, die mich freundlicherweise beherbergen...dann geht's los.

Meine Ambitionen habe ich angesichts der Lage jedoch etwas zurückgeschraubt. Ich versuche mal, den ersten HM in 2:00 Stunden zu laufen und entscheide dann, ob es eine 4 oder doch eher eine 4:30 Std. wird. Vielleicht wird's auch noch langsamer, nur kenne ich dafür die Kilometerzeiten gar nicht *ascheaufmeinhaupt* und zweitens glaube ich, dass es jenseits einer bestimmten Dauer auch nicht einfacher wird, einen Marathon durchzustehen.

Auch seltsam ist, dass ich mir jetzt über ganz andere Ausrüstungsgegenstände Gedanken mache. Statt "stört das auch nicht uns ist nicht zu warm" (bei T-Shirt und Halstuch) denke ich jetzt "genügt das, um dich warm zu halten" (angesichts meines zusätzlichen angerauten Tchibo-Laufshirts). Zu Hause bleibt nach langem Überlegen auch die Kamera Denn irgendwie hindert mich das Fotos Machen daran, den Moment zu genießen, statt ihn in eine Konserve für später zu packen. Außerdem denke ich, dass ich immer noch besser die richtigen Worte als den richtigen Betrachtungswinkel finde. Ich werde also berichten - aber in Textform.

Nun freu' ich mich auf Berlin und lasse den Ehrgeiz (Dienstag in der Laufgruppe habe ich noch von 3:30 Std. gesprochen, die ja auch unter normalen Umständen drchaus realistisch sind) zu Hause. Los geht's!

Donnerstag, 25. September 2008

Krank :-(

Liebe Leute, mich hat's erwischt, und das ausgerechnet so wenige Tage vor Berlin. Vorgestern noch die Runde mit dem Lauftreff, danach ins Bett und als ich gestern aufwache: Kratzen im Hals. So ganz tief drin wo kein Gurgeln und kein Spray drankommt. Das Schlucken tut mir zwar nicht weh, ruft aber einen ätzenden Hustenreiz hervor und auch sonst fühle ich mich nicht wohl, bibbere unabhängig von der Kleidungsdicke vor Kälte.

Nun gut, einen Tag hätte ich mir ja gegeben und versuchte also mit Salbeitee (gut für Hals und Magen, der bei mir irgendwie immer mit anspringt auf alle Krankheitserreger), Emser-Pastillen und Rachenspray wieder auf den Damm zu kommen. Ein bisschen mehr Ruhe und frische Luft in Form von Spaziergängen habe ich mir natürlich auch gegönnt. Doch da wusste ich auch noch nicht, was für eine Nacht auf mich zukommt. Aufgrund des dauernden Hustenreizes habe ich kaum ein Auge zu getan, wer schläft schon gern mit dem Gefühl, zu wenig Luft zu bekommen? Und das Temperaturempfinden ist auch immer noch nicht zurück auf normal, so dass die Heizung läuft und ich mal wieder was für die Taschen der Energieriesen tue.

Heute nachmittag habe ich einen wichtigen Termin auf der Arbeit und werde mich wohl hinbegeben. Und dann hoffen, dass "Zink + Vitamin C" anschlägt und ich in Berlin wenigstens teilnehmen kann...

Dienstag, 23. September 2008

Vor Berlin oder Laufen bildet

Leute, der große Tag naht, an dem auch ich penetrante Großveranstalungs-Verweigerin über die Ziellinie krz hinterm Brandenburger Tor taumeln/schlurfen/laufen werde. Grund ist der Gewinn eines Startplatzes seinerzeit auf marathon.de. Und soll ich euch was sagen: Ich freu' mich drauf!

Heute war hier wieder Lauftreff, und da wir nicht wirklich weit von der Hauptstadt entfernt und die meisten Mitläufer nicht ganz so Startgeld-knauserig sind wie ich (sagen wir mal: ich gucke auf's Preis-Leistungs-Verhältnis), wird es dort ein Stelldichein von mindestens 4 Leuten geben.

