...bin ich gerade gestreift
...durch die Straßen meiner Stadt.
Es regnete nicht mehr
...war dunkel
...kreuz und quer an meiner Laufstrecke.
Frische Luft und Bewegung
...tun gut
...auch wenn ich mal nicht laufe.
Ja, so steht es um mich nach 2 Tagen krankheits- bzw. genesungsbedingten Nicht-Laufens. Ich saß am Schreibtisch, hatte Hunger, aß, fühlte mich unwohl, wälzte mich auf dem Stuhl. Alle Versuche, mich abzulenken? - erfolglos.
Also bin ich doch hinaus gegangen. Nicht gelaufen, aber doch eine nach der anderen Runde um die Häuser, quer und kreuz und wie eine "Acht".
Ist es nicht schlimm: Ich bin süchtig - nach Bewegung.
Wird es nicht schön sein - wenn ich wieder laufen geh'...
Dienstag, 30. September 2008
Montag, 29. September 2008
Lest ihr eigentlich...
...Laufzeitschriften?
Heute hatte ich beim Mittagessen mal die Muße, in einer auf der Marathon-Messe mitgenommene Ausgabe der Runner's World hineinzuschnuppern. Mehr als das tue ich eigentlich nie, das dafür aber regelmäßig auf Bahnhöfen, wenn's beim Stadtbummel eben mal der Zufall will oder das Ding bei irgendwem rumliegt.
Gekauft aber habe ich mir in meinem Leben vielleicht 2-3 Ausgaben vermutlich verschiedener Laufzeitschriften. Der Grund: Dort wird viel alter Wein in neuen Schläuchen verkauft. Rezept: Man nehme eine Überschrift mit Appellcharakter, mische sie mit einer rhetorischen Frage und einer Expertenmeinung aus einer neuen (aber völlig unbedeutenden oder an den Haaren herbeigezogenen) Studie und fertig ist der Lauf-Artikel.
Beispiel Ernährung: "Essen Sie genug Eiweiß?" wird da gefragt. Die sich-erwischt-fühlende Antwort ist natürlich erstmal "bin mir nicht sicher", und da man im nächsten Schritt aufgrund "neuester Erkenntnisse" seines Neins immer sicherer wird, landet das Magazin mit dem angelesenen Beitrag im Einkaufswagen. Ein ganzer Artikel wird aus der Story jedoch erst durch reichlich viele Tricks: ein paar ältere (und noch mehr an den Haaren herbeigezogene) Studien hier, ein reich bebilderter Ernährungplan für den wirklich richtig ultimativen Kick dort. Macht also zweieinhalb Seiten für eine Kerninformation von vielleicht einer halben...
Und dann werd' ich ja das Gefühl nicht los, dass sich die Magazine ihre Leserbriefe selbst schreiben. Oder wieso gibt es in den Ratgeber-Rubriken alle 3-4 Monate dieselben Fragen nach "Laufen und Gewichtsabnahme", "Laufen und Achillessehne" oder "Laufen während der Tage"?
Schließlich die Trainingspläne: Ab 3:30 abwärts gab's bis vor Kurzem gar nichts (jetzt bei RW im Internet bis 2:59). Spricht auch nicht grad dafür, dass die Leserschaft wirklich solch jung-dynamische (und fitte) Jungspunde sind, wie sie sich meist auf dem Titel finden.
Die Krönung sind aber Rezepte und Ernährungsempfehlungen, die niemals in einen normalen Arbeitstag, geschweige denn in eine kleine Küche oder ein bescheidenes Bu´dget passen: 2 Blättchen Rucola hier, eine halbe Schale Feldsalat dort, Walnussöl, Knäckbrot mit Quinoa und was dergleichen Exotik mehr ist.
Meine Meinung: Nichts als Geldschneiderei! Laufen ist ein einfacher Sport, und meine Bilanz vor Trainingsbeginn lautete:
- ein halber (gelangweilter) Blick in die Runner's World
- keinerlei "Seminare"
- keine "Tipps" aus speziellen Laufgeschäften
- Baumwollshirts und Trainingshose
- Laufschuhe aus der Zeit, als man mit NikeAir in der Schule cool war
- keine Ahnung von Bestzeiten und Schallgrenzen
- und trotzdem mit Spaß und Erfolg dabei!
Wunder gibt es immer wieder...
Heute hatte ich beim Mittagessen mal die Muße, in einer auf der Marathon-Messe mitgenommene Ausgabe der Runner's World hineinzuschnuppern. Mehr als das tue ich eigentlich nie, das dafür aber regelmäßig auf Bahnhöfen, wenn's beim Stadtbummel eben mal der Zufall will oder das Ding bei irgendwem rumliegt.
Gekauft aber habe ich mir in meinem Leben vielleicht 2-3 Ausgaben vermutlich verschiedener Laufzeitschriften. Der Grund: Dort wird viel alter Wein in neuen Schläuchen verkauft. Rezept: Man nehme eine Überschrift mit Appellcharakter, mische sie mit einer rhetorischen Frage und einer Expertenmeinung aus einer neuen (aber völlig unbedeutenden oder an den Haaren herbeigezogenen) Studie und fertig ist der Lauf-Artikel.
Beispiel Ernährung: "Essen Sie genug Eiweiß?" wird da gefragt. Die sich-erwischt-fühlende Antwort ist natürlich erstmal "bin mir nicht sicher", und da man im nächsten Schritt aufgrund "neuester Erkenntnisse" seines Neins immer sicherer wird, landet das Magazin mit dem angelesenen Beitrag im Einkaufswagen. Ein ganzer Artikel wird aus der Story jedoch erst durch reichlich viele Tricks: ein paar ältere (und noch mehr an den Haaren herbeigezogene) Studien hier, ein reich bebilderter Ernährungplan für den wirklich richtig ultimativen Kick dort. Macht also zweieinhalb Seiten für eine Kerninformation von vielleicht einer halben...
Und dann werd' ich ja das Gefühl nicht los, dass sich die Magazine ihre Leserbriefe selbst schreiben. Oder wieso gibt es in den Ratgeber-Rubriken alle 3-4 Monate dieselben Fragen nach "Laufen und Gewichtsabnahme", "Laufen und Achillessehne" oder "Laufen während der Tage"?
Schließlich die Trainingspläne: Ab 3:30 abwärts gab's bis vor Kurzem gar nichts (jetzt bei RW im Internet bis 2:59). Spricht auch nicht grad dafür, dass die Leserschaft wirklich solch jung-dynamische (und fitte) Jungspunde sind, wie sie sich meist auf dem Titel finden.
