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Samstag, 26. September 2009

Erste und kein bisschen weise!


Wie geplant und angekündigt, bin ich heute in Hildesheim den Minerva-Lauf der Universität gelaufen. Mit dem Ergebnis von 20:45 Minuten war ich nicht ganz zufrieden, durfte mich aber dennoch erste Frau und Gesamt-Vierte nennen. Dabei hatte ich ab KM 3 Seitenstiche, die so stark waren, dass ich schon dachte, mein letztes Sekündchen hätte geschlagen.

Rechnet man allerdings die Malaisen in der Vorbereitung mit ein, so stimmt mich die Teilnahme an dieser neuen Laufveranstaltung, die in den kommenden Jahren mehr Zulauf verdient, doch insgesamt froh. Die Atmosphäre war sehr nett, es gab einen Spielmobil-Parcours für Kinder, auf dem ich mich nach dem Rennen natürlich nach Herzenslust vergnügte, und auch einen Kuchen mit Kaffee für den "guten Zweck" (Stipendienprogramm der Uni) verzehrte ich noch.

Wenn ich behaupte, dass die Teilnahme nicht eben weise war, dann, weil ich mich seit Anfang der Woche (da absolvierte ich auf dem Laufband in Thessaloniki ein hartes Intervalltraining) mit einem Kratzen im Hals und ein klein wenig gestörtem Wohlbefinden 'rumschlage. Wobei ich diese Symptome mal auf den "Work hard, party-Hard"-Lebensstil auf der besuchten Konferenz zurückführe ;-)

Gelohnt zu haben scheinen sich jedenfalls die Tempotrainings (z.B. 6x800 in 4:16 Min.), denn zumindest auf den ersten Kilometern konnte ich im Schnitt deutlich unter 4 Minuten bleiben, ohne ein starkes Anstrengungsgefühl zu spüren. (Ja, ich weiß, die anschließenden Seitenstiche sprechen eine andere Sprache...)

So, jetzt geht es erstmal auf ein entspanntes Wochenende in den Harz. Es gäbe noch einiges zu sagen, aber...

Montag, 18. Mai 2009

Fragt bitte nicht nach dem R...

Am Samstag hat bereits de Rennsteiglauf stattgefunden, und wie ihr euch denken könnt, ist es nicht gerade ein überwältigend gutes Zeichen, dass ich dazu bis heute kein Byte von mir gegeben habe. Allerdings war meine indiskutable Leistung (8:44 Std.) nur einer der Gründe; daneben stecke ich auch beruflich bis über beide Ohren im Viel-zu-tun-Sumpf, und bin dabei, auch sonst noch einige Teilaspekte meiner bescheidenen Existenz im Kopf zu sortieren.

Aber kommen wir zum Hauptteil. Also: meine Leistung war, wie bereits vermutet und oben gschrieben, indiskutabel. Viel schlimmer aber war, dass es sich um eine Ultra-Lauf-Leistung handelt, die unter dem gewohnten Niveau erbracht werden musste. Und das bedeutet: Unlust, Bedenken, es überhaupt zu schaffen, ein nie dagewesenes Überwältigtsein durch die verbleibende Strecke und, und, und. Wenn ein Boxer verliert, bekommt er ein, zwei herbe Schläge und dann ist es vorbei. Bei diesem Lauf kam es mir dagegen so vor, als müsse ich ewig für meine Trainingsfaulheit büßen - und das bereits ab Kilometer 15.

Das war der Punkt, an dem ich allerspätestens ernsthaft daran dachte, den Rest der Strecke mehr zu gehen als zu laufen. Dem vorangegangen war ein Spuck-Attacke eines unvorsichtigen Läufersn mitten auf meinen Hals. Und statt sich bei mir zu entschuldigen, fängt dieser jemand (angeblich ein 29-maliger Teilnehmer) an herumzupöbeln nach dem Motto: "kannst ja zuhause bleiben" und auch noch "Anfänger wie du schaffen's eh nicht" (weil ich ihn immer am Berg überholte und er mich dann auf den Flachetappen wieder einfing. Unter normalen Umständen hätte mich das wahrscheinlich richtig angestachelt (was kann ich dafür, wenn er 29 Male braucht, um mein Niveau zu erreichen), aber so wie der Tag in meinem Kopf startete, hatte ich spätestens ab da keinen Bock mehr. Ist das eigentlich ein deutsches Phänomen, jungen Menschen ihre fehlende "Orthodoxie" vorzuwerfen? Ist das die Anwendung des Prinzips Neidgesellschaft auf den Laufsport?

