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Mittwoch, 19. August 2009

Spaß ist irgendwie was anderes


Zur Zeit habe ich das Glück, mir einen Teil meiner Arbeitsstunden völlig frei einteilen zu können. Damit einher geht das (im Moment zweifelhafte) Glück, zu den möglichsten und unmöglichsten Zeiten zu laufen.
So kam es, dass ich mir gestern Abend nach 21 Uhr einen 14-Kilometer- und heute Vormittag einen Halbmarathon-Lauf gönnte. Erste Erkenntnis war: ich hätte gestern Abend gar nicht erst aufbrechen sollen, irgenwie war mir schon vorher schwindelig, und überhaupt habe ich genügend andere Interessen, um nicht eine stockfinstere Neumomnd-Nacht an einem von Anglern besetzten See zu verbringen. Zweiter Erkenntnis: statt um geplante 6 kam ich mal wieder erst um 7.30 Uhr aus dem Bett, verspürte dann einen größeren Drang an meinen Schreibtisch als zum Laufen und konnte mich erst nach einen Wachwerd-Kaffee um 9 zum Aufbruch durchringen. Wohl weislich nahm ich meinen Trinkgurt und ein Karré Traubenzucker mit. Was ich damit aber eigentlich sagen will ist: beide Läufe waren kein Spaß, der scheint irgendwie nicht wieder zu kommen und irgendwie tun mir auch seit Tagen aus unerfindlichen(?) Gründen die Knie weh.

Einziger Lichtblick: Ich habe eine Ladung Motivation auf Papier von Amazon erhalten - hoffe, dass es hilft und werde ggf. Empfehlungen aussprechen!

Mittwoch, 3. Juni 2009

In der Stadt

Gestern war ich bereits sehr früh auf der Arbeit. Entsprechend früh konnte ich bei dem schönen (und fast schon zu heißen) Wetter gehen, um etwas zu tun, dass mir ... leider weniger beliebt. In weniger als 2 Wochen fahre ich ja schon in den Urlaub (Kurztrip nach Kroatien), und zu diesem Zweck brauchte ich noch: eine Sonnenbrille, einen neuen Trolley, eine kurze Hose.

Ein Wunder, dass ich mich nach einem Zwischenstopp zu Hause tatsächlich zum Gang "Downtown" aufgerafft habe. Sehr luftig angezogen spielte im Hinterkopf währenddessen "Summer in the City" von Bruce Springsteen. Dabei hat Braunschweig reichlich Grün, und der Park, durch den mein Weg zur Stadt führt, lud eigentlich eher zum Verweilen ein, als dass er wie überhitzter Beton lebensfeindlich wirkte. Die Geschäfte sind ja heutzutage ohnhehin größtenteils klimatisiert.

Fangen wir mit dem Schwierigsten an. Ich finde ja, dass ich mit neuen Brillen immer schrecklich aussehe - und mit Sonnenbrillen im Allgemeinen sowieso. Also rein in den ersten Optikerladen (eine Fielmann-Filiale), nix gefunden, wieder raus. Nächstes Geschäft, ein inhabergeführtes, nette Bedienung, nicht zu hoher Preis (eine Brille mit den eigenen Glasstärken kommt ja immer teurer als eine von der Stange) aber irgendwie alles nicht mein Stil. Bei Apollo (von wo ich meine Alltagsbrille habe) viel Gerummel, Bedienung hat keine Zeit und das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt nicht. Dann noch Window-Shopping bei einer etwas höherklassigen norddeutschen Kette; schließlich in die zweite Fielmann-Filiale. Und was soll ich sagen: die Brillen gefallen mir auf einmal nicht nur in großer Zahl, sie sitzen auch ganz gut (will sie ja auch mal beim Joggen am Strand tragen können).

Schließlich habe ich 5 Modelle zur Auswahl. Da hilft jetzt nichts, außer sich an eine der frei herumlaufenden Optikerinnen heranzuschmeißen. "Beratung" ist angesagt. Schließlich bleibt von 2 Brillen, die mir gefielen und auch gut saßen, diejenige mit den etwas größeren Gläsern über (erwähnte ich, dass ich mit großen Brillen auch blöd auszusehen meine). Und wo wir uns schon ein vernünftiges Gestell "gegönnt" haben, gleich auch noch anständig entspiegelte Gläser. Am Ende kostet mich der ganze Spaß ca. 100 Euro, und ich kann ihn in einer Woche abholen. Eine weitere unangenehme Einkaufsaufgabe ist bewältigt.