Zum Auslaufen haben wir heute nochmal eine sehr ruhige Runde um unseren/"meinen" See gedreht - ab 19.30 Uhr und daher zumindest auf dem Rückweg schon in völliger Dunkelheit. Und als wir dann so - doch noch ein wenig Gas gebend im einsetzenden Nieselregen - auf die Stadt zutraben, frage ich meine männlichen Begleiter doch ganz kleinlaut und vorsichtig, weshalb denn die Sonne vor uns untergehe. Schließlich sei das nicht Westen, oder? Und tatsächlich hat mich mein weiblicher Orientierungssinn so nah der Heimat nicht verlassen, denn - so die Erklärung auf dem Fuße - das sei die Großstadtbeleuchtung. Klingt plausibel, zumal der rötlich-gelbe Schein sogleich dem Anstrahlen der innerstädtischen Kirchen mit entsprechendem Scheinwerferlicht zugerechnet wurde.

Laufen bildet! Nur gut, dass ich das triumphale Schmunzeln auf den Gesichtern der beiden nicht sehen konnte - schließlich war's ja dunkel ;-)

Montag, 22. September 2008

Gedopt

"Eigentlich" war heute weder der Tag noch das Wetter für ein genussvolles Lauftraining. Aber wie wir andernorts bereits lernen durften ;-) ist "eigentlich" ohnehin ein schwer entzifferbarer Ausdruck im Zusammenhang mit Ultraläufern.

Also gut, 6.30 Uhr Weckerklingeln, danach genüsslich eine halbe Stunde im Bett herumgedreht und dann nicht ohne Elan mit Fahrrad und trotzdem dickem Mantel zur Arbeit durchgestartet. Da wichtiger Termin mit großem Hof von außerhalb während der Arbeitszeit Schokokekse und außerdem gemeinsames Essen nicht gerade à la Strunz-Diät (dafür aber doppelt lecker).

Irgendwann wegen eines Anfalls von Arbeitseifer viel zu spät dem Büro entflohen, Aufbackbrötchen von der nahen Tanke besorgt und reingeschoben sowie auf ein wichtiges privates Projekt gestürzt, das endlich mal fertg werden musste.

Versüßt habe ich mir sowohl die Arbeit als auch die mindere Brot-Qualität mit einer Schicht echten Heide-Honigs, den ich seinerzeit beim gleichnamigen Marathon in Stüde gewonnen hatte. Überhaupt mein Ein und Alles dieses Naturwunder von den fleißigen Bienchen. Und dann nach getaner Arbeit raus.

Was soll ich sagen: Hatte ich "eigentlich" keine Lust und wollte es ruhig angehen lassen, so flog ich förmlich über meine Haus-Strecke im Park: 29:35 Min., so schnell wie noch nie. Als ich ankam waren die Beine mit eisigem Regen bedeckt, das Baumwoll-Langarmshirt, das ich aus Nostalgie für meinen ersten Marathon von Zeit zu Zeit trage, voll gesogen und bis auf die funktionsbekleideten Oberschenkel hängend.

Dann noch ein etwas größeres Ründchen zum Austraben, dazu die Hymne, die nach besagtem ersten Marathon - einer Hitzeschlacht - bei mir wehrlos adrenalingesättigtem Würmchen auf Endlosschleife im Auto dudelte:



Was soll ich sagen. Danach gab's noch Griebsbrei mit Apfelmus - beides aus der Konserve und beides seeeehr lecker. Demnächst werde ich noch Zimt kaufen und ab dann abends noch länger am Schreibtisch sitzen können nach dem Laufen. Ich weiß, dass man mit diesem Wort in Sportlerkreise vorsichtig sein muss, aber ich fühle mich wirklich "gedopt". Ein Gefühl, so wie fliegen! Von wem war diese Schnulze nochmal?

Samstag, 20. September 2008

Nichts bringt mich runter?

Zweieinhalb Tage auf fremdem Territorium habe ich hinter mich gebracht - und damit meine ich nicht das Ausland im eigentlichen Sinne des Wortes. Zweieinhalb Tage, die von körperlicher Untätigkeit geprägt waren und so sehr an mir gezehrt haben wie kaum ein Lauf es je könnte.

