Dienstag, 28. Oktober 2008

Von Marotten und Macken


Jeder hat sie, viele versuchen, sie zu verbergen und Gerüchten zufolge sind sie das, was einen Menschen erst liebenswert macht: unsere kleinen und größeren "Macken". Eine von meinen ist diese Sache mit dem ersten Brot oder Brötchen am Morgen. Nur selten kann ich es lassen, davon gleich nach dem Schmieren in der Küche schon mal eine Ecke abzubeißen. Allerdings stört das wahrscheinlich niemanden, und ich selbst musste eher schmunzeln, als mir dieser Besonderheit neulich bewusst wurde.

Eher schon hinderlich sind da solche Muster, die irgendwie meinen Alltag und mein Leben durchziehen und von denen ich eigentlich sagen würde, dass "ich so nicht bin". Zum Beispiel bin ich eigentlich gern zu Hause und träume davon, einfach mal einen Nachmittag mit hoch gelegten Beinen im Lesesessel zu verbringen. Tatsächlich aber schaffe ich es fast immer, irgendwelche Aktivitäten weit in meine freien Nachmittage hinein reichen zu lassen - oder spaziere wie aufgezogen mit guter Musik auf den Ohren durch die Stadt, statt einfach mal zur Ruhe zu kommen.

Auch beschäftigt mich dieser Tage, in denen ich kurz vor einigen wichtigen Entscheidungen stehe, folgendes Phänomen: Habe ich etwas "sicher", beispielsweise eine Verabredung, einen Geschäftstermin, eine Wohnung oder einen Job, frage ich mich, ob ich das wirklich haben will. Und gerät das sicher Geglaubte plötzlich in Gefahr, hängt auf einmal doch scheinbar mein Herz daran. Nicht auszudenken die (wahrscheinlich von mir am allerwenigsten bemerkten) Auswirkungen auf mein Verhalten und meine Kommunikation!

Tja, so habe ich bereits nach 10 Minuten Bestandsaufnahme 2 echte Macken gefunden, mit denen ich mir bestimmt oft im Wege stehe. Eine ernüchternde Bilanz, wenn man die toughe, zielstrebige Frau geben möchte, die nicht nur weiß, was sie will, sondern daneben auch noch Zeit für ausgedehntes Lauftraining und ehrgeizige sportliche Ziele findet. Oder vielleicht doch nur Begleiterscheinungen einer bestimmten Lebensphase?

A propos, muss weg: in den Lesesessel ;-)

Kommentare:

Black Sensei hat gesagt…

Jeder Mensch hat unzählige Macken und Marotten. Manches geben wir zu, anderes vielleicht nicht.

Wie Du schon schreibst, es gehört zum Menschen einfach dazu.

Ich nehme Deinen Beitrag als Hinweis, einmal bewußt über meine Macken nachzudenken. Meistens beschäftigt man sich eher nicht damit, oder?

Die Erleberin hat gesagt…

@blacksensei:
Ja, meistens beschäftigt man sich nicht damit. Was aber nicht schlecht ist. Vielleicht "spricht" unser Innerstes ja gerade in den Macken besonders stark zu uns!

Cecile hat gesagt…

Ich finde Leute, die alles können oder ohne scheinbare Macken fürchterlich langweilig. Kennst du das Lied von Annette Louison: Naive?
Das Nachdenken vor wichtigen Entscheidung ist auf jeden Fall lobenswert, auch wenn du den Eindruck hast, dass es ein Zeichen von Unsicherheit wäre. Lieber 2 Mal über etwas Nachdenken als ein Fehler zu machen. Ich bin eher oft zu impulsiv! Hihi. Mit dem Brot habe ich es auch: Wenn ich Baguette kaufe, esse ich auch immer den oberen Stück davon... :) Ist Lecker!
Seine Macken zu kennen und darüber reflektieren ist auf jeden Fall ein Stärke!

ultraistgut hat gesagt…

Ach ja, Macken, was wären wir Menschen ohne sie ?

