Als (Ultra-)Läuferin bin ich es eigentlich schon derart gewohnt, nicht verstanden zu werden, dass ich kaum noch etwas darauf gebe. Zumal meine Freundschaft oder sonstige Beziehung zu einem Menschen nicht davon abhängt, ob er/sie Laufenthusiast oder Laufmffel ist. Mein Standpunkt ist, dass, wenn jemand wirklich am Laufen interessiert ist, er/sie mir das schon sagen wird. "Offensive" Überzeugungsarbeit leiste ich demzufolge nicht.
Die heutige Begegnung hat mich dann aber doch etwas verwirrt - oder mit einem allzu klaren Eindruck vom allgemeinen Denken über unser Hobby - zurückgelassen. Ich war nämlich heute bei meinem Hausarzt. Primär, weil mir das Knie und meiner Vermutung nach davon ausgehend auch der hintere Oberschenkel wehtun. Als Zusatznutzen nach dem Motto "ein Abwasch" wollte ich mir dann gleich noch meine Sporttauglichkeitsbescheinigung abholen, wie man sie ja braucht, sollte bei einem Frankreich-Aufenthalt mal aus Versehen ein Läufchen vorbeikommen ,-) "Das passt aber gar nicht zusammen", meinte der Arzt darauf im ersten Moment, und mir blieb irgendwie die Spucke weg. Dass ich mich mit meiner Leidenschaft bei diesem Herrn auf dünnem Eis bewege, war mir ja bereits bewusst. Aber wegen leichter Knieschmerzen gleich ein Sportverbot?
Naja gut, ich nahm erstmal auf der Liege platz, und nach einigen Herumbiegen und -drehen an meinen Fahrgestellen befand der Herr Doktor den Zustand meiner Knie als nicht wirklich schlimm, und unterschrieb dann auch anstandslos das sportärztliche Attest mit dem Kommentar: "Ich wüsste nicht, was dagegen spricht." Dann empfahl er mir, etwas weniger zu laufen (meine wirkliche Kilometerleistung hatte ich zu Beginn des Gesprächs möglichst gering darzustellen versucht), und kam dann auch noch mit dem unpassenden Beispiel eines Extrem-Bergsteigers, der sein Training auch "im Spazierschritt absolviert habe. Die Wettkampfbelastung kann man sowieso nicht simulieren." Erwähnte ich (ihm gegenüber), dass ich durchaus Grundkenntnisse in der Trainingsplanung habe und selbstverständlich nicht jeden Kilometer in 3:55 Minuten laufe?
Als ich wieder rauskam, konnte ich mir jedenfalls ein äußerliches Kopfschütteln nur noch zugunsten eines innerlichen verkneifen. Wo liegt das Problem mit dem Laufen? Ist es nicht schlimmer, mit den Folgen von Bewegungsmangel zu leben als mit der Aussicht, vielleicht in 20 Jahren mal eine Knie-OP zu haben? Ist es nicht schön, wenn jemand in seinem Hobby aufgeht? Mache ich wirklich den Eindruck, als würde ich wie besessen trainieren bzw. ist es so unvorstellbar, dass ich einfach aus Lust und Laune ein paar Kilometer und Stunden an der frischen Luft verbringe? Ich glaube, ihr versteht mich. Also bin ich nicht verrückt!