Dienstag, 9. Dezember 2008

Eine gute Tat...


Wenn ich ganz ehrlich zu mir selbst bin, dann gibt es in meinem Leben nur sehr wenig Dinge, die ich völlig uneigennützig tue. Völlig uneigennützig, das heißt, ohne auch nur die fernste Erwartung, etwas dafür zu bekommen noch, weil ich in der Vergangenheit Gutes erfahren habe und dieses gern zurück geben möchte. Auch Freundschaften und das Kümmern um enge Verwandte gehören streng genommen in diese Kategorien. Oder wer von uns würde immer wieder den Kontakt zu einem Menschen suchen, wenn diese Treffen ihm nichts bedeuten, wir keine Liebe, Zuwendung, Anerkennung oder auch Verständnis erfahren.

Wenn man mit Gerhard Roth einem der bekanntesten Hirnforscher Deutschlands Glauben schenken mag, dann ist es auch gar nicht einmal so ungewöhnlich, dass wir uns von Trieben und Bedüfnissen lenken lassen, jedenfalls eher als von Verstand und Vernunft. Jedoch gibt es sie auch im praktischen Leben: einige wenige Momente, in denen die Vernunft über die Bequemlichkeit siegt, der Verstand über den Instinkt und wir fast in die Nähe dessen gelangen, was Denker, die die hehrsten Sätze über die menschliche Natur noch nicht aufgegeben haben, als "Altruismus" bezeichnen würden.

Zumindest aus meiner subjektiven Sicht und für mich gesprochen, kommt der immer mal wieder durchgeführte Akt des Blut spendens diesem "Ideal-"Zustand (wobei die Anführungsstriche dafür stehen, dass menschlich sein gegenüber ideal uns ja vielleicht auch erst zu dem macht, was wir sind!) ziemlich nahe. Denn egoistisch gedacht, müsste ich mich schon fragen, was ich denn da eigentlich tue: fast anderthalb Stunden meiner Zeit hergeben, mir vor einem ulkig aussehenden LKW die Beine in den Bauch stehen und frieren, mir eine Nadel in den Arm stechen lassen und auch noch einen knappen halben Liter meines Lebenssafts verlieren.

Dem gegenüber stehen die Argumente, die meiner Meinung nach nicht nur den Kampagnen findiger Werbemacher entspringen:

  • Blut kann man nicht kaufen, man kann es auch nicht synthetisieren oder längerfristig durch irgend einen anderen Stoff ersetzen.


  • Mit jeder Spende rettet man bis zu 3 Menschen das Leben bzw. ermöglicht ihnen wichtige medizinische Eingriffe; z.B. las ich irgendwo, dass ein erheblicher Teil des Blutes im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburten benötigt würde - gewissermaßen zählt er also doppelt!


Für mich interessanterweise sind die Argumente, die von vielen gegen eine Blutspende aufgeführt werden, dagegen unerheblich bzw. gegenstandslos. So bin ich mir ziemlich sicher, dass man sich

  • beim Blut spenden nicht mit gefährlichen Infektionskrankheiten anstecken kann.

  • es einem erwachsenen, gesunden Menschen nicht schadet, zwei- bis dreimal im Jahr einen solchen Aderlass über sich ergehen zu lassen.


Die Gründe für diese Annahmen sind zweierlei. Natürlich kann ich nicht alles über jedes mögliche Thema wissen. Aber von derlei Ansteckungen hätte man bei tausenden Spendern täglich mit Sicherheit schon gehört. Außerdem kann sich jede/r vor Ort augenscheinlich davon überzeugen, dass steril verpacktes "Entnahmebesteck" verwendet wird - es wird nämlich vor euren Augen ausgepackt bzw. trägt man es sogar ein Stückchen im Beutel mit sich herum. Und für Punkt 2 ist neben den vielen fidelen Blutspenderinnen und Blutspendern auch das Verfahren in Deutschland eine halbwegige Garantie. Niemand wird zur Spende zugelassen ohne eine kurze Konsultation mit einem Arzt. Und bei den vielen nicht offensichtlich Gebrechlichen, die dabei vorübergehend (d.h. für einige Wochen oder Monate) weggeschickt werden, ist es wahrscheinlich, dass die Kriterien in jedem Fall mit Blick auf die Gesundheit der Spendenden ausgelegt werden.