Die Krönung sind aber Rezepte und Ernährungsempfehlungen, die niemals in einen normalen Arbeitstag, geschweige denn in eine kleine Küche oder ein bescheidenes Bu´dget passen: 2 Blättchen Rucola hier, eine halbe Schale Feldsalat dort, Walnussöl, Knäckbrot mit Quinoa und was dergleichen Exotik mehr ist.
Meine Meinung: Nichts als Geldschneiderei! Laufen ist ein einfacher Sport, und meine Bilanz vor Trainingsbeginn lautete:
- ein halber (gelangweilter) Blick in die Runner's World
- keinerlei "Seminare"
- keine "Tipps" aus speziellen Laufgeschäften
- Baumwollshirts und Trainingshose
- Laufschuhe aus der Zeit, als man mit NikeAir in der Schule cool war
- keine Ahnung von Bestzeiten und Schallgrenzen
- und trotzdem mit Spaß und Erfolg dabei!
Wunder gibt es immer wieder...
Labels:
Erleben,
Kommunikation,
laufzeitschriften,
lesen,
presse
Berlin: Wie's war
Ein anstrengendes Wochenende habe ich bereits hinter mir, denn wie bei so einer Großveranstaltung unvermeidlich, musste die Startnummer für den 35. Berlin-Marathon spätestens am Vortag abgeholt sein. Eine Nacht in fremder Wohnung auf der Luftmatratze schloss sich an, und wie immer hatte ich unruhig geschlafen aus Angst, den Wecker nicht zu hören. (Bei Ultraveranstaltungen mit gemeinsamer Übernachtung entfällt diese Angst, so dass ich dort viel ausgeruhter an den Start gehe.)
Es wimmelt nur so von Läufern:

Doch das alles ist vergessen als wir unter dem strahlend blauen Himmel auf der Straße des 17. Juni stehen. Wir, das sind (gemeldet) über 40.000 Lauf-Verrückte aus aller Herren Länder, aufgereiht, um gleich auf die Strecke durch Berlin geschickt zu werden. Kurz hinter mir, die ich mich ungewohntermaßen in Block F (zwischen 3:35 und 4:00 Stunden) eingereiht habe, macht eine Fitnessstudio-Animateurin mit dem üblichen festgefroreren Lächeln Verrenkungsbewegungen vor. Wie so oft frage ich mich, was daran Sport ist, und von den umstehenden Marathonis macht außer beim Wedeln mit den Armen kaum eine(r) mit.
Dann werden die Berühmtheiten begrüßt, allen voran Haile Gebrselassie, der Vorjahressieger, der in nur etwas mehr als 2 Stunden seinen eigenen Weltrekord eingestellt haben wird. Ein Raunen geht durch die Masse, als sein Name genannt wird. Wo sonst hat ein Freizeitsportler die Chance, gegen einen Weltrekordler anzutreten? Wobei wir später beim Philosophieren auf der Strecke zu dem Ergebnis kommen werden, dass diese Chance rein theoretischer Natur ist.
Wir, das sind ich und Norbert, den ich gleich nach meiner Ankunft im Startblock kennen lerne und der sich für seinen ersten Marathon vorgenommen hat, die 4-Stunden-Marke zu knacken. "Das trifft sich ja gut, ich will aus Krankheitsgründen heute etwas kürzer treten!" und so laufen wir zusammen.
Als wir im Meer der Läufer in einer eleganten Links-Rechts-Kurve die Siegessäule umschlängeln, wird mir zum ersten Mal klar, was ich da tue. Ich habe den Eindruck, unglaublich langsam angetrabt zu sein, doch Norberts Uhr ("5:30 pro Kilometer") belehrt mich bald eines Besseren. Auch hatte ich gedacht, dass mich das viele Slalom-Laufen um die Teilnehmer, die sich mit der Startblock-Wahl doch etwas übernommen haben, nerven würde, aber kein Gedanke daran. Stattdessen lasse ich mich treiben, unterhalte mich über dies und das und genieße die vielen Zuschauer.
Dann lerne ich am ersten Erfrischungspunkt beinahe eine schmerzhafte Lektion: Wer hier nicht schnell, gewandt und mit Überblick agiert, läuft am Wesentlichen vorbei und muss dann weitere 5 Kilometer darben. Das wäre auf meinen nüchternen Magen gar nicht gut gekommen. Auf Höhe der bekannten Haftanstalt Moabit laufen wir erstmals neben dem überfüllten Straßen-Korridor. "Noch weiter nach links möchte ich jetzt aber nicht", sage ich mit einem Blick auf das verriegelte Gebäude, und so traben wir weiter.
Bald kommt der Reichstag wieder in Sicht, und auf der Brücke zwischen Hauptbahnhof und Kanzleramt zeigt sich erstmals das "Fest der Nationen": eine russische Fahne wird am langen Griff geschwenkt, daneben feuern die allgegenwärtigen Dänen klappernd, rufend und Fähnchen wedelnd die zahlreich laufenden Landsleute an.
Doch das Beste kommt noch. In Richtung Friedrichshain gibt es erstmals Musikgruppen - vom einsamen Jazzpianisten in der Morgenkühle bis zu unzähligen Samba-Bands wird an der Strecke alles dabei sein. Bei Kilometer 10 dann wieder nur Wasser - für mich, die ich eben das richtige "Timing", wann ich mich dem Rand zu nähern habe und wo ich genau das finde, was ich benötige (in diesem Fall gesüßten, warmen Tee), noch nicht beherrsche.
Norbert ist unterdessen guter Dinge, wir laufen zwischen 5:20 und 5:30 im Schnitt und ich verspreche, dass wir den Halbmarathon sicher unter 2 Stunden ansteuern. Doch bis dahin laufen wir noch auf baumgesäumten Straßen locker zwischen gut gelaunten Menschenmassen hindurch. Kaum ist die Musik von einer "Station" hinter uns versiegt, tönt bereits die nächste ans Ohr - hier ein persischer Sänger, da Drehorgeln: "sei Tradition - sei multikulti - sei Berlin" könnte ich im Stil der derzeitigen Werbekampagne sagen.
Bei 20,9 Kilometern dann "Timecheck": wir haben 1:58 auf der Uhr und ich erzähle Norbert, dass entgegen allen Gerüchten beim Marathon die zweite Hälfte kürzer sei als die erste. Schließlich müssen wir nur noch nach Hause... Na gut, bin vielleicht nicht die geborene Motivationstrainerin, aber für mich stimmt's in diesem Moment (was ja vielleicht auch daran liegen kann, dass ich ganz andere Distanzen und Tempi gewohnt bin).
