Montag, 7. September 2009

Neue persönliche Bestzeit

Einen ganzen Tag habe ich mich mit dem Bloggen zurückgehalten. Diejenigen von euch, die gewohnheitsmäßig in Ergebnislisten stalken, haben es vielleicht trotzdem schon mitbekommen: den gestrigen Marathon in Wolfsburg habe ich erfolgreich gefinisht.

Wie gut das Ergebnis letztlich sein würde, hätte ich eigentlich schon am Morgen wissen können. Zwar fiel mir das Aufstehen schwer wie eh und je. Aber nachdem ich mich erstmal in der Vertikalen befand, machte sich die Motivation in mir breit wie schon seit Langem nicht mehr. Die Atmosphäre auf dem Start- und Zielgelände war bei nur 151 Startern im Marathon (und einigen mehr auf den "Unterdistanzen") angenehm relaxt. Unangenehm überraschte nur das Wetter: 13 Grad und bewölkt.

2 Minuten vor dem Startschuss war ich dann voll konzentriert und stelle mich entgegen meinen manchmal hervortretenden Marotten auch recht weit vorn auf. Dann runterklatschen und -zählen, Peng!, es geht los.

Nach nichtmal 2 Kilometern habe ich diejenigen unter den Damen, die von der Statur her noch respekteinflößend aussehen, bereits locker überholt. Von schwerer Atmung nichts zu spüren. Etwas jenseits des 2ten Kilometers adoptiere ich Wolfgang als Pacemaker für eine mutig angegangene 3:20er-Zielzeit. Die Strecke ist ganz ok, ein kleiner Hügel im Stadtwald, 1 Brücke und ein paar Steigungen hoch vom Ufer der Aller sind die größten Schwierigkeiten.

Auf Höhe der VfL-Arena, die wir auf jeder der 2 Runden auch seitlich durchlaufen werden, komplettieren wir 14 Kilometer und Wolfgang meint, nun hätten wir "für so viel Geld schon wieder ein Drittel vom Spaß rum". Das Tempo ist mit 4:40-4:50 pro Kilometer im oberen Bereich dessen, was ich mir hätte träumen lassen, und bei 15, 16 beginne ich auch anzumahnen, nochmal einen Tacken 'rauszunehmen. So mache ich's eigentlich immer: erstmal zum HM retten, dann auf die 30 und dann gucken, was noch geht.

In der Tat hat die Runde noch sowohl Schönes als auch Schweres für uns zu bieten: quer durchmesse wir unter den staunenden Blicken von Passanten die Glaskonstruktion der Autostadt, schlängeln uns durch die Außenanlagen (die nicht die einizigen und nicht die schlimmsten Spitzkurven dieses Kurses sind) und finden uns nach einem Trab durch (VW-)"Werk" am Allersee wieder. Das ist so eine Strecke, auf der der Wind unabhängig von der Laufrichtung immer von vorn zu kommen scheint. Wolfgang zieht das Tempo eisern durch, mir wird anders beim Gedanken, hier demnächst die Kilometer 39 und 40 absolvieren zu müssen!

Dann ist die erste Runde rum, wir haben jedem der zahlreichen (aber teilweise schlecht eingewiesenen) Streckenposten einmal "moin" gesagt und gehen nun zu "einen schönen Tag noch" über. Der Sprecher im Stadion sagt "da haben sich zwei gefunden" und als wir aus dem Rund heraus sind, ruft mir irgendwer zu "erste Frau". Wolfgan findet das "eine Ehre", mich spornt es an, macht mir aber zugleich auch Angst, das Tempo oder wenigstens den Abstand nicht halten zu können.

Kilometer 22, 23, 24 ... Auf dem freien Feld mit Gegenwind fühle ich mich erstmals nicht mehr wirklich frisch, kurz nach 27 scheinen mich vollends die Kräfte zu verlassen, aber da laufen wir kurz vor 28 ins Schwimmbad ein (zwei Drittel geschafft sage ich mehr zur Selbstbestätigung als zu Wolfgang) und der Sprecher murmelt was von "Zielzeit 3:30".

Dann durch ein unansehnliches Wohngebiet. Den 30. Kilometermarker erreichen wir nicht mehr gemeinsam. Wolfgang verabschiedet sich "in die Büsche" (ich habe kurzzeitig die Sorge, ihm auf den Nerv gefallen zu sein). Mir wird jetzt so allein bange vor der Strecke, doch ich pushe mich vorwärts und lasse mich vor allem nicht verrückt machen, wenn die Kilometerzeiten so langsam auf die 5:00 und dann die 5:11 zugehen. Als problematisch empfinde ich, dass Garmin ab irgeneinem Punkt die Kilometer jeweils ca. 300 Meter vor den Streckenmarkierungen "abbläst" - aber der Schnitt stimmt ja trotzdem in etwa.