Schlimmer noch: Heute Morgen war ich sogar durch "sozialen Druck" daran gehindert, nochmal eine kleine Runde durch die wirklich schöne Umgebung zu drehen, die ich aufgrund des Alkohols, mit dem ich mein Glück gestern Abend versucht habe, schon körperlich dringend gebraucht hätte.

Und wie es im Leben so kommt, schloss sich dem eine Autofahrt an, auf der mich die Gedanken an das Erlebte verfolgten. Gut, dass es für solche Situationen Lieder gibt, die in der Lage sind, einen wieder auf die lächelnde Seite des Gedankenkarussels zu ziehen - und Radiostationen, die solche bringen.

Ich und Ich: Nichts bringt mich runter:


...wie gut, dass es die gibt :-)

Dienstag, 16. September 2008

Rücksichtslose Raucher

Der Alltag hat mich wieder, und dagegen habe ich wirklich nichts einzuwenden. Vielleicht machen Regelmäßigkeit und Routine sogar das aus, was ich am Laufen am mesten schätze. Also trottete ich heute einige Runden (knapp 8km) durch "meinen" Park, störte mich nicht an ein paar Niesel-Tröpfchen und wurde nach einer Laufpause gestern wieder so richtig eins mit mir selbst.

Vor meiner Haustür angekommen das üblich Dehn-Programm. Doch wie das so ist in einem größeren Haus - es lebt immer jemand dort, mit dem man nicht allzu sehr übereinstimmt. Nun gehöre ich nicht zu denen, die mit Kriegsgebrüll wegen jeder Kleinigkeit auf ihre Nachbarn losgehen. Raucher allerdings, zumal solche, die ihre "Abgase" im Treppenhaus vernehmen lassen oder diese gar dort produzieren, sind mir ein Dorn im Auge. So spürte ich denn auch schon eine leicht ärgerliche Anspannung, als ich einen Mann mit Rauchuntensilien in der Hand die letzte halbe Kellertreppe hinaukriechen sah (der Schlankste war er auch nicht). Worauf ich wirklich achtete - und worüber ich letztlich froh war - war die Tatsache, dass er sich den Glimmstengel nicht schon im Treppenhaus ansteckte.

Tat er nicht - aber dennoch zu früh gefreut. Denn kaum aus der Haustür getreten, entzündete das seltsame stiftförmie Ding. Dabei hatte ich ihn - aus Freude über oben beschriebene "Rücksichtnahme" - sogar noch gegrüßt, was er aber nicht zu erwidern für notwendig hielt. Verstehen solche Leute eigentlich nicht, dass ihr "Hobby" für andere eine enorme Belästigung darstellt? Konnte er sich nicht denken, dass gerade eine Sportlerin es nicht sonderlich schätzen wird, während ihrer verdienten Zeit an frischer Luft eingeräuchert zu werden? Oder hat er mich gar nicht gesehen (was ich durch eine Glastür doch schon für relativ unwahrscheinlich halte)?

Jedenfalls bin ich es langsam wirklich leid, permanent unter den schlechten Angewohnheiten der (schlecht erzogenen Hälfte) der Raucher/-innen zu leiden. Steckt euch eine Zigarette vorn 'rein und eine hinten, wenn es euch gefällt. Aber dann baut zu diesem Zweck einfach auch eine eigene Stadt, in der die Undisziplinierten und Unvernünftigen unter sich sind. Und dann gerade noch die Nachricht im Radio, dass "Nikotinsucht" eventuell in den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen aufgenommen werden solle. Warum nimmt die Gesellschaft den Ball an, Probleme zu lösen, die sich Menschen selbst eingebrockt haben? Warum nicht das Rauchen gleich ganz verbieten? Die 20 Minuten, die Nikotin-Entzug wohl wirklich körperlich unangenehm ist, werden die Damen und Herren Raucher ja wohl tapfer durchstehen. Und danach gehen wir dann 'ne kleine Runde laufen!

