Heute war ich mal wieder in meinem Lieblings-Buchladen. Er ist eine dieser glücklichen Ausnahmen, die zur Boomzeit der Lese-Ketten bereits groß genug waren, um auf eigenen Füßen weiter zu bestehen, und der mit nüchterner Modernität statt verstaubter Regale nebst engagierten Buchhändlerinnen und Buchhändlern in allen seinen zahlreichen Abteilungen verheißt, dass Literatur nicht von gestern ist.
Lesen ist mein zweites Hobby nach Reisen, wobei das für mich keinen großen Unterschied macht. Eine gute Geschichte ist ein Abenteuer zwischen zwei Buchdeckeln, und in meinem Leben beflügeln sich beide gegenseitig: weite Reisen die Lust, mich über einer Tasse Kaffee in meinen Lesesessel zu schmiegen und Erzählungen von der großen weiten Welt die Lust auf eben diese.
Was mich aber fast noch mehr beflügelt als der Akt des Lesens selbst, ist die Findung des Themas, leicht vorstellbar verkörpert und komprimiert in dem mehrstöckigen Buchladen, durch den ich mit Beinen und Blick wandle. Was fesselt mich? Wozu müsste ich mich zwingen? Was springt ins Auge und worauf der Geist an? Dabei liegen sofortiges Feuerfangen und Desinteresse eng beieinander. Dort, im Tempel der Gedankenwelten leiten sie mich zu einer Übung an, die im wirklichen Leben zu den vielleicht wichtigsten übrhaupt zählt: Lies (bzw. tue) das was dir gefällt. Lies genau dies. Gehe nicht über Umwege und tu' es vor allem nicht "um zu": um über die Entwicklung in Afghanistan informiert zu sein, um zu kennen, was andere auch lesen oder im Leben: um dies oder jenes zu erreichen.
Es gibt kaum ein größeres Glück, als sich in ein Buch zu vertiefen und die Zeit damit so sehr zu genießen, dass man sie einfach vergisst. Und kaum ein schlimmeres Unglück, als seine Zeit zwanghaft mit Dingen gefüllt zu haben, die zu irgendetwas führen sollen. Ich probier's jeden Tag ein bisschen mehr: Leben ohne "um zu".
Samstag, 18. Oktober 2008
Freitag, 17. Oktober 2008
Die befreiende Wirkung von...
...To-do-Listen

Ich habe es wahrscheinlich zehnmal angekündigt und noch öfter betont, allein schon deshalb, damit ich mich auch selbst daran halte. Derzeit mache ich eine Laufpause.
Das ist natürlich - trotz Urlaubs - nicht gleichbedeutend mit Nichtstun oder gar Langeweile. Ganz im Gegenteil habe ich einen Haufen von Interessen, noch mehr Ambitionen und natürlich auch einige Verpflichtungen, die auch von der offiziell erlaubten Abwesenheit von meinem bezahlten Arbeitsplatz nicht eingedämmt werden. Und während ich ein Weilchen lang die scheinbar grenzenlose Freiheit genoss, mit Terminen und Vorhaben zu Jonglieren und Verabredungen sowie Versprechungen flexibel durch meine freie Zeit zu schieben, gelangte der Schlendrian neulich an eine natürliche Grenze, bei mir bemerkbar durch schlechten Schlaf.
Nun haben wir alle wahrscheinlich Dutzende von Zeitmanagement-Ratgebern gelesen. Und während wir im Kopf nachvollzogen, wie die "kleinen Tricks" alle wunderbar funktionierten, winkte das lässige Mitglied unseres inneren Teams hinter unserem Rücken bereits wieder ab: Was soll so ein winziger Schritt schon bringen? Nur 60 Prozent der Zeit verplanen? Zettel schreiben vor dem Einkaufen? To-do-Liste? Wer's glaubt wird selig.
Allerdings gehöre ich zu den (aus meiner Sicht) Glücklichen, die einmal über ihren Schatten gesprungen sind. Während des Studiums hatte ich so die Chance zu entdecken, dass To-do-Listen doch mehr sind als ein Blatt Papier. Ja, auf mich wirken sie nicht einmal langweilig, bedrohlich oder gar Spaß verderbend. Ganz im Gegenteil finde ich es ungeheuer beruhigend, das Notwendige niedergeschrieben zu sehen. Denn zusammen mit einer vernünftigen Zeitplanung folgt erst aus der gewissenhaft erledigten Arbeit echte Freizeit - für's Laufen oder andere Genüsse.
Wie überheblich war ich zu glauben, dass sich diese Planungsstütze mit dem Studienabschluss überholt hätte? Ich weiß es nicht, aber jedenfalls kann ich seit gestern wieder seelenruhig schlafen. In diesem Sinne: gute Nacht!