In der fast ausgestorbenen Fußgängerzone mach eine Jazzband anfeuernde Musik. An allen Getränkeständen halte ich, esse Banane und trinke Wasser. Statt an Wolfgang hänge ich jetzt auf ca. 50 Meter Distanz an einem Läufer im dunkelblauen Dress, der erst sehr stark an mir vorbeizog. Gleizeitig überhole ich einige Leute, die zuvor sehr stark aussahen und recht konstant vor uns hergepacet waren. So lässt sich zumindest der Geschwindigkeitsabfall nochmal besser verzeihen. Selbst am Allersee, wo ich den Eindruck habe, der Wind sei noch stärker geworden, lasse ich mich nicht mehr abhängen.

Dann noch eine schreckliche (weil schwankende und unansehnliche) Brücke. Auf der Spur gegenüber verrichtet ein armer Läufer mit dem Hinterteil zu den verrosteten Stäben seine Notdurft. Ich versuche unterdessen nochmal Gas zu geben, an dem "Blauen" bin ich noch dran und überhole jenseits des 41er-Schildes auch noch einen Mann.

Die letzten "Meterchen" scheinen sich dennoch hinzuziehen. Ich rette mich ins Stadion, richtig spurten kann ich nicht mehr. Endlich, die Zielgerade! Ich höre meinen Namen, stampfe zweimal mit dem linken, chiptragenden Fuß auf den Transponder-Matten auf und bin endlich da. Erste bin ich aber offensichtlich nicht, denn eine Bekannte, die so aussieht als sei sie auch gelaufen, lehnt bereits an der Absperrung im Zielbereich. Ich hoffe, Dritte zu sein, doch als sich auch das nicht bewahrheitet, gehe ich Duschen. Nicht, dass mich die Platzierung stören würde, aber wenn man mir eine zuruft, dann doch bitte die richtige!

Anschließend dann noch eine der besten Massagen, die ich je nach einem Marathon erhalten habe (der Masseur erklärt mir, dass meineverhärtete Problemstelle an der rechten Wade vom 5. Lendenwirbel herrührt, was ich sofort unterschreiben würde) und dann ab ins Restaurant, wo ich mit einem bekannten Marathoni den Tag ausklingen lasse.

Ein erfolgreicher Wettkampf. Obendrein gab's ein adidas-Finisher-Shirt (Wenn auch ohne die Aufscchrift "Finisher", dafür mit Riesen-VW-Logo vorn) und zwei Eintrittskarten für die Autostadt, über deren Gegenwert man zumindest vom geldlichen her nicht meckern kann. Jetzt bin ich irgendwie erleichtert, mal wieder eine "guten Wettkampf" gelaufen zu sein. Ab Mittwoch wird sich dann auf die 5 konzentriert - sub 20 Minuten!

P.S.: Die Bestzeit beträgt übrigens 3:25:24!!!

Kommentare:

Gerd hat gesagt…

Jetzt hab ich soooo lange gewartet. Und muss nochmal gratulieren.
Zu dem "nackten" Ergebnis hab ich nun auch die passende Story dazu.
Das hast Du sensationell gemacht!
Glückwunsch.

Kerstin hat gesagt…

Herzlichen Glueckwunsch zur neuen Bestzeit! Gut gelaufen!
Aber du weisst schon, dass du noch viel schneller kannst...

Evchen hat gesagt…

Wow! Meinen herzlichen Glückwunsch! *applause*

Und wievielte Frau bist Du nu geworden, wenn ich fragen darf? Ach, brauch ich ja nicht, ich kann ja stalken gehen, nä? ;-)

Evchen hat gesagt…

Also, ich finde Dein schiefes Lächeln zum Ende doch noch ziemlich kess. So fertig kansnt Du also gar nicht gewesen sein. *frechgrins*

Hugo hat gesagt…

Persönlich Bestzeiten zu realisieren ist ein super Gefühl.... habe das ja am vergangenen Wochenende auch erleben dürfen. Herzliche Gratulation zum gelungenen Marathon. Ich wünsche dir gute Erholung und das nächste Mal bist du bestimmt die Erste.

Die Erleberin hat gesagt…

@all:
Danke für die Gratulation. Es fühlt sich tatsächlich grandios an, mal einen Marathon der eigenen (Marsch-)Vorgabe entsprechend zu laufen.

@Evchen:
4. bin ich geworden!!!

jo hat gesagt…

herzlichen glückwünsch auch von mir. ist ja ne bombenzeit. wahnsinn. und es liest sich so einfach, als ob du dich fast garnicht gequält hättest...

Die Erleberin hat gesagt…

@jo:
Quälen is ja auch nich so mein Ding ;-)

Hannes hat gesagt…

Wow - Glückwunsch zu der tollen Bestzeit! Auch wenn es nicht durchgehend perfekt lief - das Ergebnis zeigt dir, was du geleistet hast.