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Montag, 11. August 2008

Vor einem Jahr...(II)

...erlebte ich den "[bis zu jenem Datum] ereignisreichsten Tag meines Jakobsweges". Es war ein Tag nach meinem Geschmack. Mit meinem Begleiter, den ich einige Etappen vorher auf dem Weg kennen gelernt hatte, waren wir noch vor der offiziellen Öffnung der Tür aus der ruhigen, kühlen und ordentlichen Gerberge gegangen. Dann der Schreck: mein Begleiter hat seinen lieb gewonnenn Pilgerstab vergessen, wir müssen warten, wecken den Herbergsvater mit kleinen Steinchen, die wir gegen das Fensters des Badezimmers werfen.

Dann geht es wirklich los, auf dunkler Straße, gelegentlich überprüfen wird mit der Taschenlampe das Vorhandensein der gelben Pfeile oder Muschelsymbole, die uns den Weg weisen und mal rechts und mal links von Weg ins Gebüsch führen.

Vor Sonnenaufgang unterwegs:



Frühstück gibt es in einer rustikalen Herberge. Zwischen Fachwerkbalken sorgen Palmen für tropisches Flair beim Schlürfen eines frisch gepressten Orangensaftes. Gut gestärkt geht es dann auf ins Gebirge, insgesamt 837 Höhenmeter erwarten uns laut Karte bis zum vorgesehenen Etappenort "La Molina Seca".

Die Wege sind nun nicht nur staubig und steinig, sondern auch schmal und vor allem steil, so dass wir immer wieder Radpilger einholen, die stöhnend und fluchend ihren Stolz aufgeben und absteigen müssen. Erster wirklich Höhepunkt ist dann "Cruz de Ferro" ("Eisenkreuz"). Wie der Name schon sagt, pragt hier ein Eisenkreuz auf einem hohen Holzpfahl, der in einem Schutthaufen zu stecken scheint. Dort unten wirft man als Pilger traditionell einen Stein ab, den man von zu Hause mitgebracht hat, und entledigt sich so seiner Sünden.

Sünden und Sorgen abwerfen am "Cruz de Ferro":



Den spannendsten und ladschaftlich beeindruckensten Teil haben wir zu jenem Zeitpunkt noch vor uns. In meinem Tagebuch vermerke ich: "Trotz der aufkommenden Wärme "juckt" es mich manchmal, zu laufen und ich fühle mich ganz aufgehoben zwischen den mächtigen Gipfeln, die in baumübersätem Dunkelgrün in der Ferne aufragen und gras-, busch- und windkraftübersät hinter jeder Wegbiegung einen neuen intimen Einblick in ihre Geheimnisse zu gewähren scheinen." Immer wieder flitzen Eidechsen in der Mittagshitze über den Weg, Spuren menschlichen Lebens gibt es in Form einer verfallenen Kirche in einem winkligen Hochtal.

Hier läuft keiner - außer mir:



Die Mittagspause verläuft rummelig in einem Ort El Acebo, der von den Alpen nicht nur das Flair, sondern auch die sich für Après-Ski-artige Besäufnisse interessierenden Touristen übernommen hat. Dann geht es auf steilen, verschlungenen Wegen an mit blumenbewachsenen Steilhängen entlang zurück ins Tal. Eine Landschaft, in der man sich überwältigt fühlt, aber auch orientierungslos: "Zu gerne würde ich wissen, welche Berge hinter mir ich bewältigt habe, doch der Weg zieht sich wie ein Labyrinth über diese wilde Oberfläche."

Beeindruckende Bergwelt:



Schließlich müssen wir uns noch einmal richtig beeilen. Ein Gewitter droht, das uns später bei der Suche nach einem geeigneten Lokal für das Abendessen ganz erwischen wird. Dennoch wählen wir ein Bett draußen unter dem breiten Dachvorsprung der Herberge. Die nächste Etappe wartet, und auch dieses Schlafen im frischen Wind, die paar Habseligkeiten ganz dicht neben sich, ist ein Erlebnis dieses besonderen Weges.

Samstag, 9. August 2008

Vor einem Jahr...



Im Moment habe ich leider keinen Urlaub. Und so schön ich es auch finde, einen wachsenden Kreis einschlägiger Leser/-innen an meinem Lauftraining teilhaben zu lassen, so sehr würde ich es bedauern, dass mir bald die Bebilderung ausgeht. Denn wie wahrscheinlich die meisten von euch habe ich einige Standard-Routen, die ich in verschiedenen Kombinationen immer wieder ablaufe.

Doch dann kam mir - nicht ganz ohne Wehmut - eine Idee: In Anlehnung an die Fernsehsendung "Damals" werde ich ein wenig von dem Berichten, was ich vor genau einem Jahr getan habe. Damals (also am 9.8.2007) war ich unterwegs auf dem Jakobsweg, und zwar von León nach San Martín del Camino.

Es ist ein ungünstiger Einstieg in diese kleine Serie, denn eine Etappe, die öder ist, kann sich selbst ein Jakobspilger kaum vorstellen. Die Nacht zuvor hatten wir im Riesen-Schlafsaal einer Benediktinerinnen-Abtei verbracht. Ich erinnere mich noch gut, dass es dort im Gegensatz zu praktisch allen anderen Herbergen sogar Frühstück gab. Und zitiere aus meinem Tagebuch: "Es ist erstaunlich, dass 80 erwachsene Menschen hier trotzdem zur Ruhe kommen." Im Rückblick finde ich, dass das nicht stimmt, denn erschöpft genug ist man allemal. Und dann noch einmal Pilgerpech: "Heute haben wir uns glatt verlaufen und mussten sowieso 2 Stunden damit verbringen, uns aus der Stadt León und ihren sich scheinbar endlos hinziehenden Vorstädten zu befreien."

León sakral...


...und beschaulich

Schwierig: Herausfinden in der Dunkelheit



Nach einem Marsch unter der Sonne, die wie an jedem Tag zusehends heißer wurde, erreichten wir dann aber schon am frühen Nachmittag St. Martín, wo es für wenig Geld ein vernünftiges Pilgermenü und - welch' Luxus - Zweier-Zimmer gab. Und als ob ich von dem sengenden Feuerball auf dem Weg nicht genug bekäme, ließ ich mir dann lesend die Sonne auf den Pelz brennen, während meine handgewaschenen Sachen im urigen Obstgarten trockneten.

Ich war damals übrigens aufgebrochen, weil ich mal einen anderen Sport entdecken wollte - und entdeckte eine neue Art zu leben!