Zur Belohnung gehe ich noch zum Buchladen. Dort wird mal wieder "varramscht", was zumindest teilweise diesen Schandnamen nicht verdient. So bin ich jetzt stolte Besitzerin von "Berlin - Moskau. Eine Reise zu Fuß", von "Aus heiterem Himmel" von Abtprimus Notker Wolf und von "Statusangst". Letzteres ist von Alain de Botton, von dessen literarisch-sozialphilosophischem Talent ich mir schon immer ein Bild machen wollte. Nun wisst ihr auch, wohinein ich neben dem Laufen den Rest meines Geldes und vor allem meiner Zeit investiere - Lesen, Reisen und Bücher darüber.

Froh, an einem kühlen Tag in einem kühlen Büro zu sein!

Mittwoch, 7. Januar 2009

Weihnachten ist vorbei

Die Weihnachtszeit ist zu Ende. Seit gestern ist sie es laut der Tradition, die mit dem Dreikönigstag diesen besonderen Zyklus im Kirchenjahr abschließt, und für mich wird sie es mit dem heutigen Tag sein, denn ab morgen muss ich wieder arbeiten. Zeit, ein wenig Bilanz zu ziehen im Rückblick auf diese (so viel sei schon verraten) herrlichen Tage.

Feierlichkeiten:

  • Harmonische Stunden mit meinen engsten Angehörigen verbracht

  • Gut gegessen aber nicht "zu" gut. Sprich: keine Magenverstimmungen, Hose geht noch zu.

  • Den meisten Freunden und Bekannten Grüße zukommen lassen, allerdings deutlich weniger Postkarten als sonst, sondern mehr E-Mail und sms. (kleines Bedauern)


Freizeit

  • 2 Bücher fertig gelesen, eins begonnen, in einem Sammelband weiter durchgekommen

  • 2 Filme im Kino gesehen: "Buddenbroks", "Willkommen bei den Sch'ti"

  • Einen Film zu Hause gesehen: "Grundeinkommen"

  • Einmal brunchen gewesen

  • Eine angenehme Silversterfeier gehabt und dazu sogar noch Dessert (Muffins) beigetragen


Privat

  • Wirkliche Ruhe gefunden

  • Ordnung in mein Alltagschaos gebracht



Sportlich

  • Nach dem Vorweihnachts-Arbeitsstress wieder ins Training zurück gefunden

  • Kontinuierlich über die Weihnachtstage trainiert

  • Täglich zweimaliges Training begonnen

  • Den Jahreswechsel mit einem "Doppeldecker" von 2x30 Kilometern begonnen

  • In den ersten Tagen des Jahres (bis Sonntag, 4. Januar) 115 Trainingskilometer absolviert

  • Trainings-Bestleistungen über 30 und 15 Kilometer aufgestellt


Mh, find' ich so auf den ersten Blick gar nicht schlecht. Bei Gelegenheit schreibe ich dann mal auf, was künftig noch besser werden muss!

Freitag, 31. Oktober 2008

Die Mär vom "Never give up"

Ich habe ja gestern gebloggt, dass ich mir ein paar Bücher bestellt habe. Eines davon ist "The Dip" von Seth Godin. Laut Eigenwerbung sollte einem das Opusculum (nur 80 Seiten und dafür vom Autor zurecht gelobt) einem zeigen, wie man Nutzen bringende von ausschließlich Kraft kostenden (und nicht nutzbringenden) unterscheiden kann. Oberflächlich tut es das auch, aber unterm Strich ist es doch die immer selbe Leier: Durchhalten lohne sich vor allem dort, wo es schwierig sei.

Die Begründung ist auf den ersten Blick so stichhaltig, wie sie auf den zweiten als rhetorischer Trick durchsichtig ist: Um in etwas wirklich gut zu sein, braucht es relativ viel Zeit und Energie. Wer in diesem Loch ("Dip") weiter durchhält, befindet sich auf dem Weg zu einem lohnenden Ziel. So weit, so gut. Doch sollen wir andererseits auch erkennen, welche unserer Aktivitäten eben nicht lohnend sind, um diese zwecks Kraftsparens rechtzeitig aufzugeben. Allein, der Faktor, ohne den die Rechnung hier regelmäßig gemacht wird, ist das Leben. Und dabei meine ich nicht das, was in solchen Ratgebern häufig "die Umstände" genannt und denjenigen hämisch als Hindernis a posteriori präsentiert wird, die ohnehin Verlierer seien. Ich meine den ganz alltäglichen Gang der Dinge, in dem einem viele Sachen leicht von der Hand gehen, einen andere zum Schwitzen bringen, wieder andere total langweilen und weitere vielleicht 5% zur totalen Verzweiflung treiben. Doch wie soll ich diese Masse an Eindrücken, diesen riesigen Fundus an Erlebnissen und Befindlichkeiten den scheinbar sauberen Kategorien zuordnen, so dass ich zu der laut Ratgeber "richtigen" Entscheidung gelange?

