Donnerstag, 11. September 2008

Unverstanden

Als (Ultra-)Läuferin bin ich es eigentlich schon derart gewohnt, nicht verstanden zu werden, dass ich kaum noch etwas darauf gebe. Zumal meine Freundschaft oder sonstige Beziehung zu einem Menschen nicht davon abhängt, ob er/sie Laufenthusiast oder Laufmffel ist. Mein Standpunkt ist, dass, wenn jemand wirklich am Laufen interessiert ist, er/sie mir das schon sagen wird. "Offensive" Überzeugungsarbeit leiste ich demzufolge nicht.

Die heutige Begegnung hat mich dann aber doch etwas verwirrt - oder mit einem allzu klaren Eindruck vom allgemeinen Denken über unser Hobby - zurückgelassen. Ich war nämlich heute bei meinem Hausarzt. Primär, weil mir das Knie und meiner Vermutung nach davon ausgehend auch der hintere Oberschenkel wehtun. Als Zusatznutzen nach dem Motto "ein Abwasch" wollte ich mir dann gleich noch meine Sporttauglichkeitsbescheinigung abholen, wie man sie ja braucht, sollte bei einem Frankreich-Aufenthalt mal aus Versehen ein Läufchen vorbeikommen ,-) "Das passt aber gar nicht zusammen", meinte der Arzt darauf im ersten Moment, und mir blieb irgendwie die Spucke weg. Dass ich mich mit meiner Leidenschaft bei diesem Herrn auf dünnem Eis bewege, war mir ja bereits bewusst. Aber wegen leichter Knieschmerzen gleich ein Sportverbot?

Naja gut, ich nahm erstmal auf der Liege platz, und nach einigen Herumbiegen und -drehen an meinen Fahrgestellen befand der Herr Doktor den Zustand meiner Knie als nicht wirklich schlimm, und unterschrieb dann auch anstandslos das sportärztliche Attest mit dem Kommentar: "Ich wüsste nicht, was dagegen spricht." Dann empfahl er mir, etwas weniger zu laufen (meine wirkliche Kilometerleistung hatte ich zu Beginn des Gesprächs möglichst gering darzustellen versucht), und kam dann auch noch mit dem unpassenden Beispiel eines Extrem-Bergsteigers, der sein Training auch "im Spazierschritt absolviert habe. Die Wettkampfbelastung kann man sowieso nicht simulieren." Erwähnte ich (ihm gegenüber), dass ich durchaus Grundkenntnisse in der Trainingsplanung habe und selbstverständlich nicht jeden Kilometer in 3:55 Minuten laufe?

Als ich wieder rauskam, konnte ich mir jedenfalls ein äußerliches Kopfschütteln nur noch zugunsten eines innerlichen verkneifen. Wo liegt das Problem mit dem Laufen? Ist es nicht schlimmer, mit den Folgen von Bewegungsmangel zu leben als mit der Aussicht, vielleicht in 20 Jahren mal eine Knie-OP zu haben? Ist es nicht schön, wenn jemand in seinem Hobby aufgeht? Mache ich wirklich den Eindruck, als würde ich wie besessen trainieren bzw. ist es so unvorstellbar, dass ich einfach aus Lust und Laune ein paar Kilometer und Stunden an der frischen Luft verbringe? Ich glaube, ihr versteht mich. Also bin ich nicht verrückt!

Kommentare:

martin hat gesagt…

Dein Hausarzt scheint ein echter Sportexperte zu sein ;-)

Hab mal gelesen, dass es bei arthritischen Beschwerden sogar schlecht wäre das Laufen so mir nichts dir nichts aufzugeben, da dann das ganze Knie nicht mehr so gut durchblutet wird und dann ales im Knie an Flexibilität verlieren soll. Ich glaub das stand mal in der Runnners World...

Trotzdem sind Schmerzen grundsätzlich ein Warnsignal und sollten ernst genommen werden...

Ich würde mir einen guten Orthopäden suchen, der auch von Sport und Sportverletzungen Ahnung hat und mich genauer untersuchen lassen... - wobei das bei mir auch nichts gebracht hat... - aber das ist ein anderes Thema ;-)

Die Erleberin hat gesagt…

@Martin:
Danke für den Tipp. Ich bin ja gar nicht so weit gekommen, dem Herrn Doktor zu erklären, dass die Schmerzen durchs Laufen zumindest nicht schlimmer geworden sind/werden. Eher im Gegenteil. Insofern hatte ich mir eine Abklärung erhofft und evtl. ein paar Tipps (Bandagen, Taping, gymnastische Übungen für zu Hause...).
Bekannte habe mir auch schon empfohlen, mal zum Chiropraktor zu gehen. Das werde ich jetzt mal ausprobieren. Wenigstens nicht "ausgemustert" ;-)

Pienznaeschen hat gesagt…

Nein, Du bis nicht verrückt und wenn dann nur ein ganz wenig ver-rückt und das zum positiv hin ;)

Ich möchte keinem Hausarzt etwas unterstellen, aber ich glaube in vielen Fällen ist ein Facharzt einfach kompetenter/effektiver - auch wenn er oft weniger Zeit und längere Wartezeiten hat.
Vorsichtshalber mal eim toi, toi, toi für Dein Knie!