Sonntag, 14. September 2008

Langer Lauf in Frankfurt/ Sortie longue à Francfort

Samstag und heute war ich unterwegs. Und wie das so ist, wenn man unterwegs ist, war viel zu tun und die Nacht kurz. Was mich aber nicht davon abgehalten hat, mich heute Morgen ein wenig zu verlaufen - um dann doch noch das Main-Ufer zu erreichen und dort sogar ein wenig Gas zu geben. Andere Stadt, neue Eindrücke, gutes Laufgefühl. Was will man mehr? Ach ja, knapp 20 Kilometer./ Samedi et aujourd'hui j'étais en route. Et, comme d'habitude, il y avait plein de choses à faire et la nuit était un peu court. Ce qui ne m'a pas empêché de me perdre un peu puis rejoindre la rive du Main et même chauffer un peu. Ville différente, nouvelles impressions, super-course. Qu'est-ce qu'on veut de plus? Presque 20 kilomètres au total.





Freitag, 12. September 2008

Lieblings-Laufmusik

Die Lieblingsmusiken anderer Läuferinnen und Läufer sind für mich ein toller Schatz, seit ich mich in der Laufblog-"Szene" herumtreibe. Nun fragte ich mich bei jeder Gelegenheit, was denn für mich einen wirklich genialen Laufsong ausmacht - und traft gestern prompt auf einen, den ich, seit ich ihn kenne, immer als perfekten Laufsong gehört habe. Proudly presents: Raphael - "Caravane":



Und hier der Text
(auf Französisch)

Est-ce que j'en ai les larmes aux yeux
Que nos mains ne tiennent plus ensemble
Moi aussi je tremble un peu
Est-ce que je ne vais plus attendre

Est-ce qu'on va reprendre la route
Est-ce que nous sommes proches de la nuit
Est-ce que ce monde a le vertige
Est-ce qu'on sera un jour puni

Est-ce que je rampe comme un enfant
Est-ce que je n'ai plus de chemise
C'est le Bon Dieu qui nous fait
C'est le Bon Dieu qui nous brise

Est-ce que rien ne peut arriver
Puisqu'il faut qu'il y ait une justice
Je suis né dans cette caravane
Et nous partons allez viens
Allez viens

Allez viens
Tu lu tu tu, tu lu tu tu...

Et parce que ma peau est la seule que j'ai
Que bientôt mes os seront dans le vent
Je suis né dans cette caravane
Et nous partons allez viens
Allez viens

Allez viens
Tu lu tu tu, tu lu tu tu...
Allez viens
Tu lu tu tu, tu lu tu tu...

(und auf Deutsch)

Habe ich Tränen in den Augen
Weil unsere Hände nicht mehr zusammen halten
Auch ich zittre ein wenig
Werde ich nicht mehr länger warten

Werden wir wieder losgehen
Haben wir bald Nacht
Ist dieser Welt schwindlig
Werden wir eines Tages bestraft

Ksche ich wie ein Kind
Habe ich kein Hemd mehr
Der liebe Gott hat uns gemacht
Der liebe Gott wird uns brechen

Kann nichts passieren
Weil es Gerechtigkeit geben muss
Ich bin in dieser Karawane geboren
Und wir gehen, also komm

Also komm
Tu lu tu tu, tu lu tu tu...

Und weil meine Haut die einzige, die ich habe
Und meine Knochen bald im Wind zerstreut sein werden
Ich bin in dieser Karawane geboren
Und wir gehen, also komm

Also komm
Tu lu tu tu, tu lu tu tu...

Ich bin in dieser Karawane geboren
Und wir gehen, also komm

Also komm
Tu lu tu tu, tu lu tu tu...

Ich liebe diese melancholische Poesie vieler aktueller französischer Lieder. Eine Gefühls-Erinnerung, die ich immer bei mir tragen werde :-|

Donnerstag, 11. September 2008

Unverstanden

Als (Ultra-)Läuferin bin ich es eigentlich schon derart gewohnt, nicht verstanden zu werden, dass ich kaum noch etwas darauf gebe. Zumal meine Freundschaft oder sonstige Beziehung zu einem Menschen nicht davon abhängt, ob er/sie Laufenthusiast oder Laufmffel ist. Mein Standpunkt ist, dass, wenn jemand wirklich am Laufen interessiert ist, er/sie mir das schon sagen wird. "Offensive" Überzeugungsarbeit leiste ich demzufolge nicht.