Die Antwort lautet: gar nicht, und wir auch nicht zu geben versucht. Der Trick ist stattdessen, dass einem allgemein gehaltene Ratgeber entweder ein generalisiertes schlechtes Gewissen machen. Das Motto heißt dann: Alle Fälle, in denen wir jemals etwas aufgegeben haben, sind Beweise unserer Faulheit. Hätten wir damals nur weiter gemacht, wären wir heute Millionär, Weltmeister, CEO, Werbe-Guru oder was immer wir uns wünschen. Oder die Bücher peitschen unsere Motivation ohne Rücksicht auf Verluste an, indem sie unseren zukünftigen Erfolg allein von unserem derzeitigen Willen und der daraus folgenden Tatkraft ableiten. Alternatives Motto: Wer etwas richtig anpackt, gewinnt auch, sehen Sie nur das Beispiel von Bill Gates, Tiger Woods, Oliver Kahn oder...

Allerdings hat die Sache einen kleinen Schönheitsfehler: Sie zeigt uns Beispiele von Erfolgen und verschweigt die für die seelische Gesundheit und die Integrität des Menschen sicherlich unverzichtbare Eigenschaft, uns im Rückblick einen "Lebensweg" zu konstruieren: So war's, und es war genau so richtig! Was aber wäre gewesen, wenn Bill Gates aus irgendwelchen Gründen Englische Literatur studiert hätte (vielleicht wegen der hübschen Lehrerin in der High School)? Oder wenn Oliver Kahn als Jungspund an einen Manager geraten wäre, der ihm neben seinem Vermögen auch gleich noch das Selbstvertrauen abgenommen hätte durch ein paar unvernünftige Deals? Kennt ihr den Film "Das Streben nach Glück"? Diese traurige Bassbegleitung, was denn aus den Hunderttausenden in den USA wird, die leider nicht (wobei Glück eine wichtige Komponente ist) zur richtigen Zeit an den richtigen Ort gelangen?

Und noch etwas gefällt mir überhaupt nich an dieser Art von Büchern (und ich werde das bei künftigen Käufen berücksichtigen): Sie ignorieren die Einzigartigkeit jedes Menschen und sind durch ein vorgeblich allgemeines Streben aller nach ganz oben nicht nachhaltig gedacht. Denn machen wir uns nichts vor: Nicht jeder will - ganz tief im Herzen - ein Häuptling sein. Vielleicht sind die Häuptlinge von gestern sogar die, die durch ihre Selbstüberschätzung die Misere von heute verursacht haben. Viel schlimmer aber: Im Prinzip kann jede/r Leser/in eines solchen Buches sich zu der Gruppe zählen, die ihm gerade passend ('convenient' - wie in convenience food ;-)) erscheint. Und also sagen, er oder sie wäre "zurecht oben" oder eben "zu Unrecht unten" oder "noch auf dem Weg". Nicht nur die Textanalyse fördert demnach auffällige Parallelen zm Horoskop zutage. "Nicht aufgeben" sollten wir demgegenüber nur in einer Disziplin: Diejenigen zu werden, die wir wirklich sind!

Samstag, 18. Oktober 2008

Leben ohne "um zu"

Heute war ich mal wieder in meinem Lieblings-Buchladen. Er ist eine dieser glücklichen Ausnahmen, die zur Boomzeit der Lese-Ketten bereits groß genug waren, um auf eigenen Füßen weiter zu bestehen, und der mit nüchterner Modernität statt verstaubter Regale nebst engagierten Buchhändlerinnen und Buchhändlern in allen seinen zahlreichen Abteilungen verheißt, dass Literatur nicht von gestern ist.

Lesen ist mein zweites Hobby nach Reisen, wobei das für mich keinen großen Unterschied macht. Eine gute Geschichte ist ein Abenteuer zwischen zwei Buchdeckeln, und in meinem Leben beflügeln sich beide gegenseitig: weite Reisen die Lust, mich über einer Tasse Kaffee in meinen Lesesessel zu schmiegen und Erzählungen von der großen weiten Welt die Lust auf eben diese.