Ich habe es wahrscheinlich zehnmal angekündigt und noch öfter betont, allein schon deshalb, damit ich mich auch selbst daran halte. Derzeit mache ich eine Laufpause.
Das ist natürlich - trotz Urlaubs - nicht gleichbedeutend mit Nichtstun oder gar Langeweile. Ganz im Gegenteil habe ich einen Haufen von Interessen, noch mehr Ambitionen und natürlich auch einige Verpflichtungen, die auch von der offiziell erlaubten Abwesenheit von meinem bezahlten Arbeitsplatz nicht eingedämmt werden. Und während ich ein Weilchen lang die scheinbar grenzenlose Freiheit genoss, mit Terminen und Vorhaben zu Jonglieren und Verabredungen sowie Versprechungen flexibel durch meine freie Zeit zu schieben, gelangte der Schlendrian neulich an eine natürliche Grenze, bei mir bemerkbar durch schlechten Schlaf.
Nun haben wir alle wahrscheinlich Dutzende von Zeitmanagement-Ratgebern gelesen. Und während wir im Kopf nachvollzogen, wie die "kleinen Tricks" alle wunderbar funktionierten, winkte das lässige Mitglied unseres inneren Teams hinter unserem Rücken bereits wieder ab: Was soll so ein winziger Schritt schon bringen? Nur 60 Prozent der Zeit verplanen? Zettel schreiben vor dem Einkaufen? To-do-Liste? Wer's glaubt wird selig.
Allerdings gehöre ich zu den (aus meiner Sicht) Glücklichen, die einmal über ihren Schatten gesprungen sind. Während des Studiums hatte ich so die Chance zu entdecken, dass To-do-Listen doch mehr sind als ein Blatt Papier. Ja, auf mich wirken sie nicht einmal langweilig, bedrohlich oder gar Spaß verderbend. Ganz im Gegenteil finde ich es ungeheuer beruhigend, das Notwendige niedergeschrieben zu sehen. Denn zusammen mit einer vernünftigen Zeitplanung folgt erst aus der gewissenhaft erledigten Arbeit echte Freizeit - für's Laufen oder andere Genüsse.
Wie überheblich war ich zu glauben, dass sich diese Planungsstütze mit dem Studienabschluss überholt hätte? Ich weiß es nicht, aber jedenfalls kann ich seit gestern wieder seelenruhig schlafen. In diesem Sinne: gute Nacht!
Sonntag, 12. Oktober 2008
Die Trägheit der Massen
"Conforme se avanza por la existencia, va uno hartándose de advertir que la mayor parte de los hombres — y de las mujeres — son incapaces de otro esfuerzo que el estrictamente impuesto como reacción a una necesidad externa. Por lo mismo, quedan más aislados y como monumentalizados en nuestra experiencia los poquísimos seres que hemos conocido capaces de un esfuerzo espontáneo y lujoso. Son los hombres selectos, los nobles, los únicos activos, y no sólo reactivos, para quienes vivir es una perpetua tensión, un incesante entrenamiento. Entrenamiento = áskesis. Son los ascetas."*
"Mit zunehmenden Lebensalter wird man nicht umhinkommen zu bemerken, dass der Großteil der Männer - und der Frauen - unfähig zu jeder Anstrengung ist, die ihnen nicht unmittelbar als Reaktion auf eine äußere Notwendigkeit aufgezwungen wird. Gleichzeitig bleiben uns diejenigen wenigen Menschen umso einzigartiger und denkwürdiger im Gedächtnis, die wir als spontaner und luxuriöser [d.h. nicht zwingend notwendiger, d. Übers.] Anstrengung fähig kennen gelernt haben. Sie sind die Auserwählten, die Noblen, die einzig Aktiven und nicht bloß Reaktiven, für die das Leben eine immerwährende Spannung, ein ständiges Training ist. Training = Askese. Es sind die Asketen."
(Eigene Übersetzung, entschieden verbessert durch die Anmerkungen von José. Danke dafür!)
Von Verweichlichung war neulich bei Black Sensei die Rede. Und wäre es wahrscheinlich nicht gewesen, wenn das Tragen zu warmer Kleidung bei Menschen, die aufgrund der Errungenschaften von Heizung und Isolierung und auch des Zwangs, einen Großteil ihrer Zeit sitzend oder stehend ohne Kontakt zur Natur zu verbringen, ein reines "Oberflächenphänomen" wäre.
