...Laufzeitschriften?
Heute hatte ich beim Mittagessen mal die Muße, in einer auf der Marathon-Messe mitgenommene Ausgabe der Runner's World hineinzuschnuppern. Mehr als das tue ich eigentlich nie, das dafür aber regelmäßig auf Bahnhöfen, wenn's beim Stadtbummel eben mal der Zufall will oder das Ding bei irgendwem rumliegt.
Gekauft aber habe ich mir in meinem Leben vielleicht 2-3 Ausgaben vermutlich verschiedener Laufzeitschriften. Der Grund: Dort wird viel alter Wein in neuen Schläuchen verkauft. Rezept: Man nehme eine Überschrift mit Appellcharakter, mische sie mit einer rhetorischen Frage und einer Expertenmeinung aus einer neuen (aber völlig unbedeutenden oder an den Haaren herbeigezogenen) Studie und fertig ist der Lauf-Artikel.
Beispiel Ernährung: "Essen Sie genug Eiweiß?" wird da gefragt. Die sich-erwischt-fühlende Antwort ist natürlich erstmal "bin mir nicht sicher", und da man im nächsten Schritt aufgrund "neuester Erkenntnisse" seines Neins immer sicherer wird, landet das Magazin mit dem angelesenen Beitrag im Einkaufswagen. Ein ganzer Artikel wird aus der Story jedoch erst durch reichlich viele Tricks: ein paar ältere (und noch mehr an den Haaren herbeigezogene) Studien hier, ein reich bebilderter Ernährungplan für den wirklich richtig ultimativen Kick dort. Macht also zweieinhalb Seiten für eine Kerninformation von vielleicht einer halben...
Und dann werd' ich ja das Gefühl nicht los, dass sich die Magazine ihre Leserbriefe selbst schreiben. Oder wieso gibt es in den Ratgeber-Rubriken alle 3-4 Monate dieselben Fragen nach "Laufen und Gewichtsabnahme", "Laufen und Achillessehne" oder "Laufen während der Tage"?
Schließlich die Trainingspläne: Ab 3:30 abwärts gab's bis vor Kurzem gar nichts (jetzt bei RW im Internet bis 2:59). Spricht auch nicht grad dafür, dass die Leserschaft wirklich solch jung-dynamische (und fitte) Jungspunde sind, wie sie sich meist auf dem Titel finden.
Die Krönung sind aber Rezepte und Ernährungsempfehlungen, die niemals in einen normalen Arbeitstag, geschweige denn in eine kleine Küche oder ein bescheidenes Bu´dget passen: 2 Blättchen Rucola hier, eine halbe Schale Feldsalat dort, Walnussöl, Knäckbrot mit Quinoa und was dergleichen Exotik mehr ist.
Meine Meinung: Nichts als Geldschneiderei! Laufen ist ein einfacher Sport, und meine Bilanz vor Trainingsbeginn lautete:
- ein halber (gelangweilter) Blick in die Runner's World
- keinerlei "Seminare"
- keine "Tipps" aus speziellen Laufgeschäften
- Baumwollshirts und Trainingshose
- Laufschuhe aus der Zeit, als man mit NikeAir in der Schule cool war
- keine Ahnung von Bestzeiten und Schallgrenzen
- und trotzdem mit Spaß und Erfolg dabei!
Wunder gibt es immer wieder...
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Montag, 29. September 2008
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