Naja, jedenfalls habe ich mich durchgekämpft, mich von der Heidelbeersuppe bei >30 Kilometern und den besser werdenden Verpflegungsstationen bei 45 und 55 Kilometern anstacheln lassen, zumindest gehend durchzuhalten.

Am Ende war ich dann doch stolz, auf der Zielmatte (vom Champion-Chip-System) zu stehen, duschte in Ruhe und ließ mich von den Läuferinnen mit andersfarbigen Medaillenbändern (grün war Ultra, rot-weiß Marathon und HM) feiern wie eine Siegerin. Und irgendwie bin ich das ja auch. Ich glaube, mein innerer Schweinehund und mein Kampfgeist sind nun endlich wieder an ihrem Platz. Und meine Muskeln auch schon fast ;-)

Freitag, 27. Februar 2009

Kurz auftauchen

Seit über einer Woche habe ich nichts von mir hören lassen. Anders, als manche von euch vielleicht vermutet haben, war und bin ich aber leider nicht im Urlaub. Stattdessen ertrinke ich quasi in Arbeit und kommen mir zunehmend grundlegende Zweifel daran, ob ich überhaupt noch laufen soll.

Meine Streckenlängen in den letzten Tagen sind aufschlussreich:
Donnerstag, 19.2.09: 7,2 Kilometer
Samstag, 21.2.09: 8,5 Kilometer
Sonntag, 22.2.09: 75 Kilometer (LüHa FunRun)
Freitag, 27.2.09: 7,2 Kilometer.

Dabei ist es nicht so sehr die Summe, sondern die Schwankungen, die auffallen. Und die einzig und allein der Tatsache eines frühen Meldeschlusses geschuldet sind, so dass ich aus der Sache mit den 75 Kilometern nicht mehr so richtig herauskam.

Nach einer kurzen Nacht (ich war wegen falscher Informiertheit bereits um 4 und nicht erst um 6 am Hamburger Hauptbahnhof) waren die Kilometer jenseits des Marathons denn auch eine Qual, mit Atemproblemen, Überlkeit, Schwarzsein vor Augen und was ihr euch dergleichen mehr von einem überdrehten, kaputten Kreislauf vorstellen könnt.

Nicht nur deshalb habe ich inzwischen überhaupt keine Lust mehr zu laufen. Kostet Geld, kostet Zeit, kostet Mühe, so mein Fazit.

Ich glaube, liebe Lauffreundinnen und -freunde, ich bin dann mal weg! Mit einem lachenden und einem weinenden Auge...

Sonntag, 31. August 2008

Es gibt so Tage...

Heute bin ich den angekündigten Halbmarathon gelaufen. Die gute Nachricht: Ich wurde erste Frau und konnte einen schönen, großen Pokal mit nach Hause nehmen. Die schlechte: Meine selbst gemachte Zeitvorgabe von 1:30 Std. habe ich deutlich verfehlt. Es gibt auch keine Entschuldigung dafür (bin ja kein Fußballer), ja, es war ganz schön warm und es gab ziemlich viele windanfällige Teilstücke, aber welcher Lauf ist schon perfekt?

Dass es heute schwierig werden würde, merkte ich bereits vor dem Start, meine Muskeln waren irgendwie hart und der ganze Organismus so gar nicht in der Stimmung zum Gasgeben. Weil das aber Teil meines Programms ist, mal ein paar Dinge zum besseren zu verändern, motivierte ich mich trotzdem und sah zu, die ersten Kilometer in den vorgesehen 4:13 Minuten abzureißen. Darf ich schreiben, dass ich mich darüber geärgert habe, wie uneindeutig ausgerechnet der erste KM ausgeschildert war (wir Halbmarathonis waren ca. 800 m vor dem Starpunkt der 10K-Strecke losgelaufen). Nch Minuten quälender Unsicherheit passierten wir also den zweiten Kilometer, und wie erwartet: Ich war viel zu schnell unterwegs.

