Freitag, 29. August 2008

Jenseits der Schmerzgrenze

Laut "Zen Running" wäre heute ein Reinigungslauf dran gewesen. Grund: eintauchen in Schokoladenkekse bis zur Schmerzgrenze. Das passte sich ganz gut mit dem Vorhaben, vor dem HM heute nochmal gemächliche 12-15 Kilometer zu laufen. Allerdings lasse ich mich auch davon leichter überzeugen, wenn der Bauch sich nicht von der vorabendlichen Sünde noch anfühlt wie ein nass gewordener Lederfußball und ich das Gefühl habe, ich würde die Problemzonen-Fettzellen wachsen fühlen.

Objektiv wird's wohl körperlich so schlimm nicht gewesen sein; irgendwie brauch' ich meine Süßigkeiten-Exzesse in der Vorbereitung sogar, sonst laufe ich energietechnisch irgendwann auf "rot". Ein unschöner Nebeneffekt allerdings ist die geistige Trägheit. Heute Vormittag lag sie über allem, was ich versuchte, in meinen Gedanken zu drehen und wenden oder in die Tastatur zu hacken. Na gut, gehe ich also laufen.

Der Reinigungslauf ist nach klassischer Trainingslehre-Einteilung am ehesten ein lockerer Dauerlauf. Als solchen begann ich also mein Unterfangen, konnte allerdings das dumpfe Gefühl von Überfressensein lange nicht los werden. Dafür löste sich ein wenig später meine Bremse. Ich war inzwischen am See angelangt, der in der Ruhe vor dem Sturm ganz herbstlich-malerisch in grau und braun da lag. Der Wind spielte mir um die Nase, ich genoss die Frische, und nicht nur die trüben Gedanken waren fort: Ich rannte, rannte im eigentlichen Sinne, fühlte, wie meine Kraft für mich arbeitete, mich über den Weg schweben ließ und hatte alles Unangenehme überwunden. Ich lief jenseits der Schmerzgrenze, und immer wenn ich in Gefahr geriet, dies zu merken, schob ich den Gedanken einfach beiseite. Das ist wohl mein Grund-Tenor der letzten Tage, dass ich mich beim Laufen wohler fühle, je schneller ich bin. Was nicht gleichbedeutend ist mit: je mehr ich mich quäle ;-(

Kommentare:

nordlaeufer hat gesagt…

Nach der von dir genannten Definition mache ich quasi nur Reinigungsläufe ;-)

Kerstin hat gesagt…

Oje, Keksexzesse kenne ich nur zu gut. Ich kaufe schon gar keine mehr, aber irgendwie muss es manchmal dann doch wieder sein.
Und jetzt faellt mir wieder ein, ich meinte Chi-Running. Da laeuft man praktisch mit dem Koerper und laesst Beine und Arme "mitreisen". Nein, ich kann das jetzt nicht auf deutsch erklaeren, aber es hat was damit zu tun, sich von der Schwerkraft helfen zu lassen. Von Zen-Running habe ich keine Ahnung...

Black Sensei hat gesagt…

Zen-Running. Sehr interessant!

Ich persönlich halte nicht sonderlich viel von Trainingslehren usw. - und vertraue mehr auf meinen Körper. Aber ich muß auch nicht für Ziele trainieren.

Schönes Wochenende!

P.S. Kekse sind immer gut. ;)

martin hat gesagt…

So ging es mir gestern auch - anfänglich vorsichtig - eher unzufrieden mit dem Lauf und dem Tempo und plötzlich - woher auch immer - lief es plötzlich - und ich wurde schneller und lief unglaublich locker meinen Tempolauf zu Ende.

Mein HM ist Sonntag in einer Woche, jetzt mach ich erstmal Urlaub.
Viel Erfolg und viel Spaß bei deinem Lauf

Die Erleberin hat gesagt…

@all:
Ja, Kekse sind gut, aber nur, wenn man sie vor dem Training verdaut hat...
@black sensei:
Zen Running ist ein Buch von Günter Heidinger. Es ist weniger eine Trainingslehre, als die Übertragung von Zen-Übungen auf das Laufen.
@martin:
Diese Erfahrung mache ich in letzter Zeit öfter: nichts wollen und alles bekommen (beim Laufen zumindest).

Hugo hat gesagt…

Hallo Erleberin,
Schön ist es in deinem Blog zu lesen. Es kommt mir echt so vor, als ob ich ein gutes Buch lese.

Zum Keksexzess kann ich nur sagen, dass es mir, komischer Weise ebenfalls vor den Wettkämpfen, genau so geht wie Dir. Nur bin ich auf Schokolade spezalisiert....

Cecile hat gesagt…

Ich liebe Süßigkeiten. Wenn die Gier danach zu groß ist, dann gehe ich irgendwo irgendwas Süßes kaufen, dass ich dann irgendwo verstecke für Notfälle!! oder teile sie mit Freunden, damit ich sie nicht alle aufesse... bekommt mir leider nicht! Es ist meine Droge...da komme ich nicht weg (Zigaretten und Alkohol waren einfacher aufzugeben!) ;)
Letztens wunderte sich ein Bekannter wie ich so viel essen könnte... Er läuft um zu abnehmen...Ich antwortete ihm: Ich laufe, um zu essen!

Cecile hat gesagt…

Ich habe letztens das Buch in die Hände gehabt... Werde ich noch mal schauen!!!