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Mittwoch, 24. Juni 2009

Anhaltendes Fernweh


Noch vor 2 Tagen bin ich über die Strandpromenade von Playa Blanca gejoggt, frühmorgens, denn dann war es nicht so heiß. Zu meiner einen Seite gab es immer den Ozean, dessen Wellengeräusche beruhigend an mein Ohr drangen. Und dazwischen stellte ich mir vor, ich würde von den frechen Möwen angefeuert, die auf den Lavafeldern an der Küste auf Beute warteten oder auch um einen bereits gefangenen Fisch stritten; dass mir die Papageien bewundernd(?) hinterherpfiffen, brauchte ich mir nicht vorzustellen - sie taten es wirklich.

Nun hat mich mein Zuhause wieder. Immerhin 24°C, immerhin blauer Himmel und ein bisschen Wind ist ja bei sportlicher Betätigung kaum zu verachten. Und dennoch spüre ich den Kontrast. Braunschweig ist nicht Lanzarote, die Wirtschaftswege und Pfade im Park haben nichts von dem entspannenden Ambiente eines tropischen Urlaubsparadieses. Ja, ich kämpfe noch mit meinem Fernweh. Immerhin bin ich ihm heute ein Stück weit davongelaufen. Und zur Erinnerung, Impressionen Teil II:

Lädt zum Entspannen ein - ein Weingut

In mühsamer Kleinarbeit schützen die Bauern ihre Reben vor dem Wind

Wandern statt faulenzen

Karger Ausblick

Und tolles Panorama (Famara-Klippen)

Das "Tal der tausend Palmen" (Haría)

Mondsee im Lavatunnel (Jameos del Aqua)

Mit dazugehöriger künstlicher Lagune - in der nur der spanische König baden darf

Also kühle ich mir die heißgelaufenen Fahrwerke im Atlantik (La Caleta de Famara)

Dienstag, 23. Juni 2009

Lanzarote-Impressionen (I)


Liebe Blog-Gemeinde,

wie letzte Woche angekündigt, war ich im Urlaub auf Lanzarote. Was ich dort erlebt habe, passt schwerlich in einen einzige Blogbeitrag, und es lässt sich auch nicht so gut in Worte fassen.

Nur so viel: Lanzarote ist aus meiner Erfahrung wirklich ein lohnendes Urlaubsziel nicht nur mit Traumstränden, sondern vor allem mit aufregenden Naturschönheiten und der Chance für ein abwechslungsreiches Besichtigungsprogramm. Im Übrigen war ich jeden Tag laufen. Dazu musste ich allerdings recht früh (~ 7 Uhr) aufstehen, um nicht mit voller Wucht von der Hitze getroffen zu werden.

Hier nun die versprochenen Bilder:

Hotel

Traumstrand "Papagayo"

Endlich selbst im Meer

Von der Hitze lagert sich Salz auf den Felsen ab

Feuerberge


Flammen, die aus der Erde kommen


...Fortsetzung folgt

Sonntag, 14. Juni 2009

Eine Reise in die Vergangenheit



Das Thema Reisen lässt mich dieser Tage offenbar nicht los, obwohl die heutige Unternehmung sich natürlich bescheiden ausnimmt gegen die große Tour, die ich nächste Woche vorhabe. Es ging nämlich auf den Brocken.

Anlass war, dass meine Oma da "immer noch mal hin wollte". Und da die Dame gestern 89 geworden ist, bestand ein gewisser Zugzwang: auch bei optimistischer Schätzung sind allzu viele Geburtstage wohl nicht mehr drin. Ein bisschen Schlitzohrigkeit gehörte außerdem dazu. Denn zwar jammert meine Oma udn (mir und meiner Mutter) immer vor, was sie alles unternehmen möchte. Macht man dann allerdings einen konkreten Termin aus, sagt sie, wenn man sie gerade abholen will, mit einer mehr oder weniger fadenscheinigen Begründung ab. Also ließen wir den Trip ihr gegenüber als "Fahrt ins Blaue" laufen.