Dass dem nicht so ist, sondern es vielmehr Ausdruck und Symptom der allgemeinen Weigerung ist, den Dingen in die Augen zu sehen und Verantwortung zumindest für sich selbst zu übernehmen, kann im Kleinen wie im Großen alltäglich beobachtet werden. Das beginnt mit den Kollegen (oder wahlweise Beschäftigten anderer Unternehmen), die sich das Leben nicht selbst durch übetriebenen Ehrgeiz oder Feigheit zur Hölle machen - es ist der Chef, der einfach nicht hellsehen kann und so natürlich immer das für mich Falsche tut. Es setzt sich fort bei den ganz jungen Menschen in der Schule, die nicht einfach mal Vokabeln pauken oder "taktisch die Klappe halten" können, wenn ihr vermeintliches Lebensglück von der rettenden Vier abhängt - stattdessen ist der Lehrer schuld. Desgleichen für die Universitäten, die mit dem Bezahlstudium nun "endlich" zur für die Studierenden anstrengungsfreien Traumnotenvergabeeinrichtung geworden sind - nur weshalb bekommt man keinen Job für das Super-Zeugnis?
Doch kommen wir wieder näher zu einem uns allen bekannten Feld, dem Sport. Regelmäßig betrieben, führt er gemäß langjähriger Erfahrung von Praktizierenden (und jetzt sogar in Studien bewiesen) zu einer Verbesserung des körperlichen und seelischen Befindens. Allein: dieser Weg führt über ein Minimum an Anstrengung und Selbstdisziplin, und dieses Ungemach, etwas selbst in die Hand zu nehmen, bevor es zu spät ist, wollen sich Viele lieber ersparen. Wie auch nicht zwischen zu langen (teilweise selbst auferlegten) Arbeitsstunden und vielleicht einer Familie, in der man den zunächst bequemeren Weg der Nicht-Erziehung und Abwesenheit jeglicher Disziplin(ieruung) gegangen ist? Hinzu kommt, dass ein fernes großes Übel (die Folgen langanhaltender Inaktivität) leichter zu ertragen - weil bequemer - ist als ein nahes kleines - die besagte Anstrengung.
Damit ist keineswegs der Sportler als "besserer Mensch" auserkoren. Vielmehr entpuppt sich die körperliche Inaktivität als Zeichen geistiger Trägheit und allgemeiner Unproduktivität, so auch in dem bereits 1937 erstmals erschienen Werk von Ortega y Gasset. In westlich-sozialmechanistischer Manier geht er gründlich den Prinzipien nach, denen entsprechend die Menschen zu übetriebener Selbstzufriedenheit und damit zu allgemeiner Destruktivität gelangen - und beschreibt dabei in gewisser Weise das Negativ östlicher Weisheitslehren. "Lösung statt Lamento" kann in diesem Zusammenhang nur bedeuten, sich auf den Weg zu machen und andere, soweit sie eine minimale Bereitschaft dazu zeigen, auf diesen Weg mitzunehmen. Nicht Unfähigkeit, nicht Hass, sondern Trägheit und Selbstzufriedenheit sind die Grundübel, aufgrund derer der Mensch sich selbst zum Wolf wird. Zu üben, einen Fuß vor den anderen zu setzen, wird zum individuell befreienden Akt, wobei die Schritte gern symbolisch und im übertragenden Sinne verstanden werden dürfen.
*Ortega y Gasset, José: La rebelión de las masas. Madrid, 2006.
"Mit zunehmenden Lebensalter wird man nicht umhinkommen zu bemerken, dass der Großteil der Männer - und der Frauen - unfähig zu jeder Anstrengung ist, die ihnen nicht unmittelbar als Reaktion auf eine äußere Notwendigkeit aufgezwungen wird. Gleichzeitig bleiben uns diejenigen wenigen Menschen umso einzigartiger und denkwürdiger im Gedächtnis, die wir als spontaner und luxuriöser [d.h. nicht zwingend notwendiger, d. Übers.] Anstrengung fähig kennen gelernt haben. Sie sind die Auserwählten, die Noblen, die einzig Aktiven und nicht bloß Reaktiven, für die das Leben eine immerwährende Spannung, ein ständiges Training ist. Training = Askese. Es sind die Asketen."
(Eigene Übersetzung, entschieden verbessert durch die Anmerkungen von José. Danke dafür!)
Von Verweichlichung war neulich bei Black Sensei die Rede. Und wäre es wahrscheinlich nicht gewesen, wenn das Tragen zu warmer Kleidung bei Menschen, die aufgrund der Errungenschaften von Heizung und Isolierung und auch des Zwangs, einen Großteil ihrer Zeit sitzend oder stehend ohne Kontakt zur Natur zu verbringen, ein reines "Oberflächenphänomen" wäre.