Blieben noch die Frage des Verkaufs von Blut und das flaue Gefühl in der Magengegend ob so vieler intimer Fragen und spitzer Gegenstände, die auf einen einzuwirken "drohen". Ersteres kommt selbstverständlich in den Medien wieder einmal hoch und mag wohl stimmen; allerdings ist es genau genommen ja nur ein Argument gegen das Verwertungssystem für Blutspenden und nicht etwa gegen die Blutspende selbst. Denn ob zu verkaufen oder nicht - Blut gibt es nicht im Laden.

Bleibt als letztes noch die Angst. Ein legitimes Argument, wie ich finde. Habe ich nämlich auch, und es hat ganz schön lange gedauert, bis ich meinen Willen und meine Stärke dazu bringen konnte, auf die Einladung zu einem Spendetermin in der Nachbarschaft stärker zu reagieren, als den Schisshasen in mir. Und selbst jetzt möchte ich nicht ausschließen, dass mein Puls vor einer Blutspende um 10-15 Schläger höher liegt als im wirklich entspannten Zustand. Nur fände ich es als erwachsener Mensch irgendwie seltsam, mich der Angst vor einer so kleinen Sache völlig hinzugeben. Denn in der "schlimmen" Variante (wie heute erlebt) tut der Eintich ungefähr 5 Sekunden weh, und danach muss man 8 Minuten mit der Gewissheit leben, eine ziemlich dicke Kanüle im Arm stecken zu haben - mit Hingucken oder wahlweise auch ohne.

Jedenfalls hatte ich heute endlich mal wieder genug roten Farbstoff im Blut, dass es für mich und noch jemanden reicht. Und wenn die Saison wieder losgeht, werde ich gute Taten dieser Art auch vernüftig timen müssen, um nicht im entscheidenden Moment alle Trainingsanstrengungen zunichte zu machen. Mal wieder eine gute Tat. Soweit möglich...

Advent und Laufen

Lange, lange habe ich mich nicht zu Wort gemeldet. Ich schaffe es einfach nicht, die beiden Begriffe in der Überschrift unter den sprichwörtlichen Hut zu bringen. Schließlich habe ich mehr oder weniger für den Advent optiert: jeden Morgen eine kleine Andacht mit dem Kalnder von Andere Zeiten und davor ein für meine Verhältnisse fast noch kürzerer (7-8 km) Lauf "ums Eck".

Dabei ist es gar nicht einmal so, dass ich die Lust am Laufen verloren hätte, sondern ich habe die Freude an vielen Anderen (wieder-)gewonnen, darunter eine gewisse Advents-Nostalgie nach Stille und Gemeinsamkeit, aber auch die Lust, statt kalten Windes mal warme Heizungsluft und statt Gestrüpps in nasskalter Nacht eine aufregende Geschichte aus einem Buch vor mir zu haben.

Ich denke, ich bin etwas "aus dem Gleichgewicht geraten", und muss jetzt einfach abwarten, dass sich ein neues einstellt, in dem sich Platz für alle dann aktuellen Interessen und Hobbies findet. Ob das Laufen dann ganz unter den Tisch fällt? Unwahrscheinlich. Doch wie so Vieles vor Weihnachten gilt es jetzt erst einmal abzuwarten. Die Zeit und auch die (geplanten aber noch nicht gemeldeten) 50 km am Wochenende in Georgsmarienhütte.

Ach ja, der Nikolaus ist offenbar auch nachsichtig mit mir - Süßes und Nüsse in ungeputzten Lauftretern:

Samstag, 29. November 2008

Das Wetter zur Laune

Zum Laufen habe ich schon seit einigen Tagen keine richtige Lust - und hatte folglich auch gestern und vorgestern ausgesetzt. Zu zahlreich die anderen Verpflichtungen, zu stark der Drang, mehr Zeit unter Menschen zu verbringen statt stapfend durch die zu meinen Laufzeiten meist dunkle Welt.

Ein Blick aus meinem Fenster auf die direkt davorliegende Dachgaube lässt Schnee vermuten. Aber es schneeregnet von einem mattgrauen Himmel, die Kälte lässt unangenehme Durchdringlichkeit vermuten, doch nun habe ich meine Laufsachen schon einmal an und gehe vor die Tür. Ein paar kurze Runden durch den Park, das muss reichen. Die Bäume haben ihr Laub noch nicht ganz verloren, leuchtend-beuge-braun hängen die Blätter als nasse Masse von den Zweigen herunter, unter meinen Füßen bei jedem Schritt das "Plitsch-Platsch" angetauten Schnees, aus dem mir das Wasser bis über die Knie springt.