Heute Morgen dann der Erfolg: pünktlich um Viertel vor 10 stand sie abfahrbereit in ihrer Wohnung, Oma und Rolator ins Auto geladen, und ab ging's. Geplant war, die Brockenbahn ab Schierke zu nehmen. Da wir dort allerdings den Bahnhof nicht fanden (alle Straßenschilder sind in Frakturschrift auf Holz gelötet - sehr schwer lesbar vom Auto aus), bestiegen wir den Zug mit etwas Gehetze schließlich in Drei Annen Hohne.

Schiiiiet! Ab fuhr die Dampflock. Langsam, gemächlich und unendlich nach Schwefeldioxid und sonst noch was riechend, wenn sie den schwarzen Rauch ausstieß. Ich genoss das Schauspiel bei strahlendem Sonnenschein auf einer der Plattformen am Ende des Waggons, schoss ein paar Fotos von Zug und Landschaft (die ich als Wanderrevier sehr gut kenne) und ließ mich ansonsten vom Rattern der Räder auf den Schienen und dem Quieschen der Scharniere zwischen den Waggons einnehmen.

Die Fahrt dauert fast eine Stunde; das ist zwar immer noch schneller als zu Fuß, aber keine echte Zeitersparnis, und vor allem ist das Erlebnis doch viel intensiver, wenn man einen Berg auf Schusters Rappen erklimmt. Na gut, mit Oma halt nicht drin!





Oben angekommen, gab's erstmal Thüringer Bratwurst, Apfelschorle und Kaffe aus Plastiktassen für die ganze Familie. Dann war Oma genug ausgeruht, so dass wir es schafften, sie mitsamt Rollator doch ziemlich nah an den höchsten Punkt zu bugsieren.
Ganz aber dann doch nicht. Die paar letzten Schritte taten meine Mutter und ich allein über den Felsdurchsetzten Schotter. Oben hatte man heute strahlenden Sonnenschein und halbwegs Fernsicht, bis auf nach Braunschweig ;-(




Auch wenn sie nun den allerhöchsten "Gipfel" nicht mehr erklimmen konnte, gefiel meiner Oma der Ausflug sichtlich. Nachdem sie sich das Treiben ungefähr eine Stunde angesehen hatte, sagte sie nämlich: "Als wir mit der Schule hier oben waren, war es noch nicht so voll." (Das war vor 75 Jahren!)

Dann begann es sich einzutrüben, und wir waren froh, dass unser Rückzug bald zur Abfahrt bereitstand. Unten angekommen, stand uns der Sinn noch einmal nach gemeinsamem Kaffeetrinken. Während ich zu Fuß vorging, um das Auto zu holen, fiel mir das passende Stichwort ein: "Königskrug". Das ist ein im Braunschweiger Land legendäres kleines Gasthaus, in dem es riesige Windbeutel gibt. Nun gut, die haben wir dann doch nicht mehr verzehrt, sondern Apfel- bzw. Waldbeerenkuchen und ein Kännchen Kaffee. Aber immerhin konnte ich die Augen meiner Oma noch ein zweites Mal an diesem Tag voll guter Erinnerungen glänzen sehen: "Wie früher."

Jetzt bin ich ... geschafft von dem ganzen Rumsitzen und Mitdenken für jemand anderen, der nicht mehr so eben mal schnell umdisponieren kann wie ich selbst, falls etwas schlecht geplant ist. Das ist dann wohl eher (aber hoffentlich nicht) die Zukunft.

Samstag, 13. Juni 2009

Ich packe meinen Koffer...

...und was nehme ich mit?

Meine Sonnenbrille, Sonnencrme LSF 30, ein Käppi, Wanderschuhe, einen Bikini, einen Rock, bequeme Sandalen, einen Fotoapparat...

