Sonntag, 4. Januar 2009

Running in a Winter Wonderland



Wie bereits geschrieben, war ich gestern nach dem 66-Kilometer-Abenteuer gar nicht so richtig kaputt. Sprach's und brach zu einem 16-Kilometer-Regenerationslauf gleich am nächsten Morgen auf. Für alle, die (wie ich bis vo Kurzem) mit dem Begriff nichts anfangen können. Laut Trainer-Guru Peter Greif dienen sie dazu, die Muskeln aktiv zu erholen.

Zugegeben, ich habe trotz aller Motivation ein wenig an mir selbst gezweifelt, denn sowohl mein Herz als auch mein Verstand tendierten zu einem gemütlichen Sonntagmorgen mit einem guten Buch oder wahlweise auch den Fernstudien-Unterlagen. Als ich dann aber aus dem Fenster blickte und sich ein prächtiges Bild von Neuschnee auf Wegen und Dächern zeigte, gab es kein Halten mehr. Ein Kaffee, eine halbe Stunde studieren für's Gewissen und dann raus in die weiße Pracht.




Wie herrlich es doch ist, fast lautlos durch eine verzaubert wirkende Stadt zu gleiten, kaum eine Menschenseele dabei zu sehen und selbst die ersten Spuren in die frische Schneedecke zu stapfen. Leider wurde die Freude schon auf den ersten Metern durch einen Hund getrübt, der mich zwar nicht eigentlich anfiel, sich aber doch in seinem wilden Spiel sehr auf mich fixierte und dessen Besitzerin gefühlte 5 Minuten brauchte, um ihren Liebling wieder anzuleinen. Und dann hatte ich nochmal ein paar ungute Gedanken an Hunde, nämlich als ich ins Landschaftsschutzgebiet kam, und unter den leicht zugänglichen Bäumen bis über die breiten Wege uringelbe Lachen sich auf dem Schnee abzeichnten. Allein bei dem Gedanken, meine Kinder einmal in so etwas spielen zu sehen, schüttelte es mich.

Sei's drum, jedenfalls zog ich los, diesmal hinaus Richtung Osten, vorbei an Theater und Kunstmuseum, dann eine kleine Runde gedreht im Park bei meiner ehemaligen Schule. SChließlich hinaus in die kultivierte Wildnis. Zistersienser-Mönche legten hier vor rund 1000 Jahren die ersten Fischteiche an, die noch heute im Dezember frischen, heimischen Karpfen bescheren. Und weil zum Fangen der Tiere der Wasserspiegel stark gesenkt wird, frieren sie außerdem schnell zu und sind dann ein belieber Tummelplatz für Schlittschuhläufer und andere Winterfreunde.




Heute früh war es auf den Eisflächen allerdings ziemlich ruhig. Dazwischen begegneten mir 2 Arten von Joggern: die Hartgesottenen, die bei jedem Wetter trotzdem unterwegs sind; und die offensichtlichen Anfänger, die sich bei 15 Zentimeter nachgebendem Weiß unter den Füßen ganz schön quälten bzw. gehen mussten.



Gequält habe ich mich dann schließlich auch. Einerseits, weil es schneite und dabei windig war und mir so die kleinen Flöckchen wie Nadeln gegen das einsige Gesicht wehten. Zum anderen, weil 66 Kilometer eben doch kein Pappenstiel sind, und ich mich abgesehen von den Fotopausen im Schnitt eben doch nicht an das geplante Schneckentempo hielt. Nach etwas mehr als 10 Kilometern war es dann auch so weit, dass ich quasi vor Schwäche stöhnte und keinen Schritt mehr vor den anderen setzen wollte. Da es aber erfahrungsgemäß nichts genutzt hätte, solchen Gefühlsregungen nachzugeben, schlappte ich ultrageschädigt durch die Gegend bis zu 2 Steigungen, die ich traditionell als Form- und Willenstest verwende, und die mir einmal mehr zeigten, was trotzdem noch alles in mir steckte.




Inzwischen war ich im Park angelangt, Braunschweigs beliebteste Cross-Strecke mit steilen Treppen, die unter schneeschweren Zweigen bergauf in die Winterlandschaft führen. Nach kurzem Traben auf einem Naturpfad schieißlich der Aussichtspunkt, wo sich die Stadt erahnen lässt hinter den Fäden, die der schnell fallende Schnee in die Luft malt.



Dann nochmal Cross, leicht bergab und schleißlich geradeaus durch die Siedlung, wo ich noch einmal Gas gebe. In einer Wohnstraße und an der nahen Kirche mache ich die letzten paar Fotos für heute, dann wird der Turbo soweit wie möglich aufgedreht.




Im Park bei mir vor der Haustür geht aber endgültig gar nichts mehr. Ich schleppe mich förmlich nach Hause. Schön war's, aber gut, dass ich's für heute hinter mir habe...


Kommentare:

ultraistgut hat gesagt…

Genau - und dann noch einen oben drauf gesetzt, wie kann man auch bei solch herrlichem Schnee zu Hause bleiben, das kann ich gut nachvollziehen !

Die Erleberin hat gesagt…

Naja, "oben drauf gesetzt" klingt ein bisschen zu trotzig. Es war eine Mischung aus "mal sehen, ob das geht" und der Verlockung des schönen Wintertages...

DiRo Sports hat gesagt…

Ich ziehe ja einen Regenerationslauf auch der Couch vor.
Aber 16 Kilometer sind schon knackig.
Du hast ja im Januar schon meine ganzen Jahreskilometer hinter Dir. ;-)

Hugo hat gesagt…

16 Kilometer Regeneration nach einem 66 Kilometerlauf? Starke Leistung, mehr als 42 Kilometer traue ich mir beim besten Willen nicht zu.

Die Erleberin hat gesagt…

@DiRo:
Gestern hatte ich bereits meine ersten 100 voll, mit denen heute sind es jetzt 117. Etwas mehr wirst du ja aber wohl schaffen - es bleiben 361 Tage!

@Hugo:
Ultra ist ein anderes Laufen, zumindest am Anfang weniger anstrengend als Marathon, das kann man nicht vergleichen...

GRAS.GRUEN hat gesagt…

"Ultra ist ein anderes Laufen, zumindest am Anfang weniger anstrengend als Marathon, das kann man nicht vergleichen..."

Da bin ich wirklich interessiert - kannst du das vielleicht noch mal näher beleuchten ????

Black Sensei hat gesagt…

Vom Ultralaufen habe ich keine Ahnung - aber im Schnee unterwegs zu sein, ist einfach wunderschön!

Kaum ist der Lauf vorbei, freue ich mich auf den nächsten.

Viel Freude im Schnee!

@Gerd, Täglichläufer regenerieren beim Laufen! ;)

Die Erleberin hat gesagt…

@grasgruen:
Werd' ich bei Gelegenheit bestimmt mal machen.

@blacksensei:
Nicht nur Täglichläufer. Ich regeneriere auch bim Laufen. Zumindest beim langsamen. Und bein Berglauf regeneriere ich bergrunter. Sind allerdings, rein physiologisch betrachtet, zwei unterschiedliche Arten von Regeneration...

Martin hat gesagt…

Wenn man das alles auch mit den Kommentaren liest, muss man fast zu dem Eindruck gelangen, Läufer sind irgendwie total verrückt ;-)

Aber es wäre ja auch langweilig "normal" zu sein ;-)

Die Erleberin hat gesagt…

@Martin:
Dem ist nichts mehr hinzuzufügen!