Allerdings: das Laufen selbst fällt gar nicht schwer. Obwohl ich mir vorgestern beim Versuch, unter einem Tisch die Beine zu überschlagen, das Knie angehauen habe gleite ich nicht nur schmerz- sondern auch mühelos durch die desinteressierte Landschaft. Vor dem kleinen See laufe ich einmal an einem Trupp des THW vorbei, die sich irgendwie die Stelle ansehen und den Worten ihren Anführers gelangsweilt rauchend zuhören. Nicht einmal der Duft des Weihnachtsmarkts, der in den vergangenen Tagen trockener Kälte die Stadt durchwabert und die Diskussionen über das immer früher hereinbrechende Konsum-Weihnachten angestachelt hatte, ist heute zu vernehmen.

Noch ein wenig "Plitsch-Platsch", dann bin ich zuhause, schließe die Tür auf mit klammen Händen und ziehe mir die klebende Laufhose von den Beinen, den Kribbeln, als sie aus dem eisigen Korsett befreit werden. Nach der Dusche kann er jetzt kommen: der Advent, den wir gleich mit einem Ausflug zum Weihnachtsmarkt nach Goslar einleiten werden!

Mittwoch, 26. November 2008

Falscher Film

"Als ich nichts mehr zu geben hatte, ließen sie mich einfach liegen und die Karawane stieg über mich hinweg."

Es war einmal eine Zeit, in der lebten die Menschen glücklich und zufrieden. Jeder hatte ein Auskommen, eine warme Wohnung, genug zu essen, konnte sich dann und wann ein wenig Luxus leisten und - was am wichtigsten war - fühlte sich geborgen und verstanden in einem Kreis von Menschen, die genau so glücklich lebten.

Die Menschen zu jener Zeit waren so glücklich, dass sie Reisenden, die zufällig zu jener Zeit durch jenen Landstrich kamen ohne Umschweife alle Annehmlichkeiten ihres Lebens präsentierten. "Schau nur, wie komfortabel unsere Wohnungen sind. Wenn du möchtest, magst du gern einige Nächte bei mir zu Gast sein!" "Merke dir nur gut, unsere Küche mundet. Wenn du die Muße hast, lade ich dich gern ein, davon zu kosten!" und natürlich auch "Du kannst dir kaum vorstellen, wie bequem unser Leben ist. Genieße es in vollen Zügen, so lange du bei uns weilst!"

Selbstverständlich konnte kaum ein Gast den Verlockungen widerstehen, und wenn das Land einen offensichtlichen Nachteil hatte, dann den, dass die Grenzkontrollen bei der Ausreise viel strenger waren als bei der Einreise. So kam es, dass viele der Gäste sich auf Dauer in dem Land niederließen. Doch in dem Maße wie die Zeit verging, verloren auch die Annehmlichkeiten ihren Zauber: Nicht nur, dass man sie nun nicht mehr einfach so genießen konnte; vor dem Erfolg stand die Arbeit. Doch auch zu dieser gab es nicht ohne weiteres Zugang, dazu brauchte man die Zugehörigkeit zu einer glücklichen Gemeinschaft - was, so der Eindruck der meisten Nicht-Ausgereisten, auch umgekehrt der Fall war: ohne Arbeit keine glückselige Zugehörigkeit.

Natürlich glaubten die neuer Angekommenen zuerst nicht, was ihnen widerfuhr: einige stürzten sich mit besonderem Eifer an die Arbeit, andere spielten Zugehörigkeit, kehrten dann zurück in ihre traurigen Bleiben und wussten, dass dies nichts anderes war als Theater, das sie für sich selbst spielten. So entstand eine Gruppe von Menschen, die wuchs und wuchs und wuchs und außen vor war. Doch nicht einfach ausgesperrt. Sondern im unmittelbaren Angesicht dessen, wonach sie sich sehnten. Unter dem Eindruck der Ideologie, dass sie dazugehören könnten. Nicht auf der anderen Seite eines Zauns, sondern im falschen Film.

Sie unterscheiden sich in nichts von uns. Und wenn sie unter uns sind, können wir sie nicht erkennen. Täten wir das, so sähen wir ihren Film, und wären ab dann...alle im richtigen!