Ja, liebe Leute, ihr habt richtig geraten: DieErleberin verreist außerhalb Deutschlands, dorthin, wo es warm ist, und man die Sonne nicht nur als diejenige Funzel kennt, die für die schmutziggelben, lila gerandeten hellen Flecken in den Wolken verantwortlich ist. Ich bin ganz aus dem Häuschen, denn dieser Urlaub kam ein wenig plötzlich - und ist gleichsam die Erfüllung eines Traumes.

Am Dienstag geht es los, 6 Tage Lanzarote, Hotel in direkter Strandlage, aber auch einen Mietwagen habe ich gleich mitgebucht - schließlich will ich ja die schöne Landschaft auch sehen bzw. dorthin kommen, von wo man sie erwandern kann.

Eine nette Zugabe wird sicherlich ein verbesserter "Teint" sein. Wobei, wenn ich's mir recht überlege, sehe ich schon wegen des öfteren Laufens immer recht gut erholt aus - zum Leid- und Neidwesen meiner sportlich inaktiven Umgebung.

So, jetzt werd' ich mir erstmal 'ne Familienfeier "antun" und dann noch ein paar Kleinigkeiten für die Reise besorgen. Der Countdown läuft :-)))

Montag, 1. Juni 2009

Zwischen Elan und Erdbeeren

Heute war ich mal wieder laufen, und weil's so schön ist, gleich zweimal. Heute Morgen mit Andreas, meinem "schnellen" Hausmitbewohner, der ab morgen im Urlaub ist und mich in letzter Zeit gern für seine "Regenerationsläufe" (die langsamen nach dem Greif-Trainingsplan) entführt und heute Abend allein einen 15er, den ich erstmal als recht langsamen Lauf geplant hatte, aber dann...

Zwischendurch - es war ja schließlich ein Feiertag, war ich mit meiner Oma essen. Türkisch - oder wie die Besitzer es selbst nennen: anatolisch - beim Tandure. Wenn jemand von euch mal zufällig zur Essenszeit nach Braunschweig kommen sollte: dies gehört zu den Restaurants, die uneingeschränkt zu empfehlen sind. Es steht nicht nur in der Speisekarte, dass alle Gerichte aus frischen Zutaten hergestellt werden - man schmeckt es auch. So haben wir uns dann also anderthalb Stunden den Bacuh vollgeschlagen und an einem wirklich guten türkischen Rosé gelabt. Am Ende gab es für mich noch einen türkischen Mocca und dann - zwei Stunden aufs Sofa, um wie eine Schlaraffin den Rausch auzuschlafen ;-)

Und ob ihr's glaubt oder nicht: Als meine Oma mich schleßlich weckte, hatte ich doch glatt schon wieder Appetit. Ich konnte mich allerdings ganz gut zurückhalten, und fühlte mich nach dem Äquivalent einer Kugel Eis (weil aus der eigenen Kühltruhe geholt) und frischen Erdbeeren aus Mamas Garten schon wieder angenehm elanimiert. Das musste ich nutzen, packte noch schnell ein paar Erdbeeren in eine Tupperschale für später - und fuhr nach Hause.

Oh Schreck, die Reparatur eines Fahrradreifens wartete da ja noch auf mich. Allerdings hatte ich ja diesen selbst flickenden Schlauch gekauft, aus dem man angeblich nur das Loch machende Objekt entfernen, den Reifen aufpumpen und dann einige Kilometer rumfahren müsse, auf dass sich das Problem fast wie von selber löse. Heute Abend ging's, wobei mir der Verdacht kam, dass vielleicht auch nur ein missgünstiger Nachbar die Luft per Ventil Lockerdrehen aus meinem Reifen gelassen haben könnte. Jedenfalls entwich die Luft beim ersten Pumpversuch hörbar aus dem Ventil.

Aber was soll ich mich über solche I... ärgern. Also rein in die Laufschuhe (Nike free barfuß) und rauf auf die Piste. Erst gemächlich, mich dann an meiner Energie freuend und schließlich bewusst ein wenig Dampf ablassend, bewegte ich mich durch Stadt und Landschaft. Endlich an "meinem" See angekommen, hatte ich ein ganz angenehmes Tempo drauf - angenehm genug, um nicht völlig kaputt zu sein und gleichzeitig den schönen Effekt des Quasi-Fliegens erzeugend. Time-Check nach halber Strecke: 37:55 Min. So zügig war ich lange nicht unterwegs!

