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Donnerstag, 15. Oktober 2009

Zitterpartie

Ich hatte ja bereit's gestern kurz aus dem laufenden Prozess berichtet. Mittwochs wird künftig bei gutem Wetter immer der Tag sein, in dem ich mit meinem neuen Cyclocross-Rad (so die korrekte Bezeichnung dieses Fahrradtyps) zur Arbeit fahre - immerhin 48 Kilometer pro Strecke.

"Bei gutem Wetter" bedeutet auch, dass gestern das für diesen Herbst letzte Mal war. Zu groß ist meine Angst vor Blitzeis, zu spät könnte ich losfahren und zu früh müsste ich wieder Feierabend machen, um wenigstens den Großteil der Strecke jeweils im Hellen zurückzulegen. Die Einschätzung, dass das Fahren bei Kälte und Dunkelheit nicht ungefährlich ist, bestätigten zu meinem Schock auch die Erfahrungen der gestrigen Rückfahrt.

Mit dem Abflug aus dem Büro hatte ich mir etwas zu viel Zeit gelassen. Zu viel zu tun, dann noch umziehen, Wasserflasche auffüllen, Garmin anwerfen - das übliche Programm. Schon als ich noch durch Hildesheim fuhr, signalisierte mein Körper, was ich schon geahnt hatte: keine Kraft, zu wenig gegessen. Einmal aus der Stadt raus und über Land fahrend dann die nächste angenehme Überraschung: der Wind hat gedreht, kommt aus Nordost und ich muss also von nun an gegen ihn anstrampeln. Nur gut, dass die Strecke nicht auch plötzlich in diese Richtung noch bergauf führt ;-)

Aber Spaß beiseite. Bei 20 Kilometern merke ich das erste Mal, dass mir das Fahren richtig an die Substanz geht. Meine Beine tun weh, der Kopf gibt immer noch Signale, schneller und stärker zu treten oder wenigstens durchzuhalten, doch die Kommandos klingen wie von weit her. Trotzdem genieße ich die Fahrt noch, die Sonne geht gerade unter, am Straßenrand grasen manchmal Pferde oder pelzige Rinde genüsslich auf Hartgras.

Ungefähr bei Kilometer 30 ist es dann dunkel. Mein Rücklicht habe ich schon vor einigen Minuten angemacht, aber die Laufleuchte, die ich auf dem Kopf trage, reicht bei weitem nicht aus, um den Korridor vor mir so zu erhellen, dass ich weiß, wohin es geht. Unterdessen zerrt der Wind an meinem Radtrikot, ich denke mehrfach, dass der Reißverschluss offen ist, aber nein, es pfeift einfach nur so stark durch.

Dann völlige Dunkelheit. Wenn ich Autos in der Ferne sehe, bin ich froh, denn die Lichter geben ein wenig Orientierung in meinem einsamen Strampeln. Der Kopf hat mich mitllerweile verlassen. Er gibt noch Durchhalteparolen, schwebt aber sonst in schöner Unterzuckerungsmanier über den Dingen, so dass ich mir immer wieder diszipliniert ins Gedächtnis rufe, was in welchem Eventualfall (Kreuzung, Auto von hinten, von vorn, enge Kurve...) zu tun ist.

Am Stadtrand von Braunschweig dann Finsternis. Ich fahre keine beleuchtete Straße, sondern Feldwege, die wegen der laufenden Rübekampagne auch noch mit dicken Matschfladen übersät sind, die allgegenwärtigen Schlaglöcher nicht zu vergessen. Es ist verrückt, aber anhalten und den einen Müsliriegel, den ich noch im Rucksack habe, essen, das würde mir nicht einfallen. Gefahr, Qual und die Sehnsucht nach dem Ankommen im Nacken, bringe ich die letzten 8 Kilometer hinter sich. Auf dem letzten Kilometer entscheide ich mich bei der Wahl zwischen flacher Huckestraße und glatten Radweg über einen recht steilen Hügel sogar noch für letzteren - und komme ihn, mentaler Kraft sei Dank, sogar recht behende hinauf.

Angekommen bei meiner Oma dann der erwartete herzliche - und auch sorgenvolle - Empfang. Kennt ihr den Spruch "Ich bin so durstig, ich könnt'n halbes Schwein fressen, so müde bin ich"? Ähnlich ging es mir, und ich entschied mich in einem ersten Schritt für essen, das ich wegen fortdauernden Kältegefühls schließlich zwecks heißer Dusche unterbrach, heißen Tee nicht zu vergessen.