Die heutige Begegnung hat mich dann aber doch etwas verwirrt - oder mit einem allzu klaren Eindruck vom allgemeinen Denken über unser Hobby - zurückgelassen. Ich war nämlich heute bei meinem Hausarzt. Primär, weil mir das Knie und meiner Vermutung nach davon ausgehend auch der hintere Oberschenkel wehtun. Als Zusatznutzen nach dem Motto "ein Abwasch" wollte ich mir dann gleich noch meine Sporttauglichkeitsbescheinigung abholen, wie man sie ja braucht, sollte bei einem Frankreich-Aufenthalt mal aus Versehen ein Läufchen vorbeikommen ,-) "Das passt aber gar nicht zusammen", meinte der Arzt darauf im ersten Moment, und mir blieb irgendwie die Spucke weg. Dass ich mich mit meiner Leidenschaft bei diesem Herrn auf dünnem Eis bewege, war mir ja bereits bewusst. Aber wegen leichter Knieschmerzen gleich ein Sportverbot?

Naja gut, ich nahm erstmal auf der Liege platz, und nach einigen Herumbiegen und -drehen an meinen Fahrgestellen befand der Herr Doktor den Zustand meiner Knie als nicht wirklich schlimm, und unterschrieb dann auch anstandslos das sportärztliche Attest mit dem Kommentar: "Ich wüsste nicht, was dagegen spricht." Dann empfahl er mir, etwas weniger zu laufen (meine wirkliche Kilometerleistung hatte ich zu Beginn des Gesprächs möglichst gering darzustellen versucht), und kam dann auch noch mit dem unpassenden Beispiel eines Extrem-Bergsteigers, der sein Training auch "im Spazierschritt absolviert habe. Die Wettkampfbelastung kann man sowieso nicht simulieren." Erwähnte ich (ihm gegenüber), dass ich durchaus Grundkenntnisse in der Trainingsplanung habe und selbstverständlich nicht jeden Kilometer in 3:55 Minuten laufe?

Als ich wieder rauskam, konnte ich mir jedenfalls ein äußerliches Kopfschütteln nur noch zugunsten eines innerlichen verkneifen. Wo liegt das Problem mit dem Laufen? Ist es nicht schlimmer, mit den Folgen von Bewegungsmangel zu leben als mit der Aussicht, vielleicht in 20 Jahren mal eine Knie-OP zu haben? Ist es nicht schön, wenn jemand in seinem Hobby aufgeht? Mache ich wirklich den Eindruck, als würde ich wie besessen trainieren bzw. ist es so unvorstellbar, dass ich einfach aus Lust und Laune ein paar Kilometer und Stunden an der frischen Luft verbringe? Ich glaube, ihr versteht mich. Also bin ich nicht verrückt!

Dienstag, 9. September 2008

Nachtlauf

Gerade bin ich von einem spontanen Läufchen zurückgekehrt. Es ist inzwischen fast 1 Uhr nachts, aber am Schreibtisch ging gar nichts mehr, da musste ich einfach raus.

Verrückt? Sagen wir: verschoben. Der Zeitrhythmus. Irgendwie hatte ich auch schon immer eine Vorliebe für ungewöhnliche Tageszeiten. Wenn wir früher mit meinen Eltern in den Urlaub fuhren, dann fand ich es am tollsten, um 4 Uhr aufgeweckt zu werden und dann auf der Rückbank des Autos weiter zu dösen, während die entgegenkommenden Autos sich uns als Lichtkegel näherten und wieder verschwanden. Später dann beim Fechten mochte ich erwachende Städte und das Kribbeln vor dem kommenden Wettbewerb, und das ist ein bisschen so geblieben, wenn ich heute beruflich unterwegs bin. Vorausgesetzt, ich werde in meiner "Kontemplation" nicht von lautem Gerede und aus Kopfhörern dröhnender Musik gestört ;-(

Tja, und offenbar hilft mir das Laufen auch über kreative Tiefs hinweg. Denn zwar bin ich jetzt zu müde, an dem weiter zu arbeiten, was ich vorhin gemacht hatte. Aber wenigstens werde ich mir auch nicht die ganze Nacht den Kopf darüber zerbrechen. Tolles Schlafmittel, so ein Nachtlauf!