Die Straßen sind jetzt zunächst noch einmal richtig eng. Wir haben eine Technik entwickelt, bei der nur einer "links vorbei" oder "durch die Mitte" zu rufen braucht, und schon schlängeln wir uns an den Mitlaufenden vorbei in einen halbwegs freien Raum. Kilometer 25: Verpflegungspunkt und dann Gänsehaut pur. Unter einer eisernen Brücke sind wir ganz eingerahmt von Publikum, und dann dieser Rhythmus: "Bum, bum, bum", immer schneller geht das, kaum einer der Läufer kann die Hände in der gewohnten Form vor dem Körper führen, wir alle klatschen und laufen nach diesem "Bum, Bum", um uns herum das Gefühl, dass die Brücke vibriert. Ich weiß nicht, ob sie's tatsächlich tut, aber am Ende dieser Passage sehen wir, wer für diese wunderbaren "Vibrations" verantwortlich zeichnet: die Gruppe "Trommeln in Berlin" mit ihren (Öl-?)Fässern, im Übrigen eine Ausdruckform, die auch in anderen Städten zunehmend Anhänger findet. (Aber bitte zu gegebenem Anlass!)
Dann der südlichste Punkt der Strecke: Steglitz, Zehlendorf, wunderbare Alleen vor großzügigen Wohnhäusern, alles gesäumt von einem ebenso interessierten wie enthusiastischen Publikum. Das hier ist kein Lauf, es ist ein Volksfest, und wenn ich Norbert nicht hätte, alles würde mit mir durchgehen und ich liefe die nächsten Kilometer ind 5:00. (Danke, Norbert, dass du mich vor dem eigenen Übermut bewahrt hast). So passieren wir Kilometer 30 nach 2:45 Stunden, und Angelika aus Nürnberg, die sich uns zwischenzeitlich angeschlossen hat, meint, sie müsse jetzt "nur noch die 12 in einer Stunde laufen, um unter 4 ins Ziel zu kommen". Rein rechnerisch hat sie natürlich recht, doch während ich für mich persönlich mit dem Gedanken gespielt hätte, mute ich "meinen" Marathon-Neulingen so etwas nicht zu.
Stattdessen fasele ich etwas von: "Wer's bis hierher geschafft hat, kommt auch locker ins Ziel!" Scheinbar bin ich dabei sehr glaubwürdig, denn zumindest Norbert bleibt tapfer an mir dran. Erst später wird er mir gestehen, dass ab Kilometer 34 gar nichts mehr ging bei ihm, aber wie sagt man so schön: "Pain is temporary, pride is forever!"
Tatsächlich habe ich selbst auch einen kleinen Einbruch, als es auf die (von mir immer) ersehnten 32 zugeht. Angelika trifft hier ihre Anfeuer-Freunde aus Nürnberg und ist happy, bekommt dann aber Seitenstiche und muss am Erfrischungspunkt kurz vor der 33 dann länger stehen bleiben, so dass wir sie aus den Augen verlieren.
Der Ku'damm kündigt sich mit Radio-Moderation aus überall verteilten Lautsprechern an. Dazwischen Techno-Samba-Mix und unglaublich viele Menschen. Ich selbst finde es etwas seltsam, dort zu laufen, wo ich sonst shoppen und vielleicht mal zu Mäckes (ja, auch das kommt vor!) gehe. Ich spüre, dass etwas bei Norbert nicht mehr richtig stimmt, unsere Unterhaltung ist monoton geworden beziehungsweise quasi verebbt. Mir selbst wird auch klar, was wir eigentlich gerade zu leisten im Begriff sind, doch fühlt es sich ganz anders an, als wenn man draußen in Wald und Flur allein ist und mit sich selbst, dem Atem und dem nächsten Schritt kämpft. Seltsamerweise wundere ich mich (trotzdem), weshalb einige Leute um mich herum gehen. Schließlich sind es "nur noch 7", davon 2 im Angesicht des Brandenburger Tors, das kann doch nicht so schwer sein, oder?
Dann sind wir an der Gedächtniskirche vorbei. Irgendjemand hatte mir mal erzählt, dass zwischen 38 und 40 in Berlin kaum Zuschauer stehen, doch im Gegenteil drängen diese sich zwischen den erst modernen und dann klassischen Häuserschluchten der Potsdamer Straße so nah an die Läufer, dass der Fluss immer wieder stoppt wie ein Gebirgsbach in einer Klamm - aus dem sich dann auch die, die's noch können, mit einem Spurt befreien.
Kurz hinter der immer noch offeneren Fläche des Potsdamer Platzes dann ein bekannter Haarschopf voraus: Hans-Martin vom Lauftreff wundert sich, dass ich erst jetzt zu ihm Auflaufe. Auf meine kurze Krankheits-Geschichte erwidert er nur "ich auch". Er wird zwar die 4 Stunden heute nicht knacken, dafür werde ich ihn aber wohlbehalten und glücklich auf der Wiese vor dem Reichtag wiedertreffen.
Noch zweieinhalb Kilometer. Für den jetzt doch arg mitgenommen wirkenden Norbert Zeit, meine Brötchenhol-Suggestion auszupacken. Das mache ich immer bei Läufern, die auf den letzten Metern wirklich oder vermeintlich Probleme bekommen: Ihnen von einem kühlen Samstagmorgen erzählen, an dem sie mit ausgeruhten Beinen in den Nachbarort zum Brötchenholen traben. Bei Norbert wirkt es nur noch mittelmäßig. Ich habe den Eindruck, ihn zu nerven und laufe deshalb einige Meter vor ihm her. Dafür ist ein anderer jüngerer Mann beeindruckt: "Dass du hier noch die Puste hast, das alles zu erzählen!" Wissens lächelnd trabe ich meines Weges.
Das sind sie also, die magischen letzten 2. Wir lassen den wunderbaren Gendarmenmarkt mit seinen neoklassizistischen Gebäuden hinter und haben bald zum Prachtboulevard "unter den Linden" unter den Füßen. Die Menschenmenge ist überwältigend. Noch ist die Straße breit, wir passieren den 41. Kilometer und ich lasse mich mitnehmen vom Strom der Tausenden, die ich jetzt vor und neben mir laufen sehe. Es ist alles so einfach. Kein Kampf, keine Selbstmotivation nötig. Und ich spüre die Schritte, die ich vorhin in einer un-bemusikten Minute einmal wahrgenommen habe: klapp, klapp, klapp, klapp, tausende Schritte auf dem Asphalt.
Dann stehen da noch 2 von diesen aufblasbaren Bögen vor uns. Der erste signalisiert "noch 1 Kilometer", der zweite ist, soviel ich entdecken kann, nur Werbung, doch wen interessiert was darauf steht bei seinem Anblick: das lang ersehnte Brandenburger Tor.