Unter der Dusche dann der Effekt, der sich beim Abstreifen der halb kalten, halb (am Rücken) feucht geschwitzten Kleidung ankündigte: nicht enden wollenden Zittern. Ich kann es gar nicht kontrollieren, und eigentlich - wenn es nicht Omas Kosten und die Umwelt wären - kann ich mich kaum losreißen von diesem herrlichen heißen Nass, das aber nichts weiter sein sollte als der berühmte Tropfen auf den unterkühlten Stein.

Als nächstes ziehe ich mich an, warme Kleidung, aber immer noch zitternd. Ich will essen, mehr Tee trinken, doch weder Tasse noch Besteck kann ich halten, werde immer wieder von Kälteanfällen geschüttelt. Also eingewickelt in die dicke Camela-Decke. Es geht einfach nicht weg, meine Zäne klappern, hörbar und unkontrollierbar.

Irgendwann bringe ich es fertig, noch einen weiteren Pullover - immer noch zitternd - überzuzuziehen. Und dann eine zweite Tasse heißen Tee zu trinken udn irgendwann nach Hause zu fahren, wo es mir endlich bedeutend besser geht, der Alltag kommt wieder und ich bin froh, gehe dann ins Bett.

Eine wahre Zitterpartie war das also. Im Rückblick unverantwortlich, unterzuckert, unterkühlt und ohne wirkliches Gefühl in den durch die Radschuhe eingeschnürten Unterschenkeln im Dunkeln durch die Provinz zu rasen. Eine Erfahrung. Abhaken, Lehren draus ziehen, weiter im Text!

Freitag, 3. April 2009

Ein gar mühsames Geschäft

Gestern (und am Dienstag, und am Sonntag und Samstag) war ich mal wieder laufen. Mit zunehmend schöner werdendem Wetter und da wir mir riesenschritten auf die Osterfeiertage zugehen, hat es mich einfach rausgelockt.

Für meine Verhältnisse lasse ich es derzeit sehr ruhig angehen. Am Samstag und Sonntag je 7,2 Kilometer, an den Wochentagen nur knapp 5. Gestern habe ich mich aber endlich wieder an meine knapp 10 getraut. Ich war extra früh bei der Arbeit, um am späten Nachmittag noch in der warmen Sonne laufen zu können. Und... es war sehr, sehr anstrengend.

Als ich nach einem kurzen Weg per Rad zuhause ankam, schwankte ich wie alt-gewohnt zwischen Lust und Unlust. Ich habe mir dann einen Ruck gegeben, die Laufklamotten und Schuhe angezogen und bin raus. "Nur nicht zu schnell laufen, du hast nichts zu verlieren", flüsterte ich mir schon bei den ersten Schritten zu und bog dann "todesmutig" auf die längere Runde Richtung See ein. Warm war's und sonnig, mein langer Schatten begleitete mich seitlich, als ich in der sinkenden Sonne den asphaltierten Weg entlang trabte. Erst schien es, als seien sehr viele Leute unterwegs, doch unter der Brücke bei KM 1 merkte ich, dass es sich nur um eine Laufgruppe handelte (mit einer mir bekannten Person dabei, also grüßte ich), danach hatte ich fast freie Bahn.

So richtig Gas zu geben traute ich mich nicht. Erstmal scheine ich mein ganzes Körpergefühl für eine grade noch akzeptable, aber schon anstrengende Belastung verloren zu haben. Und dann fühlen sich meine Beine so kraftlos an, ich kann "keine großen Sprünge machen". Was soll's, denke ich mir, und ehe ich mich's versehe, ist eine meiner 3 Runden 'rum. Dann die zweite. Ich werde etwas übermütig, gebe Gas auf der hubbeligen Grasnarbe, merke, wie das Leben in meinen Körper zurückstömt. Dann wird es unangenehm anstrengend, ich fühle mich ungewohnt außer Atem, schalte einen Gang runter, aber immerhin bin ich mit 30:35 Minuten nach 2 Runden sehr gut in der Zweit. (Wer nichts erwartet, kann auch nicht enttäuscht werden!)

Dann bringe ich die letzte Runde hinter mich, denn mehr ist es nicht mehr, kann es nicht mehr sein. Während die Sonne weiter sinkt und ihre wärmende Kraft spürbar verliert, laufe ich locker, aber nicht wirklich langsam nach Hause. Uhr? 48:5x Minuten. Nicht schlecht für einen Anfang. Heute mache ich Pause, und dann gucke ich, was am Wochenende geht. Es ist schön, zurück im Laufleben zu sein.