Doch halt, was kommt denn da? Ein junger Mann, den ich gerade noch leichten Schrittes überholt habe, ebenso leichten Schrittes von hinten? Und dann gleich noch einer? Nicht, dass ich sowas "nicht auf mir sitzen lassen" könnte. Aber die Einladung zum Tempomachen war einfach zu schön. Er zieht an, ich mich, er nochmal, ich an ihm vorbei, werde immer schneller, wobei mich auch das gerade im MP3-Player laufende Lied ("Holiday" von Green Day) noch ein wenig pusht. Ich fliege, habe Spaß am Wetteifern, ohne irgendwie übermäßigen Ehrgeiz oder unbedingten Siegeswillen zu verspüren. Es reicht die aufkommende Gewissheit, "da geht noch was". Und es ging. Am Ende des Sees ist von den Herren nichts mehr zu sehen. Abgehängt? Irgendwie bedaure ich jetzt für die beiden, dass auf meinem Shirt hinten nicht zu sehen ist, was vorn steht: Rennsteig-Supermarathon-Finisher. Das relativiert die Schmach.

Allerdings merke ich kurz darauf, dass ich schon lange nicht mehr so schnell unterwegs war. Ich fühle mich schwach, stolpere zunehmend vor mich hin. Auf dem letzten Kilometer dann: Hungerast. Na gut, macht nichts, bin ja schon wieder in der Siedlung und muss nur sehen, beim Straße überqueren nicht den Überblick zu verlieren. Noch ein Time-Check: 1:14 Min. Auch so schnell war ich lange nicht mehr. Mit allerletzter Kaft gebe ich nochmal Gas, erreiche die imaginäre Ziellinie nach 1:14:20 Min. und freue mich nach dem Erklimmen meiner zweieinhalb Etages nur noch auf eines: Erdbeeren, die ich mir mit kühlem Joghurt zu Gemüte führe. Ach könnt's doch immer so sein!

Montag, 4. Mai 2009

Nächtlicher Auslauf

Es hätte ein schöner, ruhiger Start in die Woche werden können. Hätte, denn einer meiner Vorgesetzten kam heute spontan darauf, mich in die Pampa bzw. mit dem Zug nach Hagen in Westfalen zu schicken. Wer des Öfteren Bahn fährt, wird sicherlich nachvollziehen können, wie sehr ich das Leben heute "in vollen Zügen" genossen habe, mit einer guten Stunde Verspätung, die den eingeplanten Puffer vor meinem Termin auf praktisch "0" sinken ließ.

Bei der Rückfahrt habe ich es dann verpennt; statt nochmal auf den Plan zu gucken, ging ich davon aus, dass der Zug im Studentakt führe und ich den eine Stunde vor dem gepanten fahrenden soeben verpasst hatte. Nach einem leckeren Putenbrust-Brötchen mit noch leckererem Milchkaffee musste ich dann feststellen, dass mein Zug vor zwei Minuten abgefahren war, ich ihn also gar nicht eigentlich verpasst, sondern unbewusst vertrödelt hatte. Und dann der IC: Kann mir jemand erklären, weshalb dies Verbindung nur an Freitagen im April über Hannover hinaus bedient wird? Naja, wie sgte Einstein so schön (oder ähnlich): Man muss die Bahn nicht verstehen, man muss sich nur in ihr zurechtfinden ;-)

Um kurz vor 22 Uhr war ich dann also auf dem Hauptbahnhof, wenig später in meiner Wohnung und ein noch infinitesimal kleineres Zeitinterval später "auf der Piste". Eigentlich wollte ich ja richtig langsam (~6er-Schnitt) machen. Heraus kamen 5:20 Minuten pro Kilometer - und (wie seit letzter Woche immer) seltsame beidseitige Knieschmerzen. Allerdings ist das zumindest im Moment kein Grund, das Laufen herunter zu schrauben, und da spielt der Rennsteig eine weitaus geringere Rolle als der hohe Entspannungswert nach einem langen Tag im Büro. Summa summarum habe ich meinen nächtlichen Auslauf also genossen. Vielleicht kriegen sich die Knie ja auch wieder ein!