Black Sensei hat gesagt…

Ja, suche Dir einen Arzt, der auch selber läuft und entsprechend etwas davon versteht. Ich persönlich halte von Ärzten generell nichts. Sie kennen keine Grenzen, nicht mal ihre eigenen.

Den einzigen Arzt, den ich regelmäßig konsultiere, ist mein Zahnarzt. Na gut, das dauert immer nur zwei Minuten. :)Und Probleme beispielsweise mit dem Knie verschwanden immer von selbst. Ich habe nie pausiert wegen irgendwelcher Schmerzen, zumindest auf meine Täglichlaufzeit bezogen.

Alles Gute!

michi hat gesagt…

Ja, es ist gar nicht so einfach mit den Ärzten, die einen hören nicht zu, fertigen einen ratzfatz ab, die anderen sagen direkt "Laufpause", die anderen rücken sofort mit der Spritze an. Vor 2 Jahren habe ich einen Tipp von einem Bekannten gekommen für einen Orthopäden/Sportmediziner. Sagenhaft der Mann. Der wirft sich vor dir auf den Boden und turnt dir was vor. Absolut genial. Hört zu, schreibt und zeichnet mit und hat sich sogar auch schon mal einen Auszug aus meinem Lauftagebuch angeschaut, um zu sehen, ob ich evtl. zu viel gemacht habe. Von Laufpause hält er auch nicht so viel, kommt wahrscheinlich darauf an, was ist, aber - schnell mal auf Holz klopfend, ich war schon lange nicht mehr da - er meint meistens, dass angepasstes Laufen, zur Not auch mal anhalten und Dehnen wenn erforderlich, besser ist, als eine strikte Pause. WEnn es nicht geht, lässt man es eh automatisch, denke ich. Wirklich klasse. Und durch den bin ich dann auch noch an einen genauso tollen Physiotherapeuten geraten. Die beiden sind Gold wert. Aber es ist nicht einfach an solche Leute zu geraten.

Cecile hat gesagt…

Ich bin auch deine Meinung. Leute, die mir sagen: Sport ist Mord, weil ich manchmal Schmerzen habe, antworte ich, dass wir sowieso alle sterben werden...
Ansonsten sollte man Knieprobleme man schon ernst nehmen. Laufen mit Schmerzen ist nicht unbedingt, das Geilste und je früher die Probleme erkannt werden, desto besser. Ich liebe mein Orthopäde:
ich bekomme immer ein Termin in der Woche, wo ich anrufe
Ich muss nie warten
und noch nie hat er mir, das Laufen verboten!
Mir hat die Bandage, die ich am Anfang so doof fand, sehr geholfen. Bandage mit einem Loch in der Mitte. Ist aber teuer. Man sollte sie sich verschreiben lassen! Meine Kniescheibe bewegt sich und das tut weh. Haben viele Frauen und nicht alle laufen!

Die Erleberin hat gesagt…

@pienznäschen, black sensei:
Ob nun Haus- oder Facharzt, so richtig traue ich keinem von denen.

@Michi:
So einen suche ich auch. Werd' mich mal bei den regionalen Laufbekannten umhören. Und vielleicht verschreibt er mir ja eine Bandage oder macht mir krankengymnastische Übungen vor. Würd' ich sofort nachmachen ;-)

Hugo hat gesagt…

Mit den Ärzten ist das so eine Sache, Mann/Frau muss natürlich schon ein bisschen Vertrauen in den Arzt setzen den Mann/Frau besucht, ansonsten lässt Mann/Frau es besser bleiben. Du hast ja bereits vor dem Besuch gewusst, dass es nicht wirklich etwas schlimmes ist und eigentlich ist das doch auch das was Du von deinem Arzt hören wolltest. Bei deinem Laufpensum wird es schwierig immer ohne Schmerzen laufen zu können, bei mir zumindest, zwickts und zwackts immer irgendwo. Mal ist es der Piriformis, dann wieder eine Muskelverhärtung usw. Seit meiner "grossen" Fussverletzung im letzten Februar (Knochenriss in der Ferse wegen Überbelastung) http://www.hukl.ch/laufblog/?p=367 gehört nun aber ein sehr gutes Ergänzungstraining zu meinem täglichen Programm, schau es Dir einmal an, da ist alles Dabei, Dehnen, Gymnastik, und Stabilisation http://www.hukl.ch/images/stories/ergaenzungstraining.pdf
Und übrigens, so lange die Schmerzen beim Laufen verschwinden musst Du dir auch nicht so viele Gedanken darüber machen. Wenns schlimm ist wirst Du nicht mehr Laufen können....

In dem Sinn.... lauf weiter und freue dich daran.

Viele Grüss, Hugo