Samstag, 22. November 2008

Kongress unter sportlichen Vorzeichen

Hallo, da bin ich wieder. Die letzten drei Tage habe ich auf dem Deutschen Sportökonomie Kongress in Köln verbracht, dort einige interessante Vorträge gehört und neue Leute kennen gelernt, in den Pausen zu viel gegessen und vor allem zu wenig Sport getrieben.

Heißt konkret, auf mehr als 20 (Do) + 30 (Fr) Minuten habe ich es über diese Tage nicht geschafft. Dennoch denke ich, dass ich mir eine Art Tapferkeitsmedaille verdient habe. Schleßlich habe ich unter rund 400 angeblich hyper-sportlichen Kongressteilnehmern von niemandem erfahren, der während der Veranstaltung überhaupt Sport getrieben hat. Und gestern habe ich mich sogar in der stärksten Phase eines Regengusses aufgemacht in Richtung Kölner Stadtwald.

Der Höhepunkt der Woche war allerdings das Treffen mit Cécile, das ich angesichts der Destination kurzfristig anzubahnen versucht hatte - und das sich dann tatsächlich auch ergab. Nach einigem Suchen vor dem Hauptgebäude der Deutschen Sporthochschule bemerkten wir endlich, dass wir es waren, die sich da gegenseitig anriefen, und machten uns unter dem ersten Eindruck des Wintereinbruchs (Kälte, Regen, Sturm) auf den Weg in die Stadt. Hätte ich geahnt, dass man in Köln so deftig und trotzdem schick essen kann, ich hätte wahrscheinlich auf den Mensa-Besuch verzichtet. So saßen wir gemeinsam im Salon Schmitz und hatten ein wirklich gute Zeit ohne ausgehende Gesprächsthemen oder peinliche Stille - eine offene Stimmung, die mir bei Läuferinnen und Läufern schon öfter aufgefallen ist.

Die heiße Schokoloade im großen Bol schmeckte vorzüglich, was natürlich auch an der durchgenässten Hose auf den ausgekühlten Oberschenkeln gelegen haben kann. Und nachdem sie ihr Lunch verzehrt hatte, kam Cécile doch tatsächlich noch auf die Idee, meine ernährungstechnische Standfestigkeit mit dem Angebot eines Stückes Kuchen zu testen - und damit zum Einsturz zu bringen. Ich glaube, mit jeweils hausgemachter Tarte au citron und Mohnkuchen (noch warm) hatten wir jeweils unser Lebenselixir gefunden.




Nach einer weiteren Straßenbahnfahrt und bei noch mehr Kälte und Wind verabschiedeten wir uns schließlich von einander. Aber nicht ohne den Plan, küftig noch mehr laufende Blogger zu treffen - vielleicht ja sogar mal alle am selben Fleck!

Sonntag, 16. November 2008

Materialtest mit Endbeschleunigung

Der Titel dieses Posts mag etwas seltsam erscheinen, aber er trifft noch am Besten das Potpourri aus Vorhaben, Strecke und Trainingsform, das ich heute hinter mich gebracht habe und das mich doch einigermaßen zufrieden zurückließ.

Am vergangenen Dienstag hatte ich mir ja einen Rucksack (Deuter Speed Lite 20) samt Trinkblase angeschafft und las gestern bei den französischen Freunden vom "Ultrafondus", dass das Material für Trail-Läufe praktisch zu einem Körperteil werden müsse. Zusätzlich ermutigt machte ich mich also daran, das Preisschild vom Rucksack abzuknipsen, die Trinkblase auszupacken und vor allem die dazugehörige Gebrauchsanweisung zu lesen. Nun gut, zumindest beim Absaugen der Restluft scheine ich etwas nicht ganz so perfekt hinbekommen zu haben, denn meine anderthalb Liter Getränk schwappten bei jedem Schritt doch ziemlich in der Blase hin und her; weiß jemand, wie man es schafft, das Ding so zu befüllen, dass sich die Flüssigkeit wirklich auf die gesamte Höhe verteilt und sich nicht unten sammelt?

Als ich den ersten Schritt vor die Tür setzte, war es noch keine 12. Ich lief durch "meinen" Park und wurde dort von einigen Spaziergängern doch sehr seltsam beäugt. Einerseits kann ich das verstehen - wer braucht schon ein Getränke-Reservoir für eine Runde im Park; andererseits würde ich mir wünschen, dass zumindest Eltern (und das waren die mir entgegen Kommenden gemessen an der umherlaufenden Kinderschar) offen und pfiffig genug sind, zu merken, dass ein Läufer ja auch auf dem Weg nach weiter weg sein könnte!