Dass dem nicht so ist, sondern es vielmehr Ausdruck und Symptom der allgemeinen Weigerung ist, den Dingen in die Augen zu sehen und Verantwortung zumindest für sich selbst zu übernehmen, kann im Kleinen wie im Großen alltäglich beobachtet werden. Das beginnt mit den Kollegen (oder wahlweise Beschäftigten anderer Unternehmen), die sich das Leben nicht selbst durch übetriebenen Ehrgeiz oder Feigheit zur Hölle machen - es ist der Chef, der einfach nicht hellsehen kann und so natürlich immer das für mich Falsche tut. Es setzt sich fort bei den ganz jungen Menschen in der Schule, die nicht einfach mal Vokabeln pauken oder "taktisch die Klappe halten" können, wenn ihr vermeintliches Lebensglück von der rettenden Vier abhängt - stattdessen ist der Lehrer schuld. Desgleichen für die Universitäten, die mit dem Bezahlstudium nun "endlich" zur für die Studierenden anstrengungsfreien Traumnotenvergabeeinrichtung geworden sind - nur weshalb bekommt man keinen Job für das Super-Zeugnis?
Doch kommen wir wieder näher zu einem uns allen bekannten Feld, dem Sport. Regelmäßig betrieben, führt er gemäß langjähriger Erfahrung von Praktizierenden (und jetzt sogar in Studien bewiesen) zu einer Verbesserung des körperlichen und seelischen Befindens. Allein: dieser Weg führt über ein Minimum an Anstrengung und Selbstdisziplin, und dieses Ungemach, etwas selbst in die Hand zu nehmen, bevor es zu spät ist, wollen sich Viele lieber ersparen. Wie auch nicht zwischen zu langen (teilweise selbst auferlegten) Arbeitsstunden und vielleicht einer Familie, in der man den zunächst bequemeren Weg der Nicht-Erziehung und Abwesenheit jeglicher Disziplin(ieruung) gegangen ist? Hinzu kommt, dass ein fernes großes Übel (die Folgen langanhaltender Inaktivität) leichter zu ertragen - weil bequemer - ist als ein nahes kleines - die besagte Anstrengung.
Damit ist keineswegs der Sportler als "besserer Mensch" auserkoren. Vielmehr entpuppt sich die körperliche Inaktivität als Zeichen geistiger Trägheit und allgemeiner Unproduktivität, so auch in dem bereits 1937 erstmals erschienen Werk von Ortega y Gasset. In westlich-sozialmechanistischer Manier geht er gründlich den Prinzipien nach, denen entsprechend die Menschen zu übetriebener Selbstzufriedenheit und damit zu allgemeiner Destruktivität gelangen - und beschreibt dabei in gewisser Weise das Negativ östlicher Weisheitslehren. "Lösung statt Lamento" kann in diesem Zusammenhang nur bedeuten, sich auf den Weg zu machen und andere, soweit sie eine minimale Bereitschaft dazu zeigen, auf diesen Weg mitzunehmen. Nicht Unfähigkeit, nicht Hass, sondern Trägheit und Selbstzufriedenheit sind die Grundübel, aufgrund derer der Mensch sich selbst zum Wolf wird. Zu üben, einen Fuß vor den anderen zu setzen, wird zum individuell befreienden Akt, wobei die Schritte gern symbolisch und im übertragenden Sinne verstanden werden dürfen.
*Ortega y Gasset, José: La rebelión de las masas. Madrid, 2006.
Samstag, 11. Oktober 2008
Reicht alle 2 Tage?
Für einen Samstag war ich heute sehr, sehr früh auf: ein Ehrenamt rief. Genau genommen war ich um 6:04 Uhr auf meiner Runde um die Häuser. Es war noch richtig dunkel, und weil ich mir im Park nicht den Fuß verknacksen wollte, habe ich mich für den Asphalt-Schwenk entschieden.
Gewusst, dass es nicht besonders gut laufen würde, hat auch meine Stoppuhr. Kurz nach dem Ingangsetzen (ebenfalls im Dunkeln) hatte ich sie nochmal gecheckt - und dann gedankenverloren mit einem Klick auf die Stop-, die auch die Start-Taste ist, ausgeschaltet. Denn natürlich kann man um diese Stunde noch nicht von mir erwarten, dass ich mit bedenke, dass die Minutenanzeige natürlich erst "anspringt", wenn die erste Minute gelaufen ist.
Vielleicht war es aber auch einfach besser so, denn so "ok" der Lauf (von rund einer halben Stunde) war, so unwillig hatte ich mich zuvor aus dem Bett gewälzt - und so kaputt fühlte ich mich danach und überhaupt den ganzen Rest des Tages.