Sonntag, 8. Februar 2009

(K)ein regelmäßiges Siebzehneck

Nach der langen Trainingseinheit heute Morgen gab es heute Nachmittag schon wieder einen Anlass, den Garmin anzuwerfen - und das in gewisser Weise "doppelt passend". Denn ich war auf einer Stadtführung, deren Route sich nun dank GPS (sofern ich es mit Google Earth zum Laufen bekomme) genau nachvollziehen lässt. Und zweitens folgte diese Führung thematisch den Spuren von Carl-Friedrich Gauß, Vater aller Landvermesser und somit auch weitläufiger Vorfahre der satellitenunterstützten Navigation. Organisiert und durchgeführt wurde die Veranstaltung übrigens vom Internationalen Kreis der Gauß-Freunde, der auf die Initiative meines geschätzten Freundes und Kollegen Younouss Wadjinny zurückgeht.

Los ging's also am Vereinshaus des Freundeskreises in der Jakobstraße ein Ort, der sich erst jetzt anschickt, historisch mit dem Namen Gauß verbunden zu werden. Wir verlassen die Enge Straße, der der Neubau einer schwar verkleideten Fassade von Karstadt baulich wahrlich kein Highlight, sondern bedrückende Enge hinzugefügt hat, in Richtung Altstadtmarkt. Die Martinikirche ist das erste Baudenkmal, das auf unserer heutigen Route mit Carl-Friedrich Gauß in Vebindung steht, denn die von ihr betriebene Schule war eine der Vorläuferinnen von Gauß' späterem Gymnasium Martino-Katharineum.



Eine kurze Traverse über das Kopfsteinpflaster des an diesem trüben Sonntag unbelebten Marktplatzes, und schon sind wir in der Breiten Straße, dem heutigen Standort des noch existierenden Gymnasiums, dessen kleine Sporthalle das Renaissance-Portal der einstigen Lateinschule schmückt. Neben Gauß ist mit einer Tafel unter anderem Konrad Koch verewigt. Er schuf 1875 das erste Fußball-Regelwerk für Deutschland und war Pädagoge an dieser Schule.




Weiter geht es, sinnierend über den in diesen Straßenzügen augenscheinlich verlorenen Glanz Braunschweigs in Richtung Casparistraße und Hagenmarkt. In dem (heute ebenfalls unansehlichen) Block zwischen Casparistraße und Bohlweg befand sich Gauß' Grundschule, in der er als Antwort auf eine von Lehrer Büttner gestellte Fleißaufgabe seine berühmte Summenformel (die Summe von 1-100 entspricht der Addition der ersten und letzten Zahl der Reihe mal der Hälfte der Anzahl der Glieder, also 101*50) entdeckte.



Die Katharinenirche wiederum war die zweite Quelle und Namendgeberin des Martino-Katharineums, war allerdings bereits zu Gauß' Zeiten zu klein, um den Schulbetrieb zu beherbergen.




In der Wilhelmstraße (heutigen Braunschweigern besser als Sitz eines der Finanzämter bekannt) wiederum erinnert eine fast lieblose Tafel an einer wenig einladenden Mietskaserne daran, dass hier eines der größten Genies der Neuzeit geboren wurde. Ich muss gestehen: Auch ich bin daran schon jahrelang vorbeigestiefelt, und noch öfter meide ich diesen Straßenabschnitt wegen seiner schon fast undurchdringlichen Hässlichkeit.