Angesichts dessen, dass das eigentliche Vorsaison-Training noch gar nicht begonnen hat, lief ich zu Beginn betont langsam. Ehrlich gesagt hatte ich auch ein bisschen Respekt, eine so lange Strecke (> 30 Kilometer) wieder solo zu laufen und spekulierte irgendwie darauf, dass der Trinkrucksack mich schon bremsen und mir gleichzeitig eine Ausrede für mein niedriges Tempo liefern würde. Weiter ging's durch den Park, durch einen öden Außenbezirk der Stadt, wo die Novembersonne in besonders auffälligem Kontrast mit vielen Strahlen durch die Wolken schien und am See entlang, wo sich neben vielen Fußgängern und Joggern auch ein paar Entenfreunde auf dem vom Wind bewegten Wasser sonnten.

Bis dahin hatte ich nicht fotografiert, denn der Wind machte doch die Hände etwas steif und durch das "Tsch, Tsch, Tsch..." des Wasserbehälters fand ich den Lauf irgendwie nervtötend, wie er noch weitere gut 20 Kilometer vor mir liegen sollte.

Ab dem nächsten Abschnitt dann wurde es dörflicher. Ich lief an Pferdeweiden vorbei und dachte an die vielen Male, die ich mir bei langen Läufen erträumt hatte, davon eins zu kapern und so den Muskelschmerz in andere Partien umzuverlagern. Hinter der nächsten Kurven fraßen und wiederkäuten ein paar dick behaarte Rinder bei auffrischendem Wind auf ihrer Weide.





Dann schließlich hinaus auf's freie Feld, Feldweg und Autobahnunterführung Richtung Wolfenbüttel. Mit dem immer stärker werdenden Wind zeigten sich auch dick schwarze Regenwolken am östlichen und südlichen Horizont. Doch bis ich das bemerkte, versuchte ich mich noch in einem alten Spiel (gegen mich selbst) und gab an der Stelle, wo es nach der Autobahn einige hundert Meter ansehnlich bergauf geht richtig Gas. Dabei überholte ich zwei Pärchen, die mich diesmal verwundert aber freundlich anblickten und grüßten. Schließlich den lang gezogenen Feldweg nach Wolfenbüttel, von wo sich das Wolkenspiel so richtig schön sehen ließ und wo ich mich längs des Waldes wohl auf der Wetter abgewandten Seite befand.



Dann das gleiche zurück. Wieder der lange Feldweg, Autobahnunterführung, Gas geben. Zwischendurch nehme ich immer ein paar kräftige Hiebe aus meinem Trinkbeutel und finde, dass dieses Beißen und Saugen gleichzeitig ziemlich fordernd ist für eine außer Atem befindliche Läuferin. Bald habe ich 20 Kilometer in den Beinen. Die Herbstsonne hat sich verzogen, und mir ist nicht nur kalt, sondern ich fühle michauch schwach und vor allem unmotiviert, jetzt noch etwas mehr als 10 zusätzliche Kilometer zu absolvieren. Es ist dieser berühmte Punkt, an dem nicht nur die Beine, sondern auch der Kopf schwer werden - es steigt die Frage auf, warum ich mir so etwas heute antue und ob ich das in Zukunft in noch viel gößerem Umfang tun will. Eine Antwort finde ich nicht, vermutlich, weil ich diesen Anfechtungen gegenüber abgehärtet bin.

Irgendwann habe ich mich genug durch den Teil geschlängelt, der macht, dass bei diesem Lauf der Rückweg, so wie in die "Szene" nutzt, etwas länger ist als der Hinweg. Ich bin wieder am See und meine Fußsohlen brennen. Links macht sich unter dem Fußgewölbe der Schmerz einer Blase bemerkbar. Nachdem ich sie während der schwachen Phase zuvor in den Rucksack gepackt hatte, nutze ich diesen Totpunkt, um sie wieder auszupacken und noch zwei Bilder von der herbstlichen Atmosphäre samt Wind und Laubfärbung zu schießen.