Was mich aber fast noch mehr beflügelt als der Akt des Lesens selbst, ist die Findung des Themas, leicht vorstellbar verkörpert und komprimiert in dem mehrstöckigen Buchladen, durch den ich mit Beinen und Blick wandle. Was fesselt mich? Wozu müsste ich mich zwingen? Was springt ins Auge und worauf der Geist an? Dabei liegen sofortiges Feuerfangen und Desinteresse eng beieinander. Dort, im Tempel der Gedankenwelten leiten sie mich zu einer Übung an, die im wirklichen Leben zu den vielleicht wichtigsten übrhaupt zählt: Lies (bzw. tue) das was dir gefällt. Lies genau dies. Gehe nicht über Umwege und tu' es vor allem nicht "um zu": um über die Entwicklung in Afghanistan informiert zu sein, um zu kennen, was andere auch lesen oder im Leben: um dies oder jenes zu erreichen.

Es gibt kaum ein größeres Glück, als sich in ein Buch zu vertiefen und die Zeit damit so sehr zu genießen, dass man sie einfach vergisst. Und kaum ein schlimmeres Unglück, als seine Zeit zwanghaft mit Dingen gefüllt zu haben, die zu irgendetwas führen sollen. Ich probier's jeden Tag ein bisschen mehr: Leben ohne "um zu".

Montag, 29. September 2008

Lest ihr eigentlich...

...Laufzeitschriften?

Heute hatte ich beim Mittagessen mal die Muße, in einer auf der Marathon-Messe mitgenommene Ausgabe der Runner's World hineinzuschnuppern. Mehr als das tue ich eigentlich nie, das dafür aber regelmäßig auf Bahnhöfen, wenn's beim Stadtbummel eben mal der Zufall will oder das Ding bei irgendwem rumliegt.

Gekauft aber habe ich mir in meinem Leben vielleicht 2-3 Ausgaben vermutlich verschiedener Laufzeitschriften. Der Grund: Dort wird viel alter Wein in neuen Schläuchen verkauft. Rezept: Man nehme eine Überschrift mit Appellcharakter, mische sie mit einer rhetorischen Frage und einer Expertenmeinung aus einer neuen (aber völlig unbedeutenden oder an den Haaren herbeigezogenen) Studie und fertig ist der Lauf-Artikel.

Beispiel Ernährung: "Essen Sie genug Eiweiß?" wird da gefragt. Die sich-erwischt-fühlende Antwort ist natürlich erstmal "bin mir nicht sicher", und da man im nächsten Schritt aufgrund "neuester Erkenntnisse" seines Neins immer sicherer wird, landet das Magazin mit dem angelesenen Beitrag im Einkaufswagen. Ein ganzer Artikel wird aus der Story jedoch erst durch reichlich viele Tricks: ein paar ältere (und noch mehr an den Haaren herbeigezogene) Studien hier, ein reich bebilderter Ernährungplan für den wirklich richtig ultimativen Kick dort. Macht also zweieinhalb Seiten für eine Kerninformation von vielleicht einer halben...

Und dann werd' ich ja das Gefühl nicht los, dass sich die Magazine ihre Leserbriefe selbst schreiben. Oder wieso gibt es in den Ratgeber-Rubriken alle 3-4 Monate dieselben Fragen nach "Laufen und Gewichtsabnahme", "Laufen und Achillessehne" oder "Laufen während der Tage"?

Schließlich die Trainingspläne: Ab 3:30 abwärts gab's bis vor Kurzem gar nichts (jetzt bei RW im Internet bis 2:59). Spricht auch nicht grad dafür, dass die Leserschaft wirklich solch jung-dynamische (und fitte) Jungspunde sind, wie sie sich meist auf dem Titel finden.

Die Krönung sind aber Rezepte und Ernährungsempfehlungen, die niemals in einen normalen Arbeitstag, geschweige denn in eine kleine Küche oder ein bescheidenes Bu´dget passen: 2 Blättchen Rucola hier, eine halbe Schale Feldsalat dort, Walnussöl, Knäckbrot mit Quinoa und was dergleichen Exotik mehr ist.

Meine Meinung: Nichts als Geldschneiderei! Laufen ist ein einfacher Sport, und meine Bilanz vor Trainingsbeginn lautete:

- ein halber (gelangweilter) Blick in die Runner's World
- keinerlei "Seminare"
- keine "Tipps" aus speziellen Laufgeschäften
- Baumwollshirts und Trainingshose
- Laufschuhe aus der Zeit, als man mit NikeAir in der Schule cool war
- keine Ahnung von Bestzeiten und Schallgrenzen
- und trotzdem mit Spaß und Erfolg dabei!

Wunder gibt es immer wieder...