Montag, 26. Januar 2009

Laufen - Essen - Schlafen

Viel laufen macht viel Spaß - und weniger laufen noch mehr. Seit dem grandiosen 30er am Samstagabend befinde ich mich in einer leichten Tapering-Phase. Diese habe ich auch nötig, denn letzte Woche streikte nicht nur teilweise mein Körper, sondern irgendwann wehren sich auch Kopf und Herz dagegen, alles und wirklich alles wegen des Laufens stehen und liegen zu lassen.

Zu den körperlichen Folgen der Laufbelastung gehörte seit Samstagabend vor allem ein schrecklicher Hunger. Nicht einmal Heißhunger, sondern einfach Hunger und der Wunsch, alle 1-2 Stunden alles zu essen, was nicht niet- und nagelfest ist. Das ging sogar so weit, dass ich um Mitternacht noch einmal aus dem Bett gestiegen bin (in das ich bereits um 22 Uhr geplumpst war), um mich an einer halben Tüte Gummibärchen gütlich zu tun.

Eine zweite Folgeerscheinung war/ist ein fast ebenso exzessives Schlafbedürfnis. Am Sonntag: 8 Uhr aus dem Bett (Hunger), 9.30 Uhr nach Lektüre der restlichen Samstagszeitung wieder rein (von Müdigkeit überwältigt), dann um halb 12 wieder raus (Frühstück fortgesetzt und gleich das Mittagessen angeschlossen). Den Nachmittag habe ich dann mit einem dreistündigen Spaziergang bei herrlichem Winterwetter und tief stehender, unendlich schöner Sonne mit einer Freundin genossen. Einige Hecken piepsten sogar schon wieder vor lauter Vogelstimmen, und ich meine, den Frühling gerochen zu haben (dazwischen Einkehr mit Mohnkuchen und heißer Schokolade in einem niedlichen Café).

Und als ich schließlich um 17.45 Uhr zuhause war? Genau, schlafen bis halb 8 und dann wieder von 22 bis 7 Uhr - wirklich gut und entspannend. Blieb nur noch, mit den Nike free 2 winzige Runden (zusammen rd. 5 Kilometer) durch den Park zu drehen. Auf dem Rückweg habe ich mir dann noch frische Brötchen mitgebracht und bin entspannt in den Tag gestartet wie lange nicht mehr.

Werde das jetzt so ähnlich weitermachen in freudiger Erwartung der 2 Marathons in der Eifel am Wochenende. So schafft man auch 100 pro Woche ;-)

Samstag, 11. Oktober 2008

Reicht alle 2 Tage?

Für einen Samstag war ich heute sehr, sehr früh auf: ein Ehrenamt rief. Genau genommen war ich um 6:04 Uhr auf meiner Runde um die Häuser. Es war noch richtig dunkel, und weil ich mir im Park nicht den Fuß verknacksen wollte, habe ich mich für den Asphalt-Schwenk entschieden.

Gewusst, dass es nicht besonders gut laufen würde, hat auch meine Stoppuhr. Kurz nach dem Ingangsetzen (ebenfalls im Dunkeln) hatte ich sie nochmal gecheckt - und dann gedankenverloren mit einem Klick auf die Stop-, die auch die Start-Taste ist, ausgeschaltet. Denn natürlich kann man um diese Stunde noch nicht von mir erwarten, dass ich mit bedenke, dass die Minutenanzeige natürlich erst "anspringt", wenn die erste Minute gelaufen ist.

Vielleicht war es aber auch einfach besser so, denn so "ok" der Lauf (von rund einer halben Stunde) war, so unwillig hatte ich mich zuvor aus dem Bett gewälzt - und so kaputt fühlte ich mich danach und überhaupt den ganzen Rest des Tages.

Morgen ist hier bei uns Marathon, und statt frohen Mutes das Aussetzen der Nachmeldegebühr für einen spontanen langen Lauf nutzen zu können, plane ich einen Vormittag im Bett (oder bestenfalls lesend im Sessel). Wenn es nur der Marathon wäre, auf den ich keine Lust habe, ich könnte mich damit abfinden. Aber nachdem ich gestern (am Freitag) bereits nicht gelaufen bin und überhaupt kein Verlangen spüre, morgen früh die Natur oder meine Stadt laufend zu begrüßen, wird's langsam eng.

Kann es sein, dass eine begeisterte Läuferin wie ich sich nur noch alle 2 Tage auf die Strecke wagt? Meiner Seele tut's jedenfalls nicht gut. Und mein Körper? - Redet nicht mit mir...