Ich weiß ja nicht, wie es anderen Bloggern bei ihren ersten Schritten mit dem eigenen Platz im Web so ging. Seit ich dieses Ding hier habe, frage ich mich jedenfalls, ob das denn alles so gut ist: Passen die Farben zu dem, was das noch kommen mag? Wie und mit welchen Themen soll ich meine Leser/-innen ansprechen. Und nicht zuletzt: Passt der Titel?
"Schultergucken", das ist eine ungebräuchliche Substantivierung einer Handlung meiner Leser, mit der ich die Rezeptionsperspektive meines Blogs vorweg nehmen möchte. Soweit, so gut. Aber klingt das nicht etwas plmp? Ein wenig zu sehr nach Chat-Jargon oder gar Sandkasten-Sprache? Nun ja, rein akustisch hört sich "Schulterblick" ansprechender an. Doch halt, ist das nicht das aus der Fahrprüfung, wo man durchfällt, wenn man ihn beim Spurwechsel vergisst? Sprachgefühl überprüfen - bei leo.org nachgucken.
Und siehe da: tatsächlich denken auch andere Leute beim Gucken über die Schulter an einparken und gar an "Kontrolle". Ein Bedeutungsanteil, der mir überhaupt nicht schmeckt, und außerdem will ich ja nicht über meine eigene Schulter zurück, sondern anderen sollen über meine nach vorn in mein Blickfeld schauen. Noch interessanter ist allerdings, dass "Schulterblick" offenbar ein Begriff aus der Werbebranche zu ist. Die Agentur präsentiert dem Kunden dabei den Stand ihrer Arbeit. Laut leo.org-Forum heißt das auf Englisch vermutlich "Tissue Meeting" (warum, weil man das Gewebe zwischen sich und dem Kunden stärkt???). Zumindest erklärt das, warum schulterblck.blogspot.com nicht mehr zu haben ist!
Posts mit dem Label Sprache werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Sprache werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Freitag, 18. Juli 2008
Vom Glück, die Unwahrheit zu sagen
Seit langer Zeit war ich gestern mal wieder in einem Gottesdienst. Und, mir nicht ganz ungelegen, ging es um den Turmbau zu Babel, jene Symboltat menschlichen Hochmuts schlechthin, auf die Gott mit der Verwirrung der Sprache antwortet, aus Angst, das Menschengeschlecht sonst gar nicht mehr bändigen zu können.
Und was wäre, wenn man Gott aus der Geschichte wegdächte? Dann wäre vom Nichtverstehen der Beigeschmack der Strafe genommen, und es eröffneten sich neue Perspektiven. Die eine, sozialkritisch, kann sich der Frage zuwenden, ob nicht bei zu hoher Konzentration auf ein einziges Ziel Zwischentöne auf der Strecke bleiben - solche, deren Beachtung Missverständnisse verhindern und solche, die den Menschen den ihnen gebührenden Platz im Rahmen solcher "Projekte" einräumen. Und die andere, philosophisch, die herausstreicht, dass ohne die Möglichkeit von Missverständnissen, ohne, dass mein Gegenüber mit dem Gesagten etwas meinen könnte, das ich nicht damit verbinde, kein Planen, keine absichtsvolle Gestaltung der Zukunft, keine Utopien einer besseren Welt möglich wären. Denn das unterscheidet menschliches Handeln und Kommunizieren von dem der Tiere. Diese, instinktgesteuert, haben ein einziges Zeichen für jeden überlebensnotwendigen Daseinszustand, den sie Artgenossen mitteilen. Ein Hund bellt nicht im Konjunktiv! Wir dagegen haben die Chance, (noch) Unwahres zu kommunizieren.
Für mich ist Babel deshalb eine Geschichte des Möglichen: Wir Menschen haben die Gabe, unsere Zukunft bewusst zu planen. Und wir haben auch die Fähigkeit, bei den dazu notwendigen Vorhaben nicht im Befehlston miteinander zu sprechen, der mit dem Prinzip "ein Wort - eine Handlungsfolge" dem Hundegebell bedenklich nahe kommt. Diese zu nutzen, erweist sich immer mehr als Schlüssel, damit viele Menschen gemeinsam etwas auf die Beine stellen. Eine andere Lesart Babels also: Kommunikation ist eine Chance, soweit und so lange wir nicht taub werden für ihre Vielfalt und Zwischentöne.
Und was wäre, wenn man Gott aus der Geschichte wegdächte? Dann wäre vom Nichtverstehen der Beigeschmack der Strafe genommen, und es eröffneten sich neue Perspektiven. Die eine, sozialkritisch, kann sich der Frage zuwenden, ob nicht bei zu hoher Konzentration auf ein einziges Ziel Zwischentöne auf der Strecke bleiben - solche, deren Beachtung Missverständnisse verhindern und solche, die den Menschen den ihnen gebührenden Platz im Rahmen solcher "Projekte" einräumen. Und die andere, philosophisch, die herausstreicht, dass ohne die Möglichkeit von Missverständnissen, ohne, dass mein Gegenüber mit dem Gesagten etwas meinen könnte, das ich nicht damit verbinde, kein Planen, keine absichtsvolle Gestaltung der Zukunft, keine Utopien einer besseren Welt möglich wären. Denn das unterscheidet menschliches Handeln und Kommunizieren von dem der Tiere. Diese, instinktgesteuert, haben ein einziges Zeichen für jeden überlebensnotwendigen Daseinszustand, den sie Artgenossen mitteilen. Ein Hund bellt nicht im Konjunktiv! Wir dagegen haben die Chance, (noch) Unwahres zu kommunizieren.
Für mich ist Babel deshalb eine Geschichte des Möglichen: Wir Menschen haben die Gabe, unsere Zukunft bewusst zu planen. Und wir haben auch die Fähigkeit, bei den dazu notwendigen Vorhaben nicht im Befehlston miteinander zu sprechen, der mit dem Prinzip "ein Wort - eine Handlungsfolge" dem Hundegebell bedenklich nahe kommt. Diese zu nutzen, erweist sich immer mehr als Schlüssel, damit viele Menschen gemeinsam etwas auf die Beine stellen. Eine andere Lesart Babels also: Kommunikation ist eine Chance, soweit und so lange wir nicht taub werden für ihre Vielfalt und Zwischentöne.
Abonnieren
Posts (Atom)