Schön dass du dich damit beschäftigst, und ich werde black senseis Idee befolgen, auch über meine bestimmt vielzähligen nachzudenken, gar nicht so einfach, fällt mir im Moment kaum etwas ein, wo ich doch sicher bin, dass ich jede Menge habe, am besten fragt man seine nächste Umwelt, aber davor fürchte ich mich !

Danke für diesen Denkanstoß, morgen beim Laufen werde ich darüber nachdenken !

Anja Ridlberg hat gesagt…

Ich musste irgendwann mal in meinem Leben Macken bewusst an die Oberfläche kehren. Heute kann ich das ganz gut. Leute ohne Macken (was so natürlich nicht stimmt, Tarnung ist auch ne Macke;-)) werden von der Umwelt nämlich nicht immer besonders gerne gut wahrgenommen.

Also lieber ne ordentliche Macke als aalglatt sag ich nur.

Das mit dem Lesesessel kenn ich im übrigen ziemlich gut.

DiRo Sports hat gesagt…

Ich fang am besten erst gar nicht an mir Gedanken über gewisse Verhaltensmuster von mir zu machen.
Zuuuuu viele Macken. ;-)
Aber die einzelnen Macken machen einen Menschen zu dem was er ist!

Pienznaeschen hat gesagt…

Macken machen sympathisch und die beiden angebissen Brote machen Dich sehr sympathisch weil es mein sein könnten ;)
Ich glaube sich über seine eigenen bewusst zu werden/sein ist gut und sich die ein oder andere zuzugestehen gesund.

Die Erleberin hat gesagt…

@cécile:
Das Lied kenne ich nicht. Werde es morgen auf youTube suchen und beim Anhören über weitere Macken nachdenken.

@ultraistgut:
Dann viel Spaß beim Laufen. Und zum Thema "nächstes Umfeld darauf ansprechen": Warum nicht? Die kennen und lieben dich doch ohnehin MIT den Macken!

@Anja:
Mag sein, dass Leute ohne Macken auch nicht immer gut ankommen. Mit aber auch nicht. Vor allem, wenn das Gegenüber nicht weiß, was dahinter steckt.

@Diro:
Es kann aber auch sehr unterhaltsam sein, seine eigenen Macken zu suchen - geradezu amüsant ;-)

@Pienznäschen:
Dann müssen wir irgendwann unbedingt mal zusammen Brote schmieren. Anderen auch Macken zuzugestehen ist mir auch die sympathischere Seite der Medaille.

ultraistgut hat gesagt…

Es beschäftigt mich:

Eine Macke ist eine kleine Beschädigung: ein kleines Stück ist am Rand einer Tasse ausgebrochen, ein Stück Holz, sonst glatt und schön, hat einen tiefen Kratzer usw.
Und so hat der Geist oder Verstand eines Menschen "eine Macke" - es ist auffällig, manchmal störend, schränkt aber die Brauchbarkeit nicht ein.

Gefunden im Netz !

Die Gunst der Stunde genutzt und einfach mal gefragt, dabei stellt sich die Frage, ist das eine oder ist das keine Macke ?

Fazit: aus der Sicht der mich gut Kennenden bestätigt sich meine bereits gemachte Aussage, sie hat !!

Trotzdem - ich werde beim Laufen nochmals darüber nachdenken !

Jassi hat gesagt…

Heißt das Du hast die Zusage? Und kannst Dich jetzt nicht entschieden, ob Du das wirklich willst? Oder ist es womöglich nur Angst vor der eigenen Courage? Das wäre dann keine Macke, sondern sicher auch nur allzu menschlich...
Wie auch immer Du Dich entscheidest: toi,toi,toi!
Und: hör' auf Deinen Bauch!

Die Erleberin hat gesagt…

@Jassi:
Nein, leider brauchen die alle sehr lange, um sich zu entscheiden. Aber das ist ja um so mehr ein Grund, schonmal vorher zu gucken, wohin und ob man am Ende wechselt. Dieses Verfrühte ist villeicht die Macke...