Sonntag, 7. September 2008

Momente zum Festhalten...

...habe ich heute erlebt. Und bin nun etwas traurig und habe gar ein klein wenig ein schlechtes Gewissen euch gegenüber. Denn schöner als heute kann sich der Beginn des Herbstes nichts ankündigen. Und ich habe nicht einmal versucht, durch Mitnahme meiner Kamera etwas von diesen Momenten festzuhalten. Zur meiner Entschuldigung muss ich aber sagen, dass ich nicht vor hatte, heute so lange zu laufen; und schon gar nicht hatte ich erwartet, dass es mir dabei so gut gehen würde.

Dann aber war ich auf der Strecke und drehte von meiner innerstädtischen Haus-Runde ab zum See im Süden der Stadt (daher auch Südsee genannt, ob sich die Stadtplaner der wunderbaren Doppeldeutigkeit wohl bewusst waren?). Es geht ein kräftiger Wind, so dass heute die Segler draußen sind. Und auch wenn ich mich im Stillen und in der Theorie immer lustig darüber mache, dass die Leute auf so einem kleinen See herumfahren (eine Runde misst rd. 3,3 Kilometer), so verströmen sie heute doch den Traum von Freiheit und vom gegenüberliegenden Ende des Sees einen nordisch-maritimen Charme.

Derweil wurde mein Laufen immer leichter. Ich lies mich nicht von den gelegentlich aufkommenden Wolken beeindrucken. Vielmehr genoss ich die Sonne auf meiner Haut, die jetzt angenehm wärmt und nicht mehr sticht, derweil ich meinen flotten, unbändigen Schritt kaum kontrollieren konnte und immer mal wieder schneller wurde und wohl auch zu den Liedern auf meinem mp3-Player mitsang.

Es ist einfach nur ein schönes Gefühl, laufen zu können. Zumal, wenn Lust und Energie so unerwartet über einen hereinbrechen.

Nachtrag 19:26 Uhr: Ich war nochmal unterwegs und habe die Bilder gemacht, die ich euch und und vor allem auch mir nicht vorenthalten wollte. Nur die Gegenlicht-Aufnahmen sind leider nicht besonders gut herausgekommen ;-)










In der Nähe des Schornsteins hinten rechts wohne ich:

Samstag, 6. September 2008

Was geht, wenn's nicht läuft

Das Laufen spielt derzeit keine große Rolle in meinem Leben. Das liegt auch daran, dass es im Moment nicht läuft, auch wenn es mir "danach" immer noch besser geht - wie jetzt gerade.
Jedenfalls war ich gestern mit meinen Mädels in Kino, es gab "Wolke Neun":


Der Film ist definitiv nichts für Blockbuster-gewöhnte Fans einer schöneren, heileren Welt. Im Stil des filmischen Realismus wird die Liebesgeschichte zwischen einer verheirateten 60-jährigen und ihrem noch älteren Gespielen dargestellt. Lange Schnitte, ungeschönte Bildgestaltung und das Spiel mit Überbelichtung und geringer Schärfentiefe lassen das Gezeigte in seiner ganzen Mittelmäßigkeit an den Zuschauer herantreten. Und auch die schleppenden, teilweise bedrückenden Dialoge werden durch die Zentralperspektive eher noch mit einem Ausrufezeichen versehen.

Dabei hat der Film bei aller Dramtaik durchaus komische Momente - die wir beim gestrigen Kinobesuch durch unsere tiefenpsychologisch angehauchten Kommentare noch zu verstärken wussten. Ganz ehrlich: Hätte jemand wie wir vier hinter mir im Kino gesessen, ich hätte wahrscheinlich nach 5 Ermahnungen mit steigender Intensität das Personal zur Hilfe geholt. Doch die Pärchen um uns herum nahmen's mit Humor - und unsere Einwürfe als Teil der Performance. Schließlich bietet es sich doch an, bei einem Ehemann, der seine Frau anschreit "unverarbeiteten Trennungsschmerz" zu diagnostizieren. Und bei dem Vorwurf, sie verhalte sich "dämlich" und "wie ein Kind" "unbewusste Projektion der eigenen Lage". Jedenfalls hatte ich selten im Kino auf so urige Art Spaß - gelobe aber natürlich trotzdem Besserung ;-)