Kann ich noch? Ich kann noch. Also trabe ich an. Rechts und links Menschenmassen, im Hintergrund der Steinkoloss der französischen Botschaft am Pariser Platz - und dann bin ich irgendwie hindurch - habe den magischen Moment gar nicht richtig wahrgenommen.
Weit, weit vor mir das Schild "Kilometer 42" und dann peile ich sie an, die Mitte, über der nicht "Ziel" steht wie über den Durchgängen rechts und links, sonder "real" wie der Hauptsponsor. In dem Moment finde ich es cool, dass selbst für uns Langsamtreter noch so viele Leute auf der Tribüne sind, und Norbert spurtet - was ich einem Fortgeschrittenen übel genommen hätte - auf den letzten 5 Metern an mir vorbei. Später wird er mir sagen, dass er einfach unter 3:58 bleiben wollte. Sei's drum. Haben wir geschafft.
Mir geht's gut, ihm weniger, und so holen wir uns Medaille und Warmhalte-Plane ab, die ein bisschen aussieht wie ein cäsarischer Umhang und die für kleinere Leute wie mich viel zu lang ist, so dass mir im Gewühl dauernd andere auf die unvermeidliche Schleppe treten.
Im Tiergarten dann schnell eins der dürftigen Lunchpakete (Schokobrötchen, 2 Mini-Kekse, Banane, aromatisiertes Wasser, was ist daran Läufer-gerecht) gegriffen und nach einigem Überlegen dann doch hingesetzt. Norbert ist happy und total kaputt, wobei er nach eigenem Bekunden noch auf das Runner's High wartet. Ich bin etwas kaputt und habe überhaupt keine Erinnerung an die vergangenen 4 Stunden. Es war sicherlich ein Erlebnis - ein Lauf aber war es in meinen Augen nicht.
Schließlich ins Duschzelt - es gibt tatsächlich heißes Wasser und ich fnde es fanzinierend, mich auf dem nackten Straßenasphalt im Schutze des Zeltes von oben berieseln zu lassen. Bei dem tollen Wetter habe ich eigentlich einfach nur Lust, den Moment noch etwas zu genießen. Das sagen sich wohl auch fast alle anderen Läufer, die die Wiese vor dem Reichtag inzwischen in eine Kolonie au gelben Warmhalte-Planen verwandelt haben. Allerdings denke ich auch an die Umwelt, den Rasen und die Bäume im Tierpark, die von Läufer-Pipi sicherlich nicht weniger eingehen als von dem der Loveparade-Besucher ;-)
Auch den Reichtag und die Wiese davor haben Läufer eingenommen:
Na gut, für solches Philosophieren ist jetzt keine Zeit, schließlich will ich mich noch mit Jassi von "Potato to runner" treffen, die es auch schließlich schafft, mich vor der "verrosteten Skulptur am Kanzleramts-Garten" aufzulesen. Gemeinsam gehen wir etwas trinken mit Blick auf die Spree und ich finde es toll, mal wieder jemanden aus dem Internet live kennen gelernt zu haben. Insofern freue ich mich auch auf das Blogger-zu-Joggern-Treffen, das es vielleicht nächstes Jahr geben wird.
Andenken vom "Kleinen Bloggerinnen-Treffen":

Unterdessen werde ich jetzt erstmal richtig gesund, plane aber schon die nächsten Marathons und werde mich demnächst vielleicht nochmal zur Frage "Event vs. Laufen" äußern.
Es wimmelt nur so von Läufern:


Doch das alles ist vergessen als wir unter dem strahlend blauen Himmel auf der Straße des 17. Juni stehen. Wir, das sind (gemeldet) über 40.000 Lauf-Verrückte aus aller Herren Länder, aufgereiht, um gleich auf die Strecke durch Berlin geschickt zu werden. Kurz hinter mir, die ich mich ungewohntermaßen in Block F (zwischen 3:35 und 4:00 Stunden) eingereiht habe, macht eine Fitnessstudio-Animateurin mit dem üblichen festgefroreren Lächeln Verrenkungsbewegungen vor. Wie so oft frage ich mich, was daran Sport ist, und von den umstehenden Marathonis macht außer beim Wedeln mit den Armen kaum eine(r) mit.
Dann werden die Berühmtheiten begrüßt, allen voran Haile Gebrselassie, der Vorjahressieger, der in nur etwas mehr als 2 Stunden seinen eigenen Weltrekord eingestellt haben wird. Ein Raunen geht durch die Masse, als sein Name genannt wird. Wo sonst hat ein Freizeitsportler die Chance, gegen einen Weltrekordler anzutreten? Wobei wir später beim Philosophieren auf der Strecke zu dem Ergebnis kommen werden, dass diese Chance rein theoretischer Natur ist.
Wir, das sind ich und Norbert, den ich gleich nach meiner Ankunft im Startblock kennen lerne und der sich für seinen ersten Marathon vorgenommen hat, die 4-Stunden-Marke zu knacken. "Das trifft sich ja gut, ich will aus Krankheitsgründen heute etwas kürzer treten!" und so laufen wir zusammen.
Als wir im Meer der Läufer in einer eleganten Links-Rechts-Kurve die Siegessäule umschlängeln, wird mir zum ersten Mal klar, was ich da tue. Ich habe den Eindruck, unglaublich langsam angetrabt zu sein, doch Norberts Uhr ("5:30 pro Kilometer") belehrt mich bald eines Besseren. Auch hatte ich gedacht, dass mich das viele Slalom-Laufen um die Teilnehmer, die sich mit der Startblock-Wahl doch etwas übernommen haben, nerven würde, aber kein Gedanke daran. Stattdessen lasse ich mich treiben, unterhalte mich über dies und das und genieße die vielen Zuschauer.
Dann lerne ich am ersten Erfrischungspunkt beinahe eine schmerzhafte Lektion: Wer hier nicht schnell, gewandt und mit Überblick agiert, läuft am Wesentlichen vorbei und muss dann weitere 5 Kilometer darben. Das wäre auf meinen nüchternen Magen gar nicht gut gekommen. Auf Höhe der bekannten Haftanstalt Moabit laufen wir erstmals neben dem überfüllten Straßen-Korridor. "Noch weiter nach links möchte ich jetzt aber nicht", sage ich mit einem Blick auf das verriegelte Gebäude, und so traben wir weiter.
Bald kommt der Reichstag wieder in Sicht, und auf der Brücke zwischen Hauptbahnhof und Kanzleramt zeigt sich erstmals das "Fest der Nationen": eine russische Fahne wird am langen Griff geschwenkt, daneben feuern die allgegenwärtigen Dänen klappernd, rufend und Fähnchen wedelnd die zahlreich laufenden Landsleute an.