Schlimmer allerdings: Ich war nicht in der Lage, mein Tempo ein wenig zu drosseln. Vielmehr kalibrierte ich meine (einfach Stopp-)Uhr bei jedem Kilometer neu, versuchte mich an den 4:13 und irgenwann ab KM 8 an 4:30, um mal ein wenig Luft zu kriegen, doch da war der Zenith meines Leistungswillens offenbar bereits unterschritten. Nach KM 13 nahm mich dann ein älterer Herr in Schlepptau, dessen jüngerer Begleiter soeben auch quasi "schlapp gemacht" hatte, doch auch an ihm konnte ich nicht im 4:30er-Schnitt dranbleiben, um eventuell die Aussichten auf die angepeilte Zielzeit zu wahren.

Nun rätsele ich ein bisschen, wie groß der körperliche und mentale Anteil dieses Einbruchs waren. Klar, wenn ich die 4:30 absolute locker laufen könnte, würde die Psyche absolut keine Rolle spielen. Aber ich meine auch, an Stellen im Wettkampf wie diesen eine Übelkeit in mir aufsteigen zu spüren und einen regelrechten Widerwillen, noch weiter zu pushen. So ging es mir auch in Leipzig, als im mich nach 93 Kilometern überholen lassen musste. Und dann beginnen auf einmal auch andere, kleinere Blessuren mich zu stören, wie beispielsweise meine ewige Druckstelle unterm rechten Ballem.

Naja, ein weniger guter Wettbewerb ist kein Beinbruch. Im Moment freue ich mich über die Nudeln vor mir auf dem Teller - und gleich auf Schlaf nachholen nach einer unruhigen Nacht. Ein Konflikt, der schon lange schwelt, brach gestern wieder auf :-(((

Sonntag, 17. August 2008

Schön, wenn der Schmerz nachlässt

Es gibt viele mehr oder weniger geistreiche Witze, in denen die Begründung für ein scheinbar sinnloses oder sogar unangenehmes Tun lautet: "Es ist so schön, wenn der Schmerz nachlässt." Gestern konnte ich eine weitere Erfahrung dieser Art meinem Packerl hinzufügen. Als ich nach dem Zieleinlauf des 100ers mehr oder weniger schnurstracks auf der Massagebank gelandet war, merkte ich, wie erschöpft ich wirklich war. Zwar blieben die üblichen Krämpfe aus, und man hätte mich wohl mit beliebiger Brutalität durchkneten können, ohne dass es einen merklichen Unterschied zum Gefühl in meinen Beinen dargestellt hätte.

Schwerer als die körperlichen Schmerzen wogen dagegen der Eindruck, jeden Moment in Tränen auszubrechen und der Wille, dies zu vermeiden. Jedenfalls bin ich noch nie in meinem Leben gleichzeitig so glücklich und so erleichtert gewesen. Da das Massagezelt direkt neben dem Zieleinlauf bzw. Rundendurchlauf im Stadion stand, sah ich mit einem Auge, wie draußen weitere Läufer ins Ziel kamen. Vor allem aber hörte ich den Rennkommentator, wenn er ansagte, dass einige der Durchlaufenden noch eine, zwei oder gar 3 der 10-Kilometer-Runden zu bewältigen hätten. Allein der Gedanke an die noch folgenden Qualen ließ mich beinahe ohnmächtig werden.

Was gefühlsmäßig danach kam, ist schwer zu beschreiben. Wohl weil ich mich über die Maßen verausgabt und vielleicht auch irgend eine Verpfelgung nicht richtig vertragen hatte, rebellierte mein Magen von dem Moment an, wo ich ihm die Chance gab, aus der übermächtigen Gefühlsduselei auszubrechen. Das war ca. 1 Stunde nach Zieleinlauf. Dass mir das lang ersehnte Weizenbier ("mit Alkohol", wie ich es mit übermütigem Nachdruck bestellte) danach keine rechte Freude machte, erklärt sich wahrscheinlich von selbst. Nach einem nicht regenerationsgerechten Abendbrot (Bauernfrühstück mit Salatgurke) folgte schließlich eine unruhige Nacht - brennende Oberschenkel, Schmerzen beim Umdrehen im Schlafsack und ein unruhiger Bauch sollen hier als Beschreibung genügen.

Kurzum: Ich bin noch nicht an dem schönen Punkt angekommen, an dem der Schmerz nachlässt. Und freue mich so sehr, jetzt Zeit für andere Beschäftigungen zu haben, dass der nächste Lauf gern noch etwas warten kann...