Danach ging's dann zum Altstadtfest, unter einem regentriefenden Baum erst klassisch abrocken und sich dann beim Ska in einer kleineren Menschenschaar Hirn und Gehör umdrehen lassen. Nach der obligatorischen Kettenkarussel-Fahrt und einem Riesen-Softeis (ich hatte aber die "kleine Portion") bestellt fiel ich dann irgendwann satt, selig und fern ab der Vorstellung läuferischer Heldentaten ins Bett. Auch ein Leben!

Mittwoch, 3. September 2008

Für Rosinenhasser

Allen, die mich nicht so genau kennen (und das ist vermutlich die Mehrheit der Leser/-innen von "schultergucken"), sei hiermit gesagt dass ich einer äußerst seltenen, von mir selbst ins Leben gerufenen Verschwörungstheorie anhänge: der Theorie der Rosinen-Mafia. Denn mal ehrlich: Ist euch noch nie aufgefallen, dass der prozentuale Anteil der Rosinen verseuchten Lebensmittel den Anteil der Menschen bei weitem übersteigt, die die unansehnlichen, halb vertrockneten und teilweise schlecht abgestielten Weintrauben mögen? Müsli, Müsliriegel, Müslikekse, Apfelkuchen, Kaiserschmarrn, Studentenfutter, Milchbrötchen (die ohne Rosinen sind immer "aus"), sogar Rosinenschnecken sollen schon mit Rosinen gesichtet worden sein.

Und für diesen unangenehmen Umstand gibt es nur eine plausible Erklärung: meine Theorie. Der Hintergrund ist denkbar einfach. Auf der Welt gibt es eine vermutete Überproduktion an Rosinen, von Rosinenplantagen- und Rosinenfabriken-Besitzern, die zu einfallslos sind, um ihre geschäftlichen Aktivitäten innerhalb einer nicht geschäftsschäfigenden Frist ganz oder teilweise in andere Bereiche zu verlagern. Und weil sie von ihren Rosinen zumindest finanziell nicht leben könnten, wenn sie keiner kauft, bearbeiten sie marketing- und lobbymäßig die Nahrungsmittelindustrie. BWL-erisch ausgedrückt stellt diese die nächste Stufe in der Wertschöpfungskette dar - an deren anderem Ende der Verbraucher sitzt, und sich wundert, weshalb hinten alles nur "mit Rosinen" rauskommt. Und so schafft es die Lobby also, einen gewissen Prozentsatz von Menschen zum Hungern zu zwingen, nämlich genau die Zahl derjenigen, um die der Prozentsatz der Rosinen verseuchten volkswirtschaftlichen Kalorienproduktion den Kalorienbedarf des Rosinen mögenden Bevölkerungsanteils übersteigt.

In reicheren Gegenden und besser betuchten Schichten gibt es dazu sogar noch eine Variante, die für die Nahrungsmittelindustrie ihrerseits wesentlich interessanter und das eigentliche Argument der Rosinen-Lobbyisten für deren Mitspielen sein dürfte: Es lassen sich rosinenfreie Produkte gegen Aufpreis, sozusagen ein Schutzgeld, an die hilflosen Rosinenhasser verkaufen.

Habe ich mich klar ausgedrückt? Wenn nicht, auch nicht schlimm, denn da ich in den letzten Tagen weniger gelaufen bin, dafür aber mehr Zeit zum Nachdenken und noch meh Zeit zur Lösung praktischer Probleme hatte, habe ich ES entdeckt. Da stand es, breit, nicht allzu groß aber genau an der richtigen Stelle auf der Schutzatmosphären verpackten Tüte: "Studentenfutter ohne Rosinen". Ja brat' mir doch einer'n Storch, die Industrie hat's endlich geschnallt und das Ganze auch noch für angemessene 1,49 Euro. Und damit ihr auch was davon habt: Fitness Snack mit Cranberries.