Morgen ist hier bei uns Marathon, und statt frohen Mutes das Aussetzen der Nachmeldegebühr für einen spontanen langen Lauf nutzen zu können, plane ich einen Vormittag im Bett (oder bestenfalls lesend im Sessel). Wenn es nur der Marathon wäre, auf den ich keine Lust habe, ich könnte mich damit abfinden. Aber nachdem ich gestern (am Freitag) bereits nicht gelaufen bin und überhaupt kein Verlangen spüre, morgen früh die Natur oder meine Stadt laufend zu begrüßen, wird's langsam eng.
Kann es sein, dass eine begeisterte Läuferin wie ich sich nur noch alle 2 Tage auf die Strecke wagt? Meiner Seele tut's jedenfalls nicht gut. Und mein Körper? - Redet nicht mit mir...
Gewusst, dass es nicht besonders gut laufen würde, hat auch meine Stoppuhr. Kurz nach dem Ingangsetzen (ebenfalls im Dunkeln) hatte ich sie nochmal gecheckt - und dann gedankenverloren mit einem Klick auf die Stop-, die auch die Start-Taste ist, ausgeschaltet. Denn natürlich kann man um diese Stunde noch nicht von mir erwarten, dass ich mit bedenke, dass die Minutenanzeige natürlich erst "anspringt", wenn die erste Minute gelaufen ist.
Vielleicht war es aber auch einfach besser so, denn so "ok" der Lauf (von rund einer halben Stunde) war, so unwillig hatte ich mich zuvor aus dem Bett gewälzt - und so kaputt fühlte ich mich danach und überhaupt den ganzen Rest des Tages.
Morgen ist hier bei uns Marathon, und statt frohen Mutes das Aussetzen der Nachmeldegebühr für einen spontanen langen Lauf nutzen zu können, plane ich einen Vormittag im Bett (oder bestenfalls lesend im Sessel). Wenn es nur der Marathon wäre, auf den ich keine Lust habe, ich könnte mich damit abfinden. Aber nachdem ich gestern (am Freitag) bereits nicht gelaufen bin und überhaupt kein Verlangen spüre, morgen früh die Natur oder meine Stadt laufend zu begrüßen, wird's langsam eng.
Kann es sein, dass eine begeisterte Läuferin wie ich sich nur noch alle 2 Tage auf die Strecke wagt? Meiner Seele tut's jedenfalls nicht gut. Und mein Körper? - Redet nicht mit mir...
Mittwoch, 8. Oktober 2008
Unter anderen Vorzeichen
Es ist mir schwer gefallen, aus dem Bett aufzustehen und noch schwerer zu laufen. Dabei ist ein schöner Herbsttag heute. Es ist noch nicht (oder nicht mehr) zu kalt, und die Sonne leuchtet mild durch das Blätterdach, das sich vor dem Fall auf den Boden noch einmal in den schönsten Farben schmückt.
Doch meinem Körper scheint so gar nicht nach Genuss zu sein, hinten an den Oberschenkeln zieht's so erbärmlich, dass ich es nicht aushalte, mich zu dehnen. Und auch jeden einzelnen Schritt muss ich ganz bewusst machen, nichts "fließt" oder läuft wie von selbst.
Folglich werde ich in den nächsten Tagen und Wochen wohl bei einer sehr konservativen Trainingsgestaltung bleiben: Morgens zwischen 7 und 10 Kilometer und gaanz langsam, wobei: auch das muss ich meinem Körper im Moment nicht extra sagen. Wir haben ein wenig den Draht zueinander verloren.
So laufe ich jetzt unter anderen Vorzeichen; ohne unmittelbaren Spaß, aber in dem Bewusstsein, dass die Freude und Lust wiederkommen werden. Es ist Herbst...
Doch meinem Körper scheint so gar nicht nach Genuss zu sein, hinten an den Oberschenkeln zieht's so erbärmlich, dass ich es nicht aushalte, mich zu dehnen. Und auch jeden einzelnen Schritt muss ich ganz bewusst machen, nichts "fließt" oder läuft wie von selbst.
Folglich werde ich in den nächsten Tagen und Wochen wohl bei einer sehr konservativen Trainingsgestaltung bleiben: Morgens zwischen 7 und 10 Kilometer und gaanz langsam, wobei: auch das muss ich meinem Körper im Moment nicht extra sagen. Wir haben ein wenig den Draht zueinander verloren.
So laufe ich jetzt unter anderen Vorzeichen; ohne unmittelbaren Spaß, aber in dem Bewusstsein, dass die Freude und Lust wiederkommen werden. Es ist Herbst...
