Sonntag, 31. August 2008

Es gibt so Tage...

Heute bin ich den angekündigten Halbmarathon gelaufen. Die gute Nachricht: Ich wurde erste Frau und konnte einen schönen, großen Pokal mit nach Hause nehmen. Die schlechte: Meine selbst gemachte Zeitvorgabe von 1:30 Std. habe ich deutlich verfehlt. Es gibt auch keine Entschuldigung dafür (bin ja kein Fußballer), ja, es war ganz schön warm und es gab ziemlich viele windanfällige Teilstücke, aber welcher Lauf ist schon perfekt?

Dass es heute schwierig werden würde, merkte ich bereits vor dem Start, meine Muskeln waren irgendwie hart und der ganze Organismus so gar nicht in der Stimmung zum Gasgeben. Weil das aber Teil meines Programms ist, mal ein paar Dinge zum besseren zu verändern, motivierte ich mich trotzdem und sah zu, die ersten Kilometer in den vorgesehen 4:13 Minuten abzureißen. Darf ich schreiben, dass ich mich darüber geärgert habe, wie uneindeutig ausgerechnet der erste KM ausgeschildert war (wir Halbmarathonis waren ca. 800 m vor dem Starpunkt der 10K-Strecke losgelaufen). Nch Minuten quälender Unsicherheit passierten wir also den zweiten Kilometer, und wie erwartet: Ich war viel zu schnell unterwegs.

Schlimmer allerdings: Ich war nicht in der Lage, mein Tempo ein wenig zu drosseln. Vielmehr kalibrierte ich meine (einfach Stopp-)Uhr bei jedem Kilometer neu, versuchte mich an den 4:13 und irgenwann ab KM 8 an 4:30, um mal ein wenig Luft zu kriegen, doch da war der Zenith meines Leistungswillens offenbar bereits unterschritten. Nach KM 13 nahm mich dann ein älterer Herr in Schlepptau, dessen jüngerer Begleiter soeben auch quasi "schlapp gemacht" hatte, doch auch an ihm konnte ich nicht im 4:30er-Schnitt dranbleiben, um eventuell die Aussichten auf die angepeilte Zielzeit zu wahren.

Nun rätsele ich ein bisschen, wie groß der körperliche und mentale Anteil dieses Einbruchs waren. Klar, wenn ich die 4:30 absolute locker laufen könnte, würde die Psyche absolut keine Rolle spielen. Aber ich meine auch, an Stellen im Wettkampf wie diesen eine Übelkeit in mir aufsteigen zu spüren und einen regelrechten Widerwillen, noch weiter zu pushen. So ging es mir auch in Leipzig, als im mich nach 93 Kilometern überholen lassen musste. Und dann beginnen auf einmal auch andere, kleinere Blessuren mich zu stören, wie beispielsweise meine ewige Druckstelle unterm rechten Ballem.

Naja, ein weniger guter Wettbewerb ist kein Beinbruch. Im Moment freue ich mich über die Nudeln vor mir auf dem Teller - und gleich auf Schlaf nachholen nach einer unruhigen Nacht. Ein Konflikt, der schon lange schwelt, brach gestern wieder auf :-(((

Kommentare:

Jassi hat gesagt…

Ohje, das klingt irgendwie ein bißchen nach 'überdenKopfgestreicheltwerdenwollen'...
Was ich hiermit schriftlich ausdrücken möchte!
Ich hoffe, der Lauf hatte trotzdem seine schönen Momente und in der Nachbetrachtung schleichen sich die positiven Gedanken an der 1:30 vorbei!

nordlaeufer hat gesagt…

Zu einen Sieg kann man immer gratulieren und da kannst du auch immer stolz drauf sein, egal wie gut oder schlecht die Zeit ist. In unserer Leistungsklasse ist doch sowieso immer so, dass man nur gewinnt, wenn die richtigen Cracks nicht da sind.

Und beim nächsten Mal klappt das auch mit der Zeit.

Viele Grüße
Ralf

Kerstin hat gesagt…

Moment mal, du bist doch gerade erst den 100er gelaufen! Beim naechsten Mal bist du ausgeruhter (vielleicht...) und kriegst auch die 1:30 geknackt. Das wuensche ich mir ja fuer mich selber auch, aber im Moment sieht's da so gar nicht nach aus.

Hugo hat gesagt…

Ich weiss, klingt abgedroschen ist aber so.... was uns nicht umbringt macht uns stärker....

Du hast gewonnen !
Gratuliere.... auch wenn die Zeit nicht die gewünschte ist und Du ein wenig leiden musstest, der Sieg nimmt Dir niemand.

Die Erleberin hat gesagt…

@all:
Danke für den Zuspruch. Ich bin auch gar nicht wirklich geknickt wegen des Sports, abgesehen von einer ersten Enttäuschung. Allerdings bin ich jetzt definitiv reif für eine Trainingspause.

ultraistgut hat gesagt…

Kaum zu glauben, dass du nicht zufrieden bist mit dem, was du erreicht hast.1. Frau, was willst du mehr, wärst du auch gewesen, wenn du noch früher das Ziel erreicht hättest.

Den phänomenalen ersten 100-er noch in den Knochen und trotzdem so gut gelaufen !! Du bist gut, und wirst sicherlich noch alles erreichen, was du möchtest, habe Geduld, gibt deinem Körper eine Chance !

Cecile hat gesagt…

Bei mir lief es noch nicht so super, obwohl ich ungefähr erreicht habe, was ich mir vorgenommen hatte. Mein Körper war 14 km lang träge. Er wachte und wachte nicht auf, dann hatte ich Schwierigkeiten beim Atem und und und. War eben nicht mein Tag und ich sollte langsam mehr trainieren und du regenerieren!
Trotzdem gratuliere ich dir zu deinem genialen ersten Platz! Es ist echt super! und wie Margitta es schon sagt, wärest du schneller gelaufen, hättest du an deiner Platzierung nichts geändert... Die vorgenomme Zeit schaffst du bestimmt bald mit links!

Die Erleberin hat gesagt…

@ultraistgut:
schön, dich wieder in der Blog-Gemeinschaft uz begrüßen - obwohl ich dir natürlich deinen Urlaub gönne. Danke für den Bericht und die Bilder. Zum Thema "zufrieden": Es ging mir nicht so sehr um die Platzierung; ich wollte sehen, ob ich einen ehrgeizigen Rennplan durchhalten kann. Dass ich von dem 100er noch etwa "platt" war, gebe ich gern zu ;-)

@cécile:
Gut zu wissen, dass bei den anderen auch nicht alles wie am Schnürchen klappt. Seit gestern pausiere ich nun wirklich.