Wir gehen weiter in Richtung der viel befahrenen Wendenstraße, biegen dann weg von der Stadt ab und links ein in eine kopfsteingepflasterte Straße, an der die Häuser weniger unscheinbar sind. Unverhoft tauchen demgegenüber der Gaußberg (an dem ich manchmal Steigungsläufe übe) und die davor stehende, in verwitterter Bronze bläulich-grün strahlende Gauß-Statue auf. Nach Gauß' Tod wurde ihm diese von Braunschweiger Bürgern gewidmet. Das Geld hatte man - bei einem gläibigen Menschen, der Gauß laut Younouss im Gegensatz zu Auflärer Lessing war - schnell zusammen.




Und der Gaußberg? Hieß natürlich zu Lebzeiten des Denkers nicht so, diente dem genialen Jungen jedoch bereits früh als Platz, von dem aus er unweit des Wohnhauses der Familie die Sterne beobachten konnte. Im Übrigen ist er - wie alle Erhebungen in Braunschweigs Innenstadt - ein Überrest der im 17./18. Jahrhundert mit dem Aufkommen weit reichender Feuerwaffen geschliffenen Wallanlagen.



Die nächste Station ist ein Ort des nachdenklichen Innewerdens. In der Nähe des Wehres, an dem das Wasser auch heute in der langsam sinkenden Nachmittagssonne des Winters zischend einige Meter hinabstürzt, wäre der junge Carl-Friedrich einmal beim Spielen beinahe ertrunken. Wie gut für all die Technologien, die näher oder ferner auf seine Gedanken zurückgehen, dass dieses Unglück von dem Jungen abgewendet werden konnte.



Zurück am Denkmal lenkt Younouss die Aufmerksamkeit der Interessierten, aber inzwischen doch Frierenden, auf einen seltsamen Stern rechts zu seinen Füßen. Was scheint wie ein mystisches Symbol könnte diese Annahme ferner nicht stehen, denn es handelt sich hierbei um das regelmäßige 17-Eck, dessen mathematische Konstruktionsmöglichkeit Gauß zusammen mit dem Ausschluss anderer Formen (beispielsweise des 9-Ecks) streng methodisch bewiesen hat.



Noch einmal überqueren wir den Gaußberg, dahinter stets im Blick der Architekten-Tower der heutigen Technischen Universität Braunschweig. Deren Altgebäude ist auch die nächste Station auf unserem mathematisch-historischen Weg, denn links neben dem Portikus fällt der Blick auf das Porträt von Richard Dedekind. Dedekind, der wie Gauß Rufe aus der ganzen damals maßgeblichen Wissenschaftswelt in den Wind schlug, um in seiner Heimatstadt zu wirken, war Gauß' letzter Promovend und später Rektor des "Collegium Carolinum", der 1745 gegründeten Vorläuferorganisation der heutigen Universität.




Über den leeren Hauptcampus scheint der Wind an diesem Nachmittag besonders unerbittlich zu pfeifen, so als wolle er uns sagen, dass eine Universität nicht von ihren Gebäuden lebt, ob alt-ehrwürdig oder eher eine Augenweide mit negativem Vorzeichen aus den 70er-Jahren, besser bekannt als Betonklotz. Dementsprechend ist unser Grüppchen froh, den Riesen-leeren Platz vor dem Universitätsgebäude endlich durchmessen zu haben und in eine Wohstraße mit würdevollen, farbig-einladenden Häusern aus der Gründerzeit zu gelangen. Ihr Name: Gaußstraße, da der Wissenschaftspionier auf einem der Grundstücke den Nullpunkt seines Koordinatensystems festlegte. Er Vermaß im Laufe seines Lebens zunächst Braunschweig und dann - als Folge des Thronsturzes der Napoleanischen Kriege, in denen sein Mäzen Carl-Wilhelm 1806 bei Jena und Austerlitz ums Leben kam, das Königreich Hannover.