Doch das Beste kommt noch. In Richtung Friedrichshain gibt es erstmals Musikgruppen - vom einsamen Jazzpianisten in der Morgenkühle bis zu unzähligen Samba-Bands wird an der Strecke alles dabei sein. Bei Kilometer 10 dann wieder nur Wasser - für mich, die ich eben das richtige "Timing", wann ich mich dem Rand zu nähern habe und wo ich genau das finde, was ich benötige (in diesem Fall gesüßten, warmen Tee), noch nicht beherrsche.
Norbert ist unterdessen guter Dinge, wir laufen zwischen 5:20 und 5:30 im Schnitt und ich verspreche, dass wir den Halbmarathon sicher unter 2 Stunden ansteuern. Doch bis dahin laufen wir noch auf baumgesäumten Straßen locker zwischen gut gelaunten Menschenmassen hindurch. Kaum ist die Musik von einer "Station" hinter uns versiegt, tönt bereits die nächste ans Ohr - hier ein persischer Sänger, da Drehorgeln: "sei Tradition - sei multikulti - sei Berlin" könnte ich im Stil der derzeitigen Werbekampagne sagen.
Bei 20,9 Kilometern dann "Timecheck": wir haben 1:58 auf der Uhr und ich erzähle Norbert, dass entgegen allen Gerüchten beim Marathon die zweite Hälfte kürzer sei als die erste. Schließlich müssen wir nur noch nach Hause... Na gut, bin vielleicht nicht die geborene Motivationstrainerin, aber für mich stimmt's in diesem Moment (was ja vielleicht auch daran liegen kann, dass ich ganz andere Distanzen und Tempi gewohnt bin).
Die Straßen sind jetzt zunächst noch einmal richtig eng. Wir haben eine Technik entwickelt, bei der nur einer "links vorbei" oder "durch die Mitte" zu rufen braucht, und schon schlängeln wir uns an den Mitlaufenden vorbei in einen halbwegs freien Raum. Kilometer 25: Verpflegungspunkt und dann Gänsehaut pur. Unter einer eisernen Brücke sind wir ganz eingerahmt von Publikum, und dann dieser Rhythmus: "Bum, bum, bum", immer schneller geht das, kaum einer der Läufer kann die Hände in der gewohnten Form vor dem Körper führen, wir alle klatschen und laufen nach diesem "Bum, Bum", um uns herum das Gefühl, dass die Brücke vibriert. Ich weiß nicht, ob sie's tatsächlich tut, aber am Ende dieser Passage sehen wir, wer für diese wunderbaren "Vibrations" verantwortlich zeichnet: die Gruppe "Trommeln in Berlin" mit ihren (Öl-?)Fässern, im Übrigen eine Ausdruckform, die auch in anderen Städten zunehmend Anhänger findet. (Aber bitte zu gegebenem Anlass!)
Dann der südlichste Punkt der Strecke: Steglitz, Zehlendorf, wunderbare Alleen vor großzügigen Wohnhäusern, alles gesäumt von einem ebenso interessierten wie enthusiastischen Publikum. Das hier ist kein Lauf, es ist ein Volksfest, und wenn ich Norbert nicht hätte, alles würde mit mir durchgehen und ich liefe die nächsten Kilometer ind 5:00. (Danke, Norbert, dass du mich vor dem eigenen Übermut bewahrt hast). So passieren wir Kilometer 30 nach 2:45 Stunden, und Angelika aus Nürnberg, die sich uns zwischenzeitlich angeschlossen hat, meint, sie müsse jetzt "nur noch die 12 in einer Stunde laufen, um unter 4 ins Ziel zu kommen". Rein rechnerisch hat sie natürlich recht, doch während ich für mich persönlich mit dem Gedanken gespielt hätte, mute ich "meinen" Marathon-Neulingen so etwas nicht zu.
Stattdessen fasele ich etwas von: "Wer's bis hierher geschafft hat, kommt auch locker ins Ziel!" Scheinbar bin ich dabei sehr glaubwürdig, denn zumindest Norbert bleibt tapfer an mir dran. Erst später wird er mir gestehen, dass ab Kilometer 34 gar nichts mehr ging bei ihm, aber wie sagt man so schön: "Pain is temporary, pride is forever!"
Tatsächlich habe ich selbst auch einen kleinen Einbruch, als es auf die (von mir immer) ersehnten 32 zugeht. Angelika trifft hier ihre Anfeuer-Freunde aus Nürnberg und ist happy, bekommt dann aber Seitenstiche und muss am Erfrischungspunkt kurz vor der 33 dann länger stehen bleiben, so dass wir sie aus den Augen verlieren.
Der Ku'damm kündigt sich mit Radio-Moderation aus überall verteilten Lautsprechern an. Dazwischen Techno-Samba-Mix und unglaublich viele Menschen. Ich selbst finde es etwas seltsam, dort zu laufen, wo ich sonst shoppen und vielleicht mal zu Mäckes (ja, auch das kommt vor!) gehe. Ich spüre, dass etwas bei Norbert nicht mehr richtig stimmt, unsere Unterhaltung ist monoton geworden beziehungsweise quasi verebbt. Mir selbst wird auch klar, was wir eigentlich gerade zu leisten im Begriff sind, doch fühlt es sich ganz anders an, als wenn man draußen in Wald und Flur allein ist und mit sich selbst, dem Atem und dem nächsten Schritt kämpft. Seltsamerweise wundere ich mich (trotzdem), weshalb einige Leute um mich herum gehen. Schließlich sind es "nur noch 7", davon 2 im Angesicht des Brandenburger Tors, das kann doch nicht so schwer sein, oder?
Dann sind wir an der Gedächtniskirche vorbei. Irgendjemand hatte mir mal erzählt, dass zwischen 38 und 40 in Berlin kaum Zuschauer stehen, doch im Gegenteil drängen diese sich zwischen den erst modernen und dann klassischen Häuserschluchten der Potsdamer Straße so nah an die Läufer, dass der Fluss immer wieder stoppt wie ein Gebirgsbach in einer Klamm - aus dem sich dann auch die, die's noch können, mit einem Spurt befreien.
Kurz hinter der immer noch offeneren Fläche des Potsdamer Platzes dann ein bekannter Haarschopf voraus: Hans-Martin vom Lauftreff wundert sich, dass ich erst jetzt zu ihm Auflaufe. Auf meine kurze Krankheits-Geschichte erwidert er nur "ich auch". Er wird zwar die 4 Stunden heute nicht knacken, dafür werde ich ihn aber wohlbehalten und glücklich auf der Wiese vor dem Reichtag wiedertreffen.