Und dann geht es wieder. Ein, zwei Kilometer noch, dann bin ich zurück im Park, in der Stadt und werde mich mal in dem versuchen, was als "Endbeschleunigung" durch Trainingspläne und Foren spukt. Wohl weißlich: eine gute Spurterin bin ich nicht, meine Marathons sind weit davon entfernt, dass ích die zweite Hälfte schneller hinter mich brächte als die erste, bei der ich mich meist schon völlig verausgabe. Aber ich will diese Tempoverschärfung heute, ich will wissen, wie es ist, wenn man etwas macht, von dem man immer dachte, es ginge irgendwie nicht. Und es geht. Fast leichtfüßig trabe ich durch den Park, vergesse alles um mich herum und komme schließlich in den Stadt, laufe zwischen den Villen hindurch auf Laub übersäten Fußwegen und kreuze eine letzte Hauptverkehrsstraße. So einfach als wäre nichts gewesen.

Mit der Zeit (2:46 Std.) kann ich für über 30 Kilometer wirklich zufrieden sein. Das neue Material hat bis auf den wahrscheinlichen Befüllfehler auch gehalten, was es versprach: keine Verspannungen im Schulterbereich. Zufriedenheit. Und deutliche Erinnerung an die Zweifel. Nun gönne ich mir erstmal eine Dusche, ein Brot mit Quark und Marmelade (ich habe bislang noch gar nichts gegessen) und vor allem eine Beinmassage mit Arnika. Morgen gönne ich mir lauffrei. Auch das schön, wenn man's mal hat!

Samstag, 15. November 2008

Saisonplanung

Auch, wenn ihr von mir inzwischen ganz andere Dinge gewohnt seid, geht es in meinem heutigen Blogbeitrag um ein extrem simples Thema: das Laufen. Genau genommen begebe auch ich mich damit auf ein neues Terrain, denn wenn ich bisher an Wettbewerben teilgenommen habe, dann größtenteils entweder relativ kurzfristig gemeldet oder ohne größere Ambitionen. Mit der neuen Saison, deren Beginn ich entsprechend einer geläufigen Tugend mal auf "sofort" setze, soll das anders werden:


    • Ich möchte Saisonhöhepunkte als Ziele definieren.

      Das führt gleichzeitig dazu, einige Läufe auch explizit nicht mit 100 Prozent anzugehen.

      Außerdem möchte ich mehr Konstanz im Sinne von "mindestens ein Marathon/Ultra pro Monat, um für meinen ganz besonderen Saisonhöhepunkt genug Kilometer gesammelt zu haben.



  • (Eigentlich wollte ich das hier als Liste formatieren. Kann mir jemand sagen, wo der Wurm drin ist?)

    Ein zweiter, ebenfalls wichtiger Aspekt ist natürlich, dass ich mich auf Rückmeldungen freue, wer von euch eventuell auch da starten wird, wo ich's vorhabe. Und in Einzelfällen lasse ich mich vielleicht sogar zu einem Alternativ-Start (oder einem zusätzlichen) anderswo überreden!

    Nun aber zur Sache, also den konkreten Terminen und Zielen:

    Sa., 13.12.08 - Gerogsmarienhütter "Null" (50KM, ohne Zeitnahme)

    Sa., 03.01.09 - Landkreislauf Gifhorn (~ 66KM, ohne Zeitnahme)

    So., 22.02.09 - LüHa-FunRun von Lübeck nach HH (75KM, angestrebtes Durchschnittstempo 6:00Min/km)

    Sa., 21.03.09 - Steinfurt-Marathon (Zielzeit: 3:30 Std.)

    So., 26.04.09 - Hamburg-Marathon (Zielzeit: 3:15 Std.)

    Sa., 16.05.09 - Rennsteiglauf (da will ich bei den Damen ganz vorne mitlaufen!)

    Juni- Juli ???

    2.-6.08.09 - Baltic Run (Berlin-Usedom)

    Sa., 26.-So., 27.09.09 - Spartathlon (!!!)*

    Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie ich mich schon auf diese neue Saison freue! Allerdings habe ich noch keinen Plan, wie genau ich meine Ziele wirklich erreichen will. Und ich fürchte, als Bauch-Mensch, der ich nunmal bin (und dem 20 Kilometer im Marathon-Tempo viiiiiel schlimmer vorkommen, wenn sie im Trainingsplan stehen als 30 'spontane'), ist da wohl auch nichts zu machen. Naja, im Winter Grundlagen halt und dann ab Februar auch wieder'n bisschen Tempo ;-)

    * 16.11.08: Aus Vernunft- und Kostengründen verschoben. Dafür aufgenommen: "Baltic Run".