Dienstag, 7. Oktober 2008
Langes Wochenende in Nürnberg

...und das ganz ohne Sport. Was kann jemand, der sonst scheinbar an nichts anderes denkt, davon schon zu berichten wissen?
DENKEN könnt ihr euch sicher, dass die "Sportfreiheit" nicht ganz selbst gewählt war. Vielmehr war sie der Vernunft geschuldet, denn so ganz erholt von meinem Infekt hatte ich mich bis dahin nicht, und hinzu kamen noch lange Nächte, die die Schlafphasen auf eine um so kürzere Dauer von 3-4 Stunden schrumpfen ließen.
ZWECK meines Aufenthalts war die Teilnahme an einer Art "Jugendfreizeit für Große". Im Rahmen eines Symposiums wurde über alles, aber auch wirklich alles rund um das Thema "Zeit" gesprochen. Persönliches Zeitmanagement kam ebenso zur Sprache wie - man höre und staune - die Entwicklung der Marathonzeiten über die Lebensspanne. Dies allerdings nur als Illustration für die "Vielgestaltigkeit des Alterns", das also in dieser Eigenschaft Leistungen quasi über das gesamte Spektrum des menschlich Möglichen (vielleicht abgesehen vom Weltrekord) hervorbringt. Nicht verraten wollte der Referent uns allerdings "das wahre Gesicht des Alterns" - vorgeblich aus Rücksichtnahme vor unserer Jugend und der "Fratzen", denen wir dabei begegnen würde. Verschweigen, ok, aber es auf diese Neugier weckende Art zu tun, fand ich gemein ;-(
UNTERGEBRACHT waren wir übrigens in der Jugendherberge, die sich unmittelbar in der berühmten Burg (in deren Zeichen "Sicherheit" angepriesen wird) befindet. Falls ihr mal günstig in Nürnberg übernachten müsst, die JH ist von der Qualität und Sauberkeit her unbedingt zu empfehlen. Ob sie preislich konkurrenzfähig ist mit den gerade im Süddeutschen verbreiteten Klein-Pensionen, hatte ich leider keine Zeit festzustellen.
Die Jugendherberge - untergebracht in der Burg:

ALS STADT ist Nürnberg auch unbedingt sehenswert. Zwar werden die Straßenzüge des Öfteren gebrochen von un-gelungenen Rekonstruktionen der bloßen Rumpfform aus den 1960ern. Doch tut dies für den geübten Blick der Schönheit des Gesamt-Ensembles keinen Abbruch, wo sich mittelalterliches Fachwerk an die Pracht von Renaissancegiebeln schmiegt und der Duft von Würstchen und Zwiebelkuchen aus inzwischen weit ins Kopfsteinpflaster eingesackten Hauseingängen wabert. Dazwischen stolze Kirchen und die augenscheinliche Fülle eines unter freiem Himmel statt findenden Dauermarktes, dessen Stände mit Heimisch-Deftigem und Orientalisch-Exotischem etwas erahnen lassen von der Abwechslung, die es (zumindest für Betuchte) ganz ohne künstliche Aromen und industrielle Fertigung bereits im Mittelalter gab.






FEDERWEIßEN habe ich natürlich auch gekostet in einem ausgesprochen gemütlichen Café, doch war dies dieses Mal nicht der Grund, weshalb ich nicht zum Laufen kam. Jedenfalls war das Wochenende die Reise wert - und ich gelobe Wiederkunft und das Mitbringen von etwas mehr Zeit für die ortseigenen Schönheiten!

Mittwoch, 1. Oktober 2008
Beobachtungen beim Bahnfahren
Heute bin ich (noch aus Schonungsgründen) wieder nicht gelaufen. Dafür hatte ich einen "Auswärtstermin" und auf dem Weg dorthin mal wieder knapp 3 Stunden Gelegenheit, das Leben "in vollen Zügen" zu genießen.
Heute war die Reise insgesamt sehr angenehm, keine wirklich nervigen Mitfahrenden und auch die Waggons nicht so voll, dass allein das Einsteigemanöver Chancen hätte, beim "Wetten dass?" ins Programm aufgenommen zu werden. Dennoch plädiere ich für einen Ehrenplatz der Bahn als Förderin des Sports.
An keinem Ort werden wohl so viele Muskeln und Fähigkeiten gleichzeitig trainiert, noch ergänzt um eine Ausdauerkomponente wie Laufen müssten Bahnfahrer eigentlich olypiareif werden können. Der Mehrkampf beginnt mit der Disziplin "Ganzkörpergewichtheben von Gepäckstücken" (beim Einsteigen) und endet mit "Dehnen der äußeren Schienbeinmuskulatur" (das man nicht vermeiden kann, wenn man bei dem engen Sitzabstand mal anders als mit Beinen runter sitzen will).