Noch zweieinhalb Kilometer. Für den jetzt doch arg mitgenommen wirkenden Norbert Zeit, meine Brötchenhol-Suggestion auszupacken. Das mache ich immer bei Läufern, die auf den letzten Metern wirklich oder vermeintlich Probleme bekommen: Ihnen von einem kühlen Samstagmorgen erzählen, an dem sie mit ausgeruhten Beinen in den Nachbarort zum Brötchenholen traben. Bei Norbert wirkt es nur noch mittelmäßig. Ich habe den Eindruck, ihn zu nerven und laufe deshalb einige Meter vor ihm her. Dafür ist ein anderer jüngerer Mann beeindruckt: "Dass du hier noch die Puste hast, das alles zu erzählen!" Wissens lächelnd trabe ich meines Weges.
Das sind sie also, die magischen letzten 2. Wir lassen den wunderbaren Gendarmenmarkt mit seinen neoklassizistischen Gebäuden hinter und haben bald zum Prachtboulevard "unter den Linden" unter den Füßen. Die Menschenmenge ist überwältigend. Noch ist die Straße breit, wir passieren den 41. Kilometer und ich lasse mich mitnehmen vom Strom der Tausenden, die ich jetzt vor und neben mir laufen sehe. Es ist alles so einfach. Kein Kampf, keine Selbstmotivation nötig. Und ich spüre die Schritte, die ich vorhin in einer un-bemusikten Minute einmal wahrgenommen habe: klapp, klapp, klapp, klapp, tausende Schritte auf dem Asphalt.
Dann stehen da noch 2 von diesen aufblasbaren Bögen vor uns. Der erste signalisiert "noch 1 Kilometer", der zweite ist, soviel ich entdecken kann, nur Werbung, doch wen interessiert was darauf steht bei seinem Anblick: das lang ersehnte Brandenburger Tor.
Kann ich noch? Ich kann noch. Also trabe ich an. Rechts und links Menschenmassen, im Hintergrund der Steinkoloss der französischen Botschaft am Pariser Platz - und dann bin ich irgendwie hindurch - habe den magischen Moment gar nicht richtig wahrgenommen.
Weit, weit vor mir das Schild "Kilometer 42" und dann peile ich sie an, die Mitte, über der nicht "Ziel" steht wie über den Durchgängen rechts und links, sonder "real" wie der Hauptsponsor. In dem Moment finde ich es cool, dass selbst für uns Langsamtreter noch so viele Leute auf der Tribüne sind, und Norbert spurtet - was ich einem Fortgeschrittenen übel genommen hätte - auf den letzten 5 Metern an mir vorbei. Später wird er mir sagen, dass er einfach unter 3:58 bleiben wollte. Sei's drum. Haben wir geschafft.
Mir geht's gut, ihm weniger, und so holen wir uns Medaille und Warmhalte-Plane ab, die ein bisschen aussieht wie ein cäsarischer Umhang und die für kleinere Leute wie mich viel zu lang ist, so dass mir im Gewühl dauernd andere auf die unvermeidliche Schleppe treten.
Im Tiergarten dann schnell eins der dürftigen Lunchpakete (Schokobrötchen, 2 Mini-Kekse, Banane, aromatisiertes Wasser, was ist daran Läufer-gerecht) gegriffen und nach einigem Überlegen dann doch hingesetzt. Norbert ist happy und total kaputt, wobei er nach eigenem Bekunden noch auf das Runner's High wartet. Ich bin etwas kaputt und habe überhaupt keine Erinnerung an die vergangenen 4 Stunden. Es war sicherlich ein Erlebnis - ein Lauf aber war es in meinen Augen nicht.
Schließlich ins Duschzelt - es gibt tatsächlich heißes Wasser und ich fnde es fanzinierend, mich auf dem nackten Straßenasphalt im Schutze des Zeltes von oben berieseln zu lassen. Bei dem tollen Wetter habe ich eigentlich einfach nur Lust, den Moment noch etwas zu genießen. Das sagen sich wohl auch fast alle anderen Läufer, die die Wiese vor dem Reichtag inzwischen in eine Kolonie au gelben Warmhalte-Planen verwandelt haben. Allerdings denke ich auch an die Umwelt, den Rasen und die Bäume im Tierpark, die von Läufer-Pipi sicherlich nicht weniger eingehen als von dem der Loveparade-Besucher ;-)
Auch den Reichtag und die Wiese davor haben Läufer eingenommen:

Na gut, für solches Philosophieren ist jetzt keine Zeit, schließlich will ich mich noch mit Jassi von "Potato to runner" treffen, die es auch schließlich schafft, mich vor der "verrosteten Skulptur am Kanzleramts-Garten" aufzulesen. Gemeinsam gehen wir etwas trinken mit Blick auf die Spree und ich finde es toll, mal wieder jemanden aus dem Internet live kennen gelernt zu haben. Insofern freue ich mich auch auf das Blogger-zu-Joggern-Treffen, das es vielleicht nächstes Jahr geben wird.
Andenken vom "Kleinen Bloggerinnen-Treffen":

Unterdessen werde ich jetzt erstmal richtig gesund, plane aber schon die nächsten Marathons und werde mich demnächst vielleicht nochmal zur Frage "Event vs. Laufen" äußern.
Samstag, 27. September 2008
"Berlin, Berlin, ich fahre nach Berlin!"
Hallo zusammen,
nach all den Berichten über die unglücklich eingetroffene Krankheit, ein paar selbst gewussten Hausmittelchen und euren Tipps stehe ich jetzt an der Schwelle - und auch wieder auf beiden Beinen. Die Tasche ist gepackt, muss nur noch eine "Merci" kaufen für die Bekannten, die mich freundlicherweise beherbergen...dann geht's los.
Meine Ambitionen habe ich angesichts der Lage jedoch etwas zurückgeschraubt. Ich versuche mal, den ersten HM in 2:00 Stunden zu laufen und entscheide dann, ob es eine 4 oder doch eher eine 4:30 Std. wird. Vielleicht wird's auch noch langsamer, nur kenne ich dafür die Kilometerzeiten gar nicht *ascheaufmeinhaupt* und zweitens glaube ich, dass es jenseits einer bestimmten Dauer auch nicht einfacher wird, einen Marathon durchzustehen.
Auch seltsam ist, dass ich mir jetzt über ganz andere Ausrüstungsgegenstände Gedanken mache. Statt "stört das auch nicht uns ist nicht zu warm" (bei T-Shirt und Halstuch) denke ich jetzt "genügt das, um dich warm zu halten" (angesichts meines zusätzlichen angerauten Tchibo-Laufshirts). Zu Hause bleibt nach langem Überlegen auch die Kamera Denn irgendwie hindert mich das Fotos Machen daran, den Moment zu genießen, statt ihn in eine Konserve für später zu packen. Außerdem denke ich, dass ich immer noch besser die richtigen Worte als den richtigen Betrachtungswinkel finde. Ich werde also berichten - aber in Textform.
