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Mittwoch, 20. August 2008

Schreibende Läufer (I)

"Sie wollen die Fähigkeit ohne die Aneignung, die Entwicklung ohne die Anstrengung, die Ordnung ohne das Chaos, den Gewinn ohne das Risiko des Verlusts. Die unvermeidliche Unsicher interpretieren sie als Unfähigkeit und geben so ihre Entwicklung genau an der Stelle auf, an der sie den ersten und entscheidenden Schritt bereits getan haben."
G. Rückriem*



Nicht erst, seit ich blogge, ist mir folgende Parallele aufgefallen: Das Laufen wie auch das Schreiben sind Fähigkeiten, die viele Menschen gern beherrschen möchten. Doch während es wenige Glückliche gibt, denen beides scheinbar in den Schoß fällt, bleiben die entlegeneren Gebiete, die man sich in beiden Disziplinen erschließen kann, der Mehrheit verschlossen.

Wäre dieser Unterschied allein auf Begabung zurück zu führen, ich (und auch Rückriem), könnten hier einen Schlusspunkt setzen: Auf Wiedersehen, ihr Minder-Talentierten, gehabt's euch wohl und staunt, was wir so alles können. Aber laufen und schreiben, zwei so unterschiedliche Fähigkeiten gemeinsam in vielen Personen aus 'natürlicher' Veranlagung?

Da ist der Punkt schon eher bei Edison zu suchen, der 'Genie' bekanntlich als "90 Prozent Fleiß" definierte. Leider erlebe ich bei Gesprächen über das Laufen oft, dass meine Gesprächspartner genau diese unbequeme Wahrheit nicht wahrhaben wollen. Denn bei aller Bewunderung für das vermeintliche "Talent" eines laufendes Gegenübers, überwiegt bei den Argumenten gegen den Sport doch immer ein unbestimmtes "Ich könnte das nicht"?

Warum bloß: Weil jemand nicht in der Lage ist, auf ein etwas ferner liegendes Ziel hinzuarbeiten? Weil man es nicht schafft, seine Tage und Wochen so zu planen, dass dabei dreimal 30 Minuten Zeit gewonnen werden? Oder einfach nur, weil es auf dem Sofa ja so viel bequemer ist als in der rauhen Natur?

Wenn ich nur wüsste, wie man jemanden von der Freude am Laufen und der Genugtuung nach geschaffter Anstrengung erzählt? Wie man motiviert, ohne die Keule des "Wenn nicht..., dann..." zu schwingen.




*'Es läuft'. Über die Brauchnbarkeit von Analogien und Metaphern. In: Narr/Stary (Hrsg.)(1999): Lust und Last des Wissenschaftlichen schreibens. Frankfurt: Suhrkamp.