Dazwischen gibt es noch das "Unmittelbar disziplinspezifische Anreizprogramm": Zu beobachten heute zwischen zwei Haltestellen und einem kurzen Gang aufs Örtchen meinerseits. Eine ältere, etwas beleibte Dame hatte es knapp zwei Stunden geschafft, den Sitz neben sich mit einer platzgreifend geparkten Handtasche frei zu halten. Als sie den Platz einmal kurz verließ, wies sie ihre gegenüber sitzende Freundin an, diese verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen. Ein Fehler, denn schließlich sehen zwei Sitze mit einer Handtasche darauf subjektiv viel leerer aus als ein Sitz mit einer ausgebreiteten Handtasche neben einer korpulenten Frau. Folglich konnte die Freundin einen ebenso korpulenten Mann nicht davon abhalten, sich auf den ursprünglich der Tasche vorbehalteten Platz zu setzen. Die zweite Frau kehrt zum Platz zurück, kurzes, fast unmerkliches Entgleiten der Gesichtszüge, doch natürlich sagt sie nicht, was ihr auf der Zunge liegt (was liegt ihr eigentlich auf der Zunge), sondern bittet den Mann nur, sie kurz auf ihren Platz durchzulassen.
War auch dieses Prozedere schon nicht "gesagt - getan" (man stelle sich den in Zügenüblichen Abstand zwischen Sitz und Tisch vor und eine Dame, deren Umfang diesen vorwärts, rückwärts und seitwärts übersteigt), wurde es danach erst richtig komisch: Herr: "Räusper." (bewegt sich ein wenig, so dass sein halber Oberschenkel über ihrem zum liegen kommt.
Dame: "Laut räusper." (selbe Bewegung mit umgekehrten Rollen)
Herr: (sitz abtast.) Wahrscheinlich suchte er so einen Mechanismus wie in Reisebussen, mit denen man die Reihen seitlich auseinander ziehen kann. (plötzlicher Ruck, ab in die Liegeposition. Mit Mühe wieder aufgesetzt.
Dame: "Noch lauter räusper."
Herr: (bewegt Gesäß und Oberschenek ruckartig auf der Sitzfläche Richtung außen).
Dame: (Versteckt sich hinter Bahn-Kundenzeitschrift)
...
Das Ganze kam dann am nächsten Halt zum Ende, als er sich einen anderen Sitzplatz neben einem schlankeren Menschen suchte. Ob die Message angekommen ist?
Hinzu kommt dann noch eine Übung, die selbst mir als gestandener Sportlerin immer wieder Probleme bereitet: "Linksseitiges isotonisches Training der Halte- und tiefen, schrägen Bauchmuskulatur". Alle Frauen können die Übung nachvollziehen, indem sie eine Bahntoilette aufsuchen. Wer sich aus hygienischen Gründen dann mit einigem Abstand zur Brille hocken möchte, findet als Halt nur eine Stange, die sich in horizontaler Richtung unmittelbar auf Höhe der Knie befindet. Nun muss der Körper an diesem Sportgerät so ausbalanciert werden, dass er weder nach hinten überkippt noch seitlich zu viel Spiel hat. Ganz Geübte können durch eine entsprechende Stellung der Füße noch versuchen, ihre Stoffhose unterdessen vor einem Wischen des überschwemmten Bodens zu bewahren. Und bevor mir jemand einen Vorwurf bezüglich meiner Toiletten-Benutzungstechnik macht: Zumindest das Problem, dass die Haltestange zum Wiederaufrichten nicht richtig angebracht ist, dürfte man auch bei "korrekter Handlungsausführung" haben. In einer Welt, in der vom Handy bis zur Mülltüte alles auf Idiotensicherheit getestet wird, bleibt da eigentlich nur die Frage, weshaln Zugklos von dieser segensreichen Entwicklung bisher ausgeschlossen geblieben sind.
Vielleicht will die Bahn ja schon lange die Sportlichkeit ihrer Fahrgäste fördern und traut sich damit nur nicht an die Öffentlichkeit? Sportclubs sind ja an der Börse derzeit auch nicht so gefragt ;-)
Heute war die Reise insgesamt sehr angenehm, keine wirklich nervigen Mitfahrenden und auch die Waggons nicht so voll, dass allein das Einsteigemanöver Chancen hätte, beim "Wetten dass?" ins Programm aufgenommen zu werden. Dennoch plädiere ich für einen Ehrenplatz der Bahn als Förderin des Sports.