Nun freu' ich mich auf Berlin und lasse den Ehrgeiz (Dienstag in der Laufgruppe habe ich noch von 3:30 Std. gesprochen, die ja auch unter normalen Umständen drchaus realistisch sind) zu Hause. Los geht's!
nach all den Berichten über die unglücklich eingetroffene Krankheit, ein paar selbst gewussten Hausmittelchen und euren Tipps stehe ich jetzt an der Schwelle - und auch wieder auf beiden Beinen. Die Tasche ist gepackt, muss nur noch eine "Merci" kaufen für die Bekannten, die mich freundlicherweise beherbergen...dann geht's los.
Meine Ambitionen habe ich angesichts der Lage jedoch etwas zurückgeschraubt. Ich versuche mal, den ersten HM in 2:00 Stunden zu laufen und entscheide dann, ob es eine 4 oder doch eher eine 4:30 Std. wird. Vielleicht wird's auch noch langsamer, nur kenne ich dafür die Kilometerzeiten gar nicht *ascheaufmeinhaupt* und zweitens glaube ich, dass es jenseits einer bestimmten Dauer auch nicht einfacher wird, einen Marathon durchzustehen.
Auch seltsam ist, dass ich mir jetzt über ganz andere Ausrüstungsgegenstände Gedanken mache. Statt "stört das auch nicht uns ist nicht zu warm" (bei T-Shirt und Halstuch) denke ich jetzt "genügt das, um dich warm zu halten" (angesichts meines zusätzlichen angerauten Tchibo-Laufshirts). Zu Hause bleibt nach langem Überlegen auch die Kamera Denn irgendwie hindert mich das Fotos Machen daran, den Moment zu genießen, statt ihn in eine Konserve für später zu packen. Außerdem denke ich, dass ich immer noch besser die richtigen Worte als den richtigen Betrachtungswinkel finde. Ich werde also berichten - aber in Textform.
Nun freu' ich mich auf Berlin und lasse den Ehrgeiz (Dienstag in der Laufgruppe habe ich noch von 3:30 Std. gesprochen, die ja auch unter normalen Umständen drchaus realistisch sind) zu Hause. Los geht's!
Donnerstag, 25. September 2008
Krank :-(
Liebe Leute, mich hat's erwischt, und das ausgerechnet so wenige Tage vor Berlin. Vorgestern noch die Runde mit dem Lauftreff, danach ins Bett und als ich gestern aufwache: Kratzen im Hals. So ganz tief drin wo kein Gurgeln und kein Spray drankommt. Das Schlucken tut mir zwar nicht weh, ruft aber einen ätzenden Hustenreiz hervor und auch sonst fühle ich mich nicht wohl, bibbere unabhängig von der Kleidungsdicke vor Kälte.
Nun gut, einen Tag hätte ich mir ja gegeben und versuchte also mit Salbeitee (gut für Hals und Magen, der bei mir irgendwie immer mit anspringt auf alle Krankheitserreger), Emser-Pastillen und Rachenspray wieder auf den Damm zu kommen. Ein bisschen mehr Ruhe und frische Luft in Form von Spaziergängen habe ich mir natürlich auch gegönnt. Doch da wusste ich auch noch nicht, was für eine Nacht auf mich zukommt. Aufgrund des dauernden Hustenreizes habe ich kaum ein Auge zu getan, wer schläft schon gern mit dem Gefühl, zu wenig Luft zu bekommen? Und das Temperaturempfinden ist auch immer noch nicht zurück auf normal, so dass die Heizung läuft und ich mal wieder was für die Taschen der Energieriesen tue.
Heute nachmittag habe ich einen wichtigen Termin auf der Arbeit und werde mich wohl hinbegeben. Und dann hoffen, dass "Zink + Vitamin C" anschlägt und ich in Berlin wenigstens teilnehmen kann...
Nun gut, einen Tag hätte ich mir ja gegeben und versuchte also mit Salbeitee (gut für Hals und Magen, der bei mir irgendwie immer mit anspringt auf alle Krankheitserreger), Emser-Pastillen und Rachenspray wieder auf den Damm zu kommen. Ein bisschen mehr Ruhe und frische Luft in Form von Spaziergängen habe ich mir natürlich auch gegönnt. Doch da wusste ich auch noch nicht, was für eine Nacht auf mich zukommt. Aufgrund des dauernden Hustenreizes habe ich kaum ein Auge zu getan, wer schläft schon gern mit dem Gefühl, zu wenig Luft zu bekommen? Und das Temperaturempfinden ist auch immer noch nicht zurück auf normal, so dass die Heizung läuft und ich mal wieder was für die Taschen der Energieriesen tue.
Heute nachmittag habe ich einen wichtigen Termin auf der Arbeit und werde mich wohl hinbegeben. Und dann hoffen, dass "Zink + Vitamin C" anschlägt und ich in Berlin wenigstens teilnehmen kann...
Dienstag, 23. September 2008
Vor Berlin oder Laufen bildet
Leute, der große Tag naht, an dem auch ich penetrante Großveranstalungs-Verweigerin über die Ziellinie krz hinterm Brandenburger Tor taumeln/schlurfen/laufen werde. Grund ist der Gewinn eines Startplatzes seinerzeit auf marathon.de. Und soll ich euch was sagen: Ich freu' mich drauf!
Heute war hier wieder Lauftreff, und da wir nicht wirklich weit von der Hauptstadt entfernt und die meisten Mitläufer nicht ganz so Startgeld-knauserig sind wie ich (sagen wir mal: ich gucke auf's Preis-Leistungs-Verhältnis), wird es dort ein Stelldichein von mindestens 4 Leuten geben.
Zum Auslaufen haben wir heute nochmal eine sehr ruhige Runde um unseren/"meinen" See gedreht - ab 19.30 Uhr und daher zumindest auf dem Rückweg schon in völliger Dunkelheit. Und als wir dann so - doch noch ein wenig Gas gebend im einsetzenden Nieselregen - auf die Stadt zutraben, frage ich meine männlichen Begleiter doch ganz kleinlaut und vorsichtig, weshalb denn die Sonne vor uns untergehe. Schließlich sei das nicht Westen, oder? Und tatsächlich hat mich mein weiblicher Orientierungssinn so nah der Heimat nicht verlassen, denn - so die Erklärung auf dem Fuße - das sei die Großstadtbeleuchtung. Klingt plausibel, zumal der rötlich-gelbe Schein sogleich dem Anstrahlen der innerstädtischen Kirchen mit entsprechendem Scheinwerferlicht zugerechnet wurde.