Dann kommt eine ganze Weile nichts - und gleichzeitig der für die Augen schönste Teil des Rundgangs im Theaterpark, nach dessen Durchquerung wir vor dem gediegenen Wohnhaus Dedekinds stehen. Die Sonne ist unterdessen weit nach Westen gewandert und scheint schräg hinter dem Fluss, über dem die kahlen Zweige von Bäumen schemenhaft aufragen, hellorange zu versinken.



Dann gehen wir längs des Theaters, überqueren den Steintorwall auf Höhe des "Kleinen Hauses" und wechseln von der Shopping-Mall-Ansicht auf die "Schloss-Seite" des Bohlwegs. Es geht Richtung Süden auf die katholische Hauptkirche Sankt Ägidien zu, in deren Schutz sich wieder aufgebaute Fachwerkhäuser kuscheln. Hier steht auch das Denkmal eines weiteren berühmten Sohnes der Stadt: Gotthold Ephrahim Lessing, doch was unser Gauß-Grüppchen in unmittelbarer Nähe des Dichters interessiert, ist das Grundstück, das Herzog Carl-Wilhelm Gauß für eine Sternwarte versprochen hatte, damit dieser nicht nach Sankt Petersburg ginge. Allein, nach dem Tod des Herrschers wurde daraus nichts - Gauß ging nach Göttingen und erhielt dort die ersehnte Ausstattung.



Mittlerweile sind wir richtig durchgefroren. Es ist wohl so, dass es in Deutschland kälter wird, je weiter man nach Osten kommt, und Braunschweig liegt nicht nur "gefühlt" für manche Menschen dort. Der Straßenzug Bruchtorwall, durch den wir gehen, ist wiederum wenig einladend. Linker Hand sieht man im rückwärtig von der sinkenden Sonne angeleuchteten Schatten des Sparkassen-Hochhauses kaum den Alten Bahnhof (heutiger Sitz des Vorstands des Geldinstituts) und dazwischen den wenig ansehnlichen Dom der Volkswagen-Mehrzweckhalle. Dazwischen allerdings liegt ein Ort, der Historiker und Landvermesser gleichermaßen beschäftigt haben dürfte. Die einen waren sich nicht sicher, wo Gauß seine Angebetete zum ersten Mal getroffen habe, die anderen konnten lange nichts anfangen mit einem Vermessungsprotokoll, in dem ein Punkt unvermittelt mnit "Johanna" markiert war. So dauerte es einige Jahre und bedurfte ungewöhnlicher Kooperation zwischen den Disziplinen, um das Rätsel zu lösen.



Unser Grüppchen hat es jetzt auch geschafft. 10 Stationen auf den Spuren des historischen Gauß, eines Universalgenies und großen Sohnes der Stadt Braunschweig sind wir abgegangen. Die wenigsten davon führen dessen Leben wirklich bildlich vor Augen, in der Mehrheit fordert das Nachvollziehen von Gauß' Spuren viel Phantasie. Eine Eigenschaft, die sie mit der geometrischen Form unserer heutigen Route teilt. Ein regelmäßiges Zehneck ist diese jedenfalls nicht. Obwohl, gibt es das überhaupt?

Freitag, 30. Januar 2009

Auf in die Eifel!

Es ist geschafft, die Arbeit und die Trainingszurückhaltung der Woche sind vollbracht. Morgen kann es endlich richtig losgehen in ein Sportjahr, auf das ich mich freue wie lange auf keins mehr. Ich bin bereit, sowohl mental als auch ganz praktisch. Zum Beweis, meine gepackten Sachen:



Inhalt u.a.:
- bereit gelegte Laufsachen (warm)
- bereit gestellte Laufschuhe und -socken (je 1 Paar für Sa und So)
- Laufrucksack mit Trinkblase (3l), Müsliriegeln, Traubenzucker
- kleine große Notration für zwischendurch
- Übernachtungsutensilien für die Jugendherberge

Morgen früh wird es hart, spätestens um 5 Uhr will ich loskommen, hat map24 mir doch gut 4 Stunden Fahrtzeit ausgespuckt und muss ich neben den Unbilden des Wetters vielleicht auch mit ein paarmal Verfahren rechnen.