An keinem Ort werden wohl so viele Muskeln und Fähigkeiten gleichzeitig trainiert, noch ergänzt um eine Ausdauerkomponente wie Laufen müssten Bahnfahrer eigentlich olypiareif werden können. Der Mehrkampf beginnt mit der Disziplin "Ganzkörpergewichtheben von Gepäckstücken" (beim Einsteigen) und endet mit "Dehnen der äußeren Schienbeinmuskulatur" (das man nicht vermeiden kann, wenn man bei dem engen Sitzabstand mal anders als mit Beinen runter sitzen will).
Dazwischen gibt es noch das "Unmittelbar disziplinspezifische Anreizprogramm": Zu beobachten heute zwischen zwei Haltestellen und einem kurzen Gang aufs Örtchen meinerseits. Eine ältere, etwas beleibte Dame hatte es knapp zwei Stunden geschafft, den Sitz neben sich mit einer platzgreifend geparkten Handtasche frei zu halten. Als sie den Platz einmal kurz verließ, wies sie ihre gegenüber sitzende Freundin an, diese verantwortungsvolle Aufgabe zu übernehmen. Ein Fehler, denn schließlich sehen zwei Sitze mit einer Handtasche darauf subjektiv viel leerer aus als ein Sitz mit einer ausgebreiteten Handtasche neben einer korpulenten Frau. Folglich konnte die Freundin einen ebenso korpulenten Mann nicht davon abhalten, sich auf den ursprünglich der Tasche vorbehalteten Platz zu setzen. Die zweite Frau kehrt zum Platz zurück, kurzes, fast unmerkliches Entgleiten der Gesichtszüge, doch natürlich sagt sie nicht, was ihr auf der Zunge liegt (was liegt ihr eigentlich auf der Zunge), sondern bittet den Mann nur, sie kurz auf ihren Platz durchzulassen.
War auch dieses Prozedere schon nicht "gesagt - getan" (man stelle sich den in Zügenüblichen Abstand zwischen Sitz und Tisch vor und eine Dame, deren Umfang diesen vorwärts, rückwärts und seitwärts übersteigt), wurde es danach erst richtig komisch: Herr: "Räusper." (bewegt sich ein wenig, so dass sein halber Oberschenkel über ihrem zum liegen kommt.
Dame: "Laut räusper." (selbe Bewegung mit umgekehrten Rollen)
Herr: (sitz abtast.) Wahrscheinlich suchte er so einen Mechanismus wie in Reisebussen, mit denen man die Reihen seitlich auseinander ziehen kann. (plötzlicher Ruck, ab in die Liegeposition. Mit Mühe wieder aufgesetzt.
Dame: "Noch lauter räusper."
Herr: (bewegt Gesäß und Oberschenek ruckartig auf der Sitzfläche Richtung außen).
Dame: (Versteckt sich hinter Bahn-Kundenzeitschrift)
...
Das Ganze kam dann am nächsten Halt zum Ende, als er sich einen anderen Sitzplatz neben einem schlankeren Menschen suchte. Ob die Message angekommen ist?
Hinzu kommt dann noch eine Übung, die selbst mir als gestandener Sportlerin immer wieder Probleme bereitet: "Linksseitiges isotonisches Training der Halte- und tiefen, schrägen Bauchmuskulatur". Alle Frauen können die Übung nachvollziehen, indem sie eine Bahntoilette aufsuchen. Wer sich aus hygienischen Gründen dann mit einigem Abstand zur Brille hocken möchte, findet als Halt nur eine Stange, die sich in horizontaler Richtung unmittelbar auf Höhe der Knie befindet. Nun muss der Körper an diesem Sportgerät so ausbalanciert werden, dass er weder nach hinten überkippt noch seitlich zu viel Spiel hat. Ganz Geübte können durch eine entsprechende Stellung der Füße noch versuchen, ihre Stoffhose unterdessen vor einem Wischen des überschwemmten Bodens zu bewahren. Und bevor mir jemand einen Vorwurf bezüglich meiner Toiletten-Benutzungstechnik macht: Zumindest das Problem, dass die Haltestange zum Wiederaufrichten nicht richtig angebracht ist, dürfte man auch bei "korrekter Handlungsausführung" haben. In einer Welt, in der vom Handy bis zur Mülltüte alles auf Idiotensicherheit getestet wird, bleibt da eigentlich nur die Frage, weshaln Zugklos von dieser segensreichen Entwicklung bisher ausgeschlossen geblieben sind.
Vielleicht will die Bahn ja schon lange die Sportlichkeit ihrer Fahrgäste fördern und traut sich damit nur nicht an die Öffentlichkeit? Sportclubs sind ja an der Börse derzeit auch nicht so gefragt ;-)
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