Laufen bildet! Nur gut, dass ich das triumphale Schmunzeln auf den Gesichtern der beiden nicht sehen konnte - schließlich war's ja dunkel ;-)
Heute war hier wieder Lauftreff, und da wir nicht wirklich weit von der Hauptstadt entfernt und die meisten Mitläufer nicht ganz so Startgeld-knauserig sind wie ich (sagen wir mal: ich gucke auf's Preis-Leistungs-Verhältnis), wird es dort ein Stelldichein von mindestens 4 Leuten geben.
Zum Auslaufen haben wir heute nochmal eine sehr ruhige Runde um unseren/"meinen" See gedreht - ab 19.30 Uhr und daher zumindest auf dem Rückweg schon in völliger Dunkelheit. Und als wir dann so - doch noch ein wenig Gas gebend im einsetzenden Nieselregen - auf die Stadt zutraben, frage ich meine männlichen Begleiter doch ganz kleinlaut und vorsichtig, weshalb denn die Sonne vor uns untergehe. Schließlich sei das nicht Westen, oder? Und tatsächlich hat mich mein weiblicher Orientierungssinn so nah der Heimat nicht verlassen, denn - so die Erklärung auf dem Fuße - das sei die Großstadtbeleuchtung. Klingt plausibel, zumal der rötlich-gelbe Schein sogleich dem Anstrahlen der innerstädtischen Kirchen mit entsprechendem Scheinwerferlicht zugerechnet wurde.
Laufen bildet! Nur gut, dass ich das triumphale Schmunzeln auf den Gesichtern der beiden nicht sehen konnte - schließlich war's ja dunkel ;-)
Montag, 22. September 2008
Gedopt
"Eigentlich" war heute weder der Tag noch das Wetter für ein genussvolles Lauftraining. Aber wie wir andernorts bereits lernen durften ;-) ist "eigentlich" ohnehin ein schwer entzifferbarer Ausdruck im Zusammenhang mit Ultraläufern.
Also gut, 6.30 Uhr Weckerklingeln, danach genüsslich eine halbe Stunde im Bett herumgedreht und dann nicht ohne Elan mit Fahrrad und trotzdem dickem Mantel zur Arbeit durchgestartet. Da wichtiger Termin mit großem Hof von außerhalb während der Arbeitszeit Schokokekse und außerdem gemeinsames Essen nicht gerade à la Strunz-Diät (dafür aber doppelt lecker).
Irgendwann wegen eines Anfalls von Arbeitseifer viel zu spät dem Büro entflohen, Aufbackbrötchen von der nahen Tanke besorgt und reingeschoben sowie auf ein wichtiges privates Projekt gestürzt, das endlich mal fertg werden musste.
Versüßt habe ich mir sowohl die Arbeit als auch die mindere Brot-Qualität mit einer Schicht echten Heide-Honigs, den ich seinerzeit beim gleichnamigen Marathon in Stüde gewonnen hatte. Überhaupt mein Ein und Alles dieses Naturwunder von den fleißigen Bienchen. Und dann nach getaner Arbeit raus.
Was soll ich sagen: Hatte ich "eigentlich" keine Lust und wollte es ruhig angehen lassen, so flog ich förmlich über meine Haus-Strecke im Park: 29:35 Min., so schnell wie noch nie. Als ich ankam waren die Beine mit eisigem Regen bedeckt, das Baumwoll-Langarmshirt, das ich aus Nostalgie für meinen ersten Marathon von Zeit zu Zeit trage, voll gesogen und bis auf die funktionsbekleideten Oberschenkel hängend.
Dann noch ein etwas größeres Ründchen zum Austraben, dazu die Hymne, die nach besagtem ersten Marathon - einer Hitzeschlacht - bei mir wehrlos adrenalingesättigtem Würmchen auf Endlosschleife im Auto dudelte:
Was soll ich sagen. Danach gab's noch Griebsbrei mit Apfelmus - beides aus der Konserve und beides seeeehr lecker. Demnächst werde ich noch Zimt kaufen und ab dann abends noch länger am Schreibtisch sitzen können nach dem Laufen. Ich weiß, dass man mit diesem Wort in Sportlerkreise vorsichtig sein muss, aber ich fühle mich wirklich "gedopt". Ein Gefühl, so wie fliegen! Von wem war diese Schnulze nochmal?
Also gut, 6.30 Uhr Weckerklingeln, danach genüsslich eine halbe Stunde im Bett herumgedreht und dann nicht ohne Elan mit Fahrrad und trotzdem dickem Mantel zur Arbeit durchgestartet. Da wichtiger Termin mit großem Hof von außerhalb während der Arbeitszeit Schokokekse und außerdem gemeinsames Essen nicht gerade à la Strunz-Diät (dafür aber doppelt lecker).
Irgendwann wegen eines Anfalls von Arbeitseifer viel zu spät dem Büro entflohen, Aufbackbrötchen von der nahen Tanke besorgt und reingeschoben sowie auf ein wichtiges privates Projekt gestürzt, das endlich mal fertg werden musste.
Versüßt habe ich mir sowohl die Arbeit als auch die mindere Brot-Qualität mit einer Schicht echten Heide-Honigs, den ich seinerzeit beim gleichnamigen Marathon in Stüde gewonnen hatte. Überhaupt mein Ein und Alles dieses Naturwunder von den fleißigen Bienchen. Und dann nach getaner Arbeit raus.
Was soll ich sagen: Hatte ich "eigentlich" keine Lust und wollte es ruhig angehen lassen, so flog ich förmlich über meine Haus-Strecke im Park: 29:35 Min., so schnell wie noch nie. Als ich ankam waren die Beine mit eisigem Regen bedeckt, das Baumwoll-Langarmshirt, das ich aus Nostalgie für meinen ersten Marathon von Zeit zu Zeit trage, voll gesogen und bis auf die funktionsbekleideten Oberschenkel hängend.
Dann noch ein etwas größeres Ründchen zum Austraben, dazu die Hymne, die nach besagtem ersten Marathon - einer Hitzeschlacht - bei mir wehrlos adrenalingesättigtem Würmchen auf Endlosschleife im Auto dudelte:
Was soll ich sagen. Danach gab's noch Griebsbrei mit Apfelmus - beides aus der Konserve und beides seeeehr lecker. Demnächst werde ich noch Zimt kaufen und ab dann abends noch länger am Schreibtisch sitzen können nach dem Laufen. Ich weiß, dass man mit diesem Wort in Sportlerkreise vorsichtig sein muss, aber ich fühle mich wirklich "gedopt". Ein Gefühl, so wie fliegen! Von wem war diese Schnulze nochmal?
Abonnieren
Posts (Atom)
