Wer die Überschrift meines Posts als Aufschrei eines gequälten Gemüts deutet, liegt richtig. Denn heute war Bildungsgipfel, und so wurde mal wieder eines meiner Lieblingsthemen in der Öffentlichkeit breit getreten - natürlich mal wieder unter gelinde gesagt tendenziöser Perspektive.
Denn wenn man der Politik und den Forschern, die sie für meine Begriffe allzu bereitwillig unterstützen, glauben schenken darf, dann steht es böse um Deutschlands Kinder und Jugendliche. Wer aus "kleinen Verhältnissen" kommt, landet auf der Hauptschule, heißt es da. Und wer auf der Hauptschule landet, hat selbstredend keine Chance mehr, aus seinem Leben etwas zu machen.
Schade nur, dass die Populisten und Schlagzeilen-Drescher bei ihren Kampfreden das Kleingedruckte vergessen. Es stimmt nämlich gar nicht, dass alle Kinder aus weniger gut situierten Verhältnissen auf den (aus meiner Sicht von der selbst ernannten Öfentlichkeit erst dazu gemachten) "niederen" Schulformen landen. Ich sehe mich selbst als Beispiel dafür, und kann mich an keine Situation erinnern, in der ich von irgendeiner Lehrperson aufgrund meiner sozialen Herkunft bewertet worden wäre.
Angesichts eines Beispiels, das ich heute in der Sendung Frontal 21 (ZDF) aufschnappte, gingen bei mir aus ganz anderen Gründen alle Fragezeichen auf. Mit einer "2,5" als Durchschnittsnote würden nach der 4. Klasse 75% der Kinder aus besseren Vehältnissen für das Gymnasium empfohlen - und nur 23% der weniger gut gestellten Kinder. Dabei frage ich mich eher, ob nicht letztere realistisch weg gekommen sind - und die 75% der vermeintlich "Reichen" genau diejenigen, die es irgendwann schaffen werden, selbst die Gymnasien noch auf Niedrigstniveau herunter zu bremsen.
Und aufgrund solcher verzerrten Maßstäbe wird sich dann auch noch hingestellt und behauptet, die Bildung scheitere am Geld. Erstens hat Bildung nicht sonderlich viel mit Geld zu tun. Und zweitens könnte man denen, die davon wirklich profitieren können, mit den vorhandenen Ressourcen weit bessere Möglichkeiten eröffnen, wenn man diese nicht durch einen überzogenen Fördergedanken nach Strich und Faden verwässern würde. Damit meine ich nicht, Hauptschüler vegetieren und mehr manuell ausgebildete zur permanenten Unterschicht degenerieren zu lassen. Ich meine vielmehr: unabhängig vom Geld - jedem das Passende.
Übrigens war auch die ursprüngliche Idee von Humboldt, jeden im Bildungssystem so lange und vor allem so spezifisch zu fördern, dass daraus ihm selbst und der Gesellschaft maximaler Nutzen entsteht. Das nenne ich wahren Humanismus. Also Schluss mit dem unterschwelligen Faschismus-Generalverdacht gegen alle, die individuelle Leistungsfähigkeit als Kriterium für die persönlichen Bildungsmöglichkeiten ansehen. Und wie fühlt sich wohl ein Gymnasiallehrer, der allein aufgrund der Schulform als elitistisch und daher un-pädagogisch abgestempelt wird? Auch das kann ich nicht bestätigen - und das populistische Gerede nicht mehr hören!
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Dienstag, 21. Oktober 2008
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