Zu guter Letzt noch eine Lehre des heutigen Laufs, die ich morgen gleich umsetzen werde: Der Brustgurt des Pulsmessers schnürt mir die Luft ab und der Anblick meiner (hohen) Pulswerte irritiert mich. Folglich bleibt dieses Zubehör morgen zuhause und ich nehme den Garmin "ohne Anhang" mit!

Dienstag, 7. Oktober 2008

Langes Wochenende in Nürnberg


...und das ganz ohne Sport. Was kann jemand, der sonst scheinbar an nichts anderes denkt, davon schon zu berichten wissen?

DENKEN könnt ihr euch sicher, dass die "Sportfreiheit" nicht ganz selbst gewählt war. Vielmehr war sie der Vernunft geschuldet, denn so ganz erholt von meinem Infekt hatte ich mich bis dahin nicht, und hinzu kamen noch lange Nächte, die die Schlafphasen auf eine um so kürzere Dauer von 3-4 Stunden schrumpfen ließen.

ZWECK meines Aufenthalts war die Teilnahme an einer Art "Jugendfreizeit für Große". Im Rahmen eines Symposiums wurde über alles, aber auch wirklich alles rund um das Thema "Zeit" gesprochen. Persönliches Zeitmanagement kam ebenso zur Sprache wie - man höre und staune - die Entwicklung der Marathonzeiten über die Lebensspanne. Dies allerdings nur als Illustration für die "Vielgestaltigkeit des Alterns", das also in dieser Eigenschaft Leistungen quasi über das gesamte Spektrum des menschlich Möglichen (vielleicht abgesehen vom Weltrekord) hervorbringt. Nicht verraten wollte der Referent uns allerdings "das wahre Gesicht des Alterns" - vorgeblich aus Rücksichtnahme vor unserer Jugend und der "Fratzen", denen wir dabei begegnen würde. Verschweigen, ok, aber es auf diese Neugier weckende Art zu tun, fand ich gemein ;-(

UNTERGEBRACHT waren wir übrigens in der Jugendherberge, die sich unmittelbar in der berühmten Burg (in deren Zeichen "Sicherheit" angepriesen wird) befindet. Falls ihr mal günstig in Nürnberg übernachten müsst, die JH ist von der Qualität und Sauberkeit her unbedingt zu empfehlen. Ob sie preislich konkurrenzfähig ist mit den gerade im Süddeutschen verbreiteten Klein-Pensionen, hatte ich leider keine Zeit festzustellen.

Die Jugendherberge - untergebracht in der Burg:


ALS STADT ist Nürnberg auch unbedingt sehenswert. Zwar werden die Straßenzüge des Öfteren gebrochen von un-gelungenen Rekonstruktionen der bloßen Rumpfform aus den 1960ern. Doch tut dies für den geübten Blick der Schönheit des Gesamt-Ensembles keinen Abbruch, wo sich mittelalterliches Fachwerk an die Pracht von Renaissancegiebeln schmiegt und der Duft von Würstchen und Zwiebelkuchen aus inzwischen weit ins Kopfsteinpflaster eingesackten Hauseingängen wabert. Dazwischen stolze Kirchen und die augenscheinliche Fülle eines unter freiem Himmel statt findenden Dauermarktes, dessen Stände mit Heimisch-Deftigem und Orientalisch-Exotischem etwas erahnen lassen von der Abwechslung, die es (zumindest für Betuchte) ganz ohne künstliche Aromen und industrielle Fertigung bereits im Mittelalter gab.















FEDERWEIßEN habe ich natürlich auch gekostet in einem ausgesprochen gemütlichen Café, doch war dies dieses Mal nicht der Grund, weshalb ich nicht zum Laufen kam. Jedenfalls war das Wochenende die Reise wert - und ich gelobe Wiederkunft und das Mitbringen von etwas mehr Zeit für die